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Gesundheitsexpertin Dr. Libby verrät Frühlingstipps und spricht über Ihr Buch „Wunderbar weiblich“

Wunderbar weiblich von Dr. Libby

13. April 2018 | Interview: Annika von Schnabel | Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten


Wie kommt Frau fit und glücklich in den Frühling? Gibt es Frühjahrsmüdigkeit wirklich? Worauf freut sich Gesundheitsexpertin Dr. Libby selbst im Frühling? Ein Interview mit erfrischenden Tipps.


Dr. Libby, Ihr neues Buch heißt „Wunderbar weiblich – Gesundheit, Ernährung, Entspannung“ – und jetzt gerade kommt der Frühling. Wie startet man als Frau glücklich und gesund in den Frühling?

Mit den Produkten der Saison! Saisonale Produkte zu kaufen und zu essen ist nicht nur gesund, es ist auch gut für Ihren Geldbeutel. Obst und Gemüse, das unter natürlichen Bedingungen draußen heranreift, kann mehr Nährstoffe aufnehmen und diese auch besser umwandeln. Also wählen Sie für Ihren Start in den Frühling am besten frühlingstypische Produkte aus.

Ihr Spezialgebiet ist ja die Biochemie des Körpers. Passieren, wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, im weiblichen Körper andere Prozesse als in den anderen Jahreszeiten?

Gegen Ende des Winters kann bei vielen Menschen ein Vitamin-D-Mangel auftreten, besonders bei denen, die eher in nördlichen Breitengraden leben. Vitamin D wird in der Haut produziert, sobald Sonnenlicht mit einem UV-Faktor von 3 oder höher auf die Haut trifft. Vitamin D ist wichtig für gesunde Knochen und ein funktionierendes Immunsystem.

Gibt es die Frühjahrsmüdigkeit wirklich?

Na ja, wir Menschen tendieren eben dazu, in den Wintermonaten weniger nährstoffreiche Lebensmittel zu konsumieren, uns eher drinnen aufzuhalten und uns weniger zu bewegen. Es ist ja auch nicht so verlockend, in der kalten Jahreszeit draußen zu sein! Wenn also weniger Nährstoffe aufgenommen werden und man sich weniger bewegt, dann kommt es oft vor, dass man sich nach dem Winter schlaff und energielos fühlt. Ich hoffe, dass mein Buch Frauen neue Impulse geben kann, wie sie ihre Gesundheit und ihren Energiehaushalt durch alle Jahreszeiten hindurch fördern können.

In Ihrem Buch erklären Sie, wie wichtig qualitativ hochwertige Lebensmittel sind. Aber „bio“ ist teuer? Haben Sie einen Tipp?

Ich möchte natürlich, dass meine Ratschläge realistisch und praktisch umsetzbar sind. Deshalb rate ich, Bio-Produkte zu kaufen, wann immer es Ihnen möglich ist. Wenn Sie es sich nicht leisten können, weniger belastete Produkte zu kaufen, dann schauen Sie, wo Ihre Prioritäten liegen und ob Sie vielleicht nicht doch das eine oder andere Zugeständnis machen können. Als ich finanzielle Engpässe hatte, kaufte ich mir vier Jahre lang keine neuen Klamotten oder Schuhe, es sei denn, sie kosteten drei Euro oder weniger.

Also aus dem Second-Hand Laden?

Ja. Das zeigt, wieviel mir Bio-Ernährung, schadstoffarme Reinigungsmittel und Bio-Hautpflegemittel wert waren. Falls Bio-Produkte für Sie nicht leicht erhältlich sind oder sie Ihnen wirklich zu teuer sind, dann versuchen Sie die Pestizide auf folgende Weise zu entfernen: Pestizide sind ja normalerweise fettlöslich. Normales Waschen, womit sich Schmutz und Bakterien entfernen lassen, reicht deshalb nicht aus, um Pestizide loszuwerden. Um Ihre Lebensmittel also von Schmutz und Pestiziden zu befreien, mischen Sie drei Teile Wasser mit einem Teil Essig in Ihrem Waschbecken und darin waschen Sie dann Ihr Obst und Gemüse. Danach spülen Sie alles unter laufendem Wasser ab, und trocknen und lagern es dann für den späteren Gebrauch ein. Wichtig ist, dass Sie genau das machen, was für Sie praktisch ist und versuchen Sie dann noch ein bisschen mehr herauszuholen.

Welche Nahrungsmittel, die im Frühling frisch zu bekommen sind, empfehlen Sie besonders?

Aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive sind alle Pflanzen Superstars, weshalb ich dazu rate, möglichst viel Gemüse zu essen.

Frühling heißt ja auch immer – der Sommer und die Bikini-Zeit sind nicht fern. Wie sollten Frauen damit umgehen? Sie persönlich sind ja kein Fan von Diäten, richtig?

Ich habe meine Klienten nie gewogen, weil ich glaube, dass die Konzentration auf das Gewicht oft auf Entzug beruht, was wiederum kein gesundes Körperbild fördert. Viele Frauen messen eigentlich nur ihr Selbstwertgefühl, wenn sie sich wiegen. Heute wird uns oft gesagt, dass abnehmen müssten, um gesund zu sein, aber ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist: Man muss gesund sein, um nachhaltig abzunehmen.

Niemand plädiert so sehr für Wasser und gegen Kaffee wie Sie. Bitte erklären Sie Ihre Begeisterung für das eine und Ihre Abneigung gegen das andere.

Wasser ist die Grundlage allen Lebens und das schließt unseren Körper mit ein. Die Muskeln, die unseren Körper bewegen, bestehen zu 75 Prozent aus Wasser. In unserem Blut, das die Nährstoffe durch unseren Körper transportiert, sind 85 Prozent Wasser enthalten. Unsere Lungen, die Sauerstoff aufnehmen, bestehen zu 90 Prozent aus Wasser und unser Gehirn zu 76 Prozent. Sogar unsere Knochen bestehen zu 25 Prozent aus Wasser! Leider besteht kein einziger Teil von uns aus Kaffee! Deshalb ist Kaffee nicht lebenswichtig.

Sind Sie gegen Kaffee?

Nein, ich rege lediglich dazu an, den eigenen täglichen Kaffeekonsum mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Während dem Kaffee durchaus einige gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden, regt er andererseits aber die Produktion von Adrenalin, einem Stresshormon, an. Das allein wäre wahrscheinlich noch zu verkraften, aber viele Menschen produzieren ohnehin schon hohe Mengen an Stresshormonen, was dem gefühlten Druck, den das moderne Leben an die Menschen stellt, geschuldet ist. Unsere Körper sind nicht dazu eingerichtet, über lange Zeiträume hinweg hohe Mengen an Adrenalin und Cortisol (unser anderes Stresshormon) zu produzieren, was sich auf unsere Gesundheit auswirkt.

Adrenalin ist das Hormon, das primär für Angstgefühle verantwortlich ist.

Es hebt den Blutdruck, wirkt sich störend auf die Verdauung aus und beeinträchtigt den Schlaf. Der Konsum von zu viel Koffein kann all diese Dinge zur Folge haben, was sich letztlich negativ auf unsere Lebensqualität auswirkt.

Immer wieder weisen Sie in „Wunderbar weiblich“ darauf hin, wie wichtig Entspannung ist, damit die Biochemie des Körpers stimmt und man sich wohl fühlt. Aber wie soll man entspannt sein, wenn man viel arbeitet, eine Familie hat und auch noch hin und wieder seine Freunde sehen will?

Es ist unbestreitbar, dass es Zeiten in unserem Leben gibt, in denen wir ständig viel zu tun haben und für Arbeit und Familie da sein müssen. Diese Zeiten kommen oft in Wellen. Was ich aber bemerkt habe, ist, dass es egal ist, ob eine Frau zwei oder 200 Dinge auf ihrer Liste stehen hat. Oft versucht sie, alles auf ihrer Liste abzuarbeiten und überschlägt sich dabei. Wenn Sie sich gestresst oder überfordert fühlen oder wenn Sie Angst vor Ihren täglichen Aufgaben haben, dann sollten Sie mal darüber nachdenken, wie Sie Druck und Eile auslegen.

Oft gibt es Dinge, von denen wir denken, dass wir sie sofort erledigen müssen.

Sehr viele davon können aber ohne Probleme auch erst später angegangen werden. Dadurch setzen wir uns im Laufe eines jeden Tages mehr unter Druck, als es eigentlich nötig ist. Sich dies bewusst zu machen, kann für ungeahnte Freiräume in unserem Alltag sorgen. Es kann uns helfen, unsere Aufgaben zu überdenken und den Stress eines ‚Ich muss das machen’ in ein ‚Ich darf das machen’ umzuwandeln. Das hilft uns, die Möglichkeiten im Leben und das Geschenk des Lebens selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Interessant ist der Trick, den Sie für morgens empfehlen: Wir sollen uns ein Ritual zulegen, etwa vor dem Aufstehen an fünf Dinge denken, für die wir dankbar sind. Was bringen solche Rituale und was haben Sie mit der Biochemie des Körpers zu tun?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir nicht Stress und Dankbarkeit gleichzeitig empfinden können und dass unsere Stimmung einen direkten Einfluss auf unsere Biochemie hat. Abgesehen davon hält uns das Gefühl von Dankbarkeit davon ab, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die wir nicht haben oder die in unserem Leben schieflaufen. Stattdessen schauen wir auf das, was wir haben und was wir an unserem Leben lieben.

Bitte noch zwei persönliche Fragen zum Schluss: Was machen Sie im Frühling anders als sonst?

Ich mache nicht unbedingt etwas anders als sonst auch, aber ich habe mir vorgenommen in diesem Frühling den kleinen Dingen mehr Beachtung zu schenken – und das auch an meinen ausgefülltesten Tagen – etwa einer blühenden Blume oder der Sonne, die in mein Gesicht scheint.

Und worauf freuen Sie sich am meisten, wenn der Frühling kommt?

Ich liebe saisonale Produkte und ich baue zu Hause auch mein eigenes Gemüse an. Wenn es jetzt Frühling wird, freue ich mich darauf, neues Gemüse in meinem Garten zu pflanzen. Diejenigen, die für einen Gemüsegarten nicht den Platz haben, können ihre Kräuter in Töpfen am Küchenfenster oder auf dem Balkon ziehen.

 

Dr. Libby 5 Top-Tipps für einen wunderbar weiblichen Frühling

Dr. Libbys Frühlingstipp 1
Lassen Sie Ihren ‘Nein-Muskel’ spielen: Die Dinge, in die Sie einwilligen, nehmen Ihre Zeit in Anspruch. Es gibt viele Menschen, denen das Nein-Sagen leichtfällt, andere aber finden es unmöglich, ’nein’ zu sagen. Müssten Sie Ihren ‘Nein-Muskel’ vielleicht öfter mal spielen lassen? Vielleicht sollte es ein ‘Nein’ sein, wenn es kein eindeutiges ‘Ja, gar keine Frage’ ist? Wenn Sie zu denen gehören, die jedem immer alles recht machen wollen, dann wird es Ihnen schwerfallen, ’nein’ zu sagen und Sie sind womöglich erschöpft davon, sich als stärker auszugeben als Sie sich in Wirklichkeit fühlen.

Dr. Libbys Frühlingstipp 2
Machen Sie etwas – nur für sich: Erinnern Sie sich mal daran, wie es ist, wenn Sie mit dem Flugzeug fliegen. Dann sagt Ihnen die Stewardess bei den Sicherheitsinstruktionen, Sie sollen erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor Sie anderen helfen. Leider läuft es in unserem Leben aber meistens nicht so. Wenn Sie sich selbst nicht als Priorität betrachten, dann verbrauchen Sie all Ihre Energie und opfern obendrein Ihre Gesundheit. Für andere kann dann ja nichts mehr übrigbleiben. Nehmen Sie sich also vor, jede Woche etwas nur für sich ganz persönlich zu tun.

Dr. Libbys Frühlingstipp 3
Verbringen Sie Zeit in der Natur: Das kann Ihnen helfen, ruhiger zu werden und wird sich auf Ihren Körper, Geist und Ihre Seele positiv auswirken.

Dr. Libbys Frühlingstipp 4
Ernähren Sie sich von hochwertigen Lebensmitteln – vor allem auch von pflanzlichen Produkten – und achten Sie darauf, dass jede Mahlzeit Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und ungesättigte Fettsäuren enthält. Wer gesund isst, zeigt seinem Körper, dass er ihn wertschätzt.

Dr. Libbys Frühlingstipp 5
Machen Sie jeden Tag Atemübungen. Das können atembasierte Tai-Chi-Übungen sein, Meditationen oder auch leichtes Yoga. Die Bauchatmung – also das lange, langsame Atmen, bei dem sich die Bauchdecke hebt und senkt – kann Ihr Leben verändern und das sage ich nicht einfach so!

 

 

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