Christoph Niemann: Wörter. Buchempfehlung | BUCHSZENE

Ein Mädchen im Rock spielt Rock auf der Gitarre. Eine Schlange steht Schlange. In seinem humorvoll illustrierten Buch „Wörter“ spielt Christoph Niemann mit denselben. Das macht Menschen von 4 bis 100 Jahren Spaß.

In seinem Buch „Wörter“ setzt der Illustrator Christoph Niemann mit Witz 300 Begriffe in Szene

29. März 2019 | Tina Rausch

Titelbild Wörter

© Yulila D shutterstock-ID: 1102467944

Kartoffelscheibe oder Plättchen aus Halbleitermaterial?

Was unterscheidet einen Chip von einem Chip? Einmal handelt es sich laut Duden um eine „roh in Fett gebackene, dünne Kartoffelscheibe, die zu Getränken gegessen wird“ und meist im Plural vorkommt, und einmal um ein „dünnes, einige Quadratmillimeter großes Plättchen aus Halbleitermaterial.“ Energie liefern sie beide – wenngleich auf jeweils andere Weise.

Wenn Mädchen über den Rasen rasen …

In seinem Buch „Wörter“ zeigt Christoph Niemann dies in wenigen dicken schwarzen Strichen auf: Links hält ein Mädchen eine Chipstüte in der Hand und steckt sich einen in den Mund; rechts von ihr ist ein Roboter im Begriff, sich einen elektronischen Chip einzuverleiben. Chip ist eines von wenigen Homonymen – oder auch Teekesselchen – in dem rundum gelungenen Buch. Seine farbig unterlegten Doppelseiten zählen zu den originellsten Begriffsbildern: Da beleuchtet der Schein einer Taschenlampe einen Geldschein, da sieht man ein Mädchen über den Rasen rasen, eine Schlange reiht sich in eine (Menschen-)Schlange ein, und ein Mädchen im Rock spielt Rock auf der Gitarre.

Ratzfatz, larifari und papperlapapp

Über 300 Wörter – Substantive, Verben, Adverbien und Adjektive bis hin zu Präpositionen, Pronomen und Konjugationen – hat Christoph Niemann auf je einer Seite in Szene gesetzt. Er wollte „einen Zugang zu Wörtern möglich machen, der genauso spielerisch und inspirierend ist wie das Betrachten von Zeichnungen“, schreibt er im Vorwort, das zugleich eine kurze Gebrauchsanweisung ist. Für die amerikanische Originalfassung orientierte sich der aus Waiblingen stammende, international renommierte Illustrator an der offiziellen „List of Instant Words“, die (junge) amerikanische Leser kennen sollten, da diese häufig vorkommen. Ob das im Deutschen für Kauderwelsch, ratzfatz, larifari und papperlapapp gilt, sei dahingestellt, doch allein die entsprechenden Bilder zu entziffern, also zu lesen, ist ein Riesenspaß.

Christoph Niemann

Geboren 1970 in Waiblingen, ist Christoph Niemann Illustrator, Graphiker und Autor verschiedener Bücher. Seit 1998 hat er über 20 Cover für den New Yorker gestaltet, seine Illustrationen erscheinen in verschiedenen Zeitschriften. 2010 wurde er in die Art Directors Club Hall of Fame aufgenommen. Christoph Niemann lebt mit seiner Frau und drei Söhnen in Berlin.


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