Es gibt zwei Möglichkeiten im Leben: Man kann sich über alles aufregen, also zum Beispiel über diese gedankenlosen Idioten, die nicht den Deckel auf die Zahnpasta schrauben, die das letzte Knäckebrot wegessen und einem den Parkplatz wegschnappen – Sie wissen schon: Diese verdammten Alltagsverbrecher, die uns mit skrupelloser Perfidie Tag für Tag die Butter vom Brot nehmen.
Oder man kann sich im Leben sagen: Fasse ich mir doch mal an die eigenen Ohren; drehe ich doch mal meinen Kopf leicht in Richtung Sonne und versuche, das Schöne und Gute zu sehen! Das wollen wir heute tun.
Wenn man dann so schaut, sieht man nämlich allerhand und freut sich über Vielerlei: Über die Kollegin in den roten Pumps zum Beispiel. Über ein Bier am Abend nach der ganzen Schufterei. Über ein Lob vom Chef. Über ein Kilo weniger Fett. Über ein entfallenes Meeting. Darüber, dass jemand nicht „Meeting“ gesagt hat, sondern „Konferenz“. Über ein Kilo mehr Muskeln. Über einen Flirt in der U-Bahn. Darüber, dass man sein Lieblings-Shirt wieder gefunden hat. Über einen guten Griechenwitz. Über eine gelungene Tatort-Folge. Über den neuen Haarschnitt, zu dem einen die beste Freundin überredet hat. Über die hundert Euro von Oma. Darüber, dass mal wer anders abgespült hat.
Man freut sich über ein Nutellabrot in der Badewanne. Über günstige Benzinpreise. Über Spaghetti mit Olivenöl und Knoblauch. Über eine Beförderung. Über eine Stunde Spazierengehen. Über den blauen Himmel. Darüber, dass der arrogante Sausackkollege von einem Auto nassgespritzt wurde. Über die Brünette mit den Lippen. Über eine Leberkäsesemmel. Über Vogelgezwitscher. Über eine Weißwurst. Über guten Sex. Über eine Brezn. Über eine saubere Toilette. Über ein Weißbier. Darüber, dass man sich an die Geheimzahl seiner Euroscheckkarte erinnert, bevor die Karte vom Automaten eingezogen wird. Über einen Burger. Über zwei Burger. Über eine große Portion Pommes. Über eine große Portion Pommes mit Cola. Und Ketchup.
Man freut sich über eine Einladung zu einer Party. Über ein Lächeln, einen Kuss. Über das Miauen von Nachbars Katze. Über einen Anruf von einem alten Freund (Mensch, ewig nichts gehört, was machst du so, Riesensache). Über eine SMS von dem Typ mit dem Schnurrbart auf der Party. Über ein Selfie mit Schweinsteiger. Über eine Packung Erdnussflips. Über ein Selfie mit einem Topmodel. Über einen Roman von Stephen King. Über ein Selfie mit dem besten Kumpel (Discount-Champagner trinkend). Über ein Autogramm von Angela Merkel. Über ein Selfie nur mit sich selbst – am Palmenstrand, in New York, auf der Wildhaber-Hütte, auf dem Klo vom P1.
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