
Herr Löchner, Ihr Roman „Aufbruch nach Honua“ trägt den Untertitel „Utopischer Roman“. Was hat es damit auf sich und aus welchem Grund haben Sie dieses Buch geschrieben?
Niemand kann die Zeichen übersehen – die fortschreitende Umweltverschmutzung, die damit verbundene Klimaerwärmung und die aktuellen Hungersnöte und Kriege. Und dennoch zerstört der Mensch auch weiterhin die Erde, die seine Lebensgrundlage bildet, während die überwiegende Mehrheit nach wie vor die Augen verschließt. Es ist ja auch wesentlich bequemer, sich einzureden, dass die unaufhaltsame Katastrophe – ganz genau so wie in einem Hollywood-Blockbuster – doch noch ein Happy End finden wird. Die Industriestaaten müssen sich den Menschen in den Entwicklungsländern gegenüber endlich solidarisch verhalten und ihnen unsere Unterstützung anbieten, damit wir alle verfügbaren Mittel weltweit in eine nachhaltige Wirtschaft investieren können.
Dazu fehlt uns aber noch der Wille.
Stimmt. In den meisten Fällen bleibt die Solidarität in dem Moment auf der Strecke, in dem wir unseren eigenen Geldbeutel öffnen müssen. Darüber hinaus fehlt uns noch immer eine klare Vision für eine neue, solidarische Weltordnung. Seien wir doch einmal ehrlich: Wir haben keinen Plan, ja, noch nicht einmal ein Konzept. Solange sich unsere Außenpolitik mit Wirtschaftssanktionen und mit Stellvertreterkriegen beschäftigt, anstatt die globale Zusammenarbeit für den Frieden und die Freiheit voranzutreiben, wird es auch kein gemeinsames Konzept geben, das es uns ermöglicht, die globalen Herausforderungen auf eine solidarische und friedliche Art und Weise anzunehmen und sie mit vereinten Kräften zu meistern.
Was hat dies alles nun mit Ihrem Roman zu tun?
In meinem Buch zeige ich eine utopische Lösung für die Menschheit auf – eine solidarische und friedliche Weltordnung. Die Frage, ob eine derartige Lösung in der Zukunft vielleicht realisierbar sein könnte oder ob jeder sinnvolle Denkansatz von vornherein zum Scheitern verurteilt sein wird, muss jeder Leser für sich selbst beantworten.
Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer, der sich in seinem Leben mit den unterschiedlichsten Technologien beschäftigt hat. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Während der gemeinsamen Mahlzeiten im Kreis meiner lieben Familie philosophieren unsere wissbegierigen Kinder gern mit uns Eltern über die Welt und das Leben und über die großen und kleinen Fragen unserer Zeit. Woher kommen wir? Und wohin gehen wir? Warum erzeugen nicht längst alle Menschen ihren Strom mithilfe der Sonnenenergie? Warum druckt die Zentralbank nicht einfach mehr Geld, um die ökologische Umgestaltung unserer Gesellschaft zu finanzieren? Warum müssen auf dieser Welt noch immer Kinder hungern?
Diese Gespräche haben Sie inspiriert?
Ja, vor allem am Anfang der Corona-Pandemie. Da habe ich meine zusätzliche freie Zeit dafür zu genutzt, ein Sachbuch über die Ursachen dieser unbegreiflichen Gegebenheiten und über die Zusammenhänge zwischen all diesen Problemen zu schreiben. Weil Sachbücher in der Regel aber nur von einem kleinen Kreis und eher selten von Jugendlichen gelesen werden, begann ich darüber nachzudenken, die mir besonders am Herzen liegenden Überlegungen in eine spannende Handlung zu integrieren. Eines Morgens unter der Dusche fiel mir dann wie aus heiterem Himmel diese Geschichte ein, in deren Mittelpunkt der fremde Planet Honua in den unendlichen Weiten des Weltraums steht. Als ich noch damit beschäftigt war, die Handlungsstränge zu entwerfen, erwachten die Protagonisten plötzlich zum Leben und sie ließen mich wissen, welche der anderen Akteure sie sympathisch oder unsympathisch fanden.
Am Anfang zeigt „Aufbruch nach Honua“ die Menschheit in einer schwierigen Lage.
Für die oben genannten Probleme, wie beispielsweise für die Umweltverschmutzung, die Klimaerwärmung, den Hunger und die Kriege, sind ausschließlich wir Menschen verantwortlich. Auch in meinem Roman hat der Mensch diese Probleme nicht von allein in den Griff bekommen. Und so kam es, wie es kommen musste. Überschwemmungen und Missernten auf allen Kontinenten haben letztendlich zu einem verheerenden Weltkrieg geführt, in dem es um die Verteilung der Ressourcen und um den zukünftigen Lebensraum ging.
Erst nach dieser schrecklichen Katastrophe zeigen die meisten Menschen die Bereitschaft zu einem solidarischen und friedlichen Miteinander …
Daraufhin werden die ehemaligen Staaten der Erde in 400 gleichberechtigte und gleich starke Metropolen aufgeteilt. Die Einführung einer einzigen, globalen Währung und der starke Wille, eine nachhaltige Wirtschaftsordnung aufzubauen, schaffen die Grundvoraussetzungen für diese neue Weltordnung.
Trotzdem sind nicht alle Menschen dazu bereit, zugunsten der Menschheit auf ihre früheren Privilegien und Machtansprüche zu verzichten.
So führt ein weltweiter Generalstreik zur Unterzeichnung der Charta für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit. Als die Erde kurz darauf von einem riesigen Asteroiden bedroht wird, der auf die Erde zurast, beginnt dann die eigentliche Geschichte. Da wir Menschen gegen eine derartige Bedrohung aus dem All machtlos sind, rufen die Präsidenten der Sektoren der Vereinten Metropolen die Mission Atlantis ins Leben. Das heißt, sie wollen Menschen zu fernen Planeten schicken, die diese erforschen und für uns bewohnbar machen und die dort neue Freunde und Verbündete finden sollen.
Wie realistisch ist das von Ihnen entworfene Szenario, zum Beispiel im Hinblick auf die technischen Voraussetzungen?
Nun ja, bis all dies eines Tages technisch realisierbar sein wird, werden noch einige Jahre vergehen. Ich habe aber darauf geachtet, einen Weg zu beschreiben, der die geltenden physikalischen Gesetze berücksichtigt. Da die erdähnlichen Planeten sehr weit von uns entfernt sind, brauchen wir eine Technologie, die es ermöglicht, Menschen einzufrieren und sie, was noch viel schwieriger sein dürfte, anschließend wieder unbeschadet aufzutauen. Weil das ein normaler menschlicher Organismus nicht aushalten würde, versuchen es die Menschen mit einer gezielten Genom-Veränderung. Wie wir ja alle wissen, ist eine Genom-Veränderung bereits technisch machbar, weshalb dieser Gedanke meines Erachtens gar nicht allzu abwegig sein dürfte.
Könnte der von dem Wissenschaftler Dr. Klein vorgestellte Bussard-Jet-Antrieb tatsächlich funktionieren oder handelt es sich hierbei um eine reine Utopie?
Ich bin natürlich kein Prophet. In der Vergangenheit haben wir aber schon so einige technologische Quantensprünge erlebt. Mit dem Herzstück dieses Antriebs, dem Kernfusionsreaktor, beschäftigt sich die Forschung schon seit den 1960er-Jahren sehr intensiv. Seit dieser Zeit erklären die Wissenschaftler, dass der Durchbruch in spätestens fünfzig Jahren erfolgen wird. Selbstverständlich wäre es aber auch denkbar, für den Antrieb eine ganz andere Technologie zu nutzen. An dieser Stelle bin ich optimistisch. Vielleicht wird es ja die Solartechnologie sein, die auf unserer Erde zukünftig die Rolle der zentralen Energiequelle einnehmen wird.
Und wie verhält es sich mit der Kryo-Technologie, also mit dem Einfrieren und dem anschließenden Auftauen der Besatzung, wodurch die lange Flugdauer zu dem fernen Planeten kompensiert werden soll?
Embryonen können bereits eingefroren und problemlos wieder aufgetaut werden. So viel zum aktuellen Stand der Technik. Damit dieser Prozess funktioniert, werden die Menschen in meinem Roman im Embryonalzustand genetisch verändert. Durch das Einfrieren stellt die Flugdauer also kein Hindernis mehr dar. Sie könnte ein Jahr, tausend Jahre oder auch ohne Weiteres hunderttausend Jahre betragen. Für eingefrorene Lebewesen herrschen im Weltall optimale Bedingungen. Zahlreiche Wissenschaftler gehen ja sogar davon aus, dass unser auf Kohlenstoff basierendes Erbgut vor Milliarden von Jahren durch Asteroiden zu uns auf die Erde gebracht wurde.
Einer der Männer, die sich als Astronauten-Anwärter um die Teilnahme an dieser Expedition bewerben, ist Atum. Was zeichnet ihn aus?
Atum ist ohne seinen Vater aufgewachsen, ja, er kannte ihn nicht einmal. Demzufolge hatte er alles andere als eine leichte Kindheit. Dies hat er allerdings als eine Herausforderung angenommen und er wird von einem äußerst starken Willen angetrieben. Auf der anderen Seite denkt er sehr viel nach und er verfügt über eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Ihm und den anderen Mitgliedern der Crew wird es erst kurz vor dem Abflug in vollem Umfang bewusst, dass sie ihre Familie, ihre Freunde und alles, was sie auf der Erde lieb gewonnen haben, für ihr bevorstehendes Abenteuer für immer hinter sich zurücklassen müssen.
Auf welche Fähigkeiten ist die Ausbildung der sechzig Astronauten-Anwärter ausgerichtet?
Die Astronauten-Anwärter werden darauf vorbereitet, auf einem ihnen völlig fremden Planeten zu landen, diesen zu erkunden und seine zukünftige Besiedelung durch den Menschen vorzubereiten. Dafür werden sie körperlich gedrillt und mit dem dafür erforderlichen, theoretischen Wissen versorgt. Das abschließende Überlebenstraining in der Wüste mit einem Gewaltmarsch stellt nur eine Zwischenprüfung dar. Da sie den Planeten friedlich erkunden und den Krieg nicht ins Weltall tragen sollen, findet allerdings keine Ausbildung an Schusswaffen statt.
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