Windstärke Tod
Sorry, No posts.

ISBN 978-3-548-06675-2

352 Seiten

€ 14,99

eBook: € 11,99

Zu zweit zu schreiben ist eine vertrackte Sache. Anja Goerz und Eric Niemann berichten von ihrer Zusammenarbeit für den Kriminalroman „Windstärke Tod“.

Hinter dem Pseudonym Bente Storm verbirgt sich das Autorenduo Anja Goerz und Eric Niemann

Windstärke Tod

„Isst Du Kuchen?“

„Diebstahl auf Friedhöfen – Tatverdächtiger ermittelt“

„Zeig ich Dir, die Hausboote“

„10.09. Treffen Kapitän klappt“

„So mook wie dat“

„Ich lese gerade deinen Text und recherchiere“

„Guck mal ins Manuskript, die kleine Schwester von Victor habe ich Ana genannt“

„Wollen wir Bente vorschlagen?“

„Bin gerade in Cuxhaven, im Restaurant, das Victors Eltern gehören könnte“

Ein kleiner Ausschnitt aus dem wohl längsten WhatsApp-Chat auf unseren Handys. Seit wir uns kennen, tauschen wir uns über diesen Kanal aus. Ideen für Geschichten werden genauso hin- und hergeschickt, wie die Einfälle zu Figuren oder Spielorten. Auch das neue Pseudonym für die Krimireihe, die bei der Wasserschutzpolizei Cuxhaven spielt, ist so entstanden. Unter Bente Storm veröffentlichen wir ab März 2023 unsere Krimis mit Agatha und Victor, einer Wasserschutzpolizistin und einem Kriminalbeamten. In „Windstärke Tod“ bekommen die beiden es nicht nur mit mehreren Leichen, sondern auch mit Verwicklungen in der Kommunalpolitik zu tun.

Wir wollten etwas völlig Neues erfinden

Nach vier gemeinsamen Krimis an unterschiedlichen Orten, wollten wir etwas ganz Neues erfinden. Dazu haben wir einen Ort gesucht, an dem sich die Ermitter*innen eigentlich schon auf die Füße treten müssten, wenn man die Dichte der Geschichten betrachtet. Der Zufall wollte es, dass Eric in Cuxhaven Familie hat und sich sehr gut auskennt. Nach einem gemeinsamen Wochenende mit Matjesbrötchen und Grimmershörnbucht war klar, dass Agatha und Victor ein Zuhause gefunden haben. Nicht nur wegen der besonders schönen Landschaft, sondern auch wegen der Mentalität der Menschen hier; und auch die Geschichte der zahlreichen Portugiesen in der Stadt hat uns interessiert.

„Was macht Victor, während Agatha auf dem Boot ist?“

„Konsolenboot mit Schlupfkabine, guck mal so ein Ding fährt Agatha“

„Von Eitzen ist ein echtes Arschloch“

„Brathering 8,90 Euro, fast alle portugiesischen Gerichte nur auf Vorbestellung“

„Der fliegende Holländer überzeugt mich noch nicht so ganz“

Wie schreibt man zu zweit einen Kriminalroman?

Zusammen schreiben, wie geht denn das? Wohl eine der häufigsten Fragen an uns. Wir schreiben einfach. Aber mit System: Erst die Sammlung von Ideen, dann einen Plot in Stichworten. Es folgt ein umfangreiches Exposé, aus dem Kapitel abgeleitet werden, und schließlich wird das Geschehen in den Kapiteln ausformuliert. Immer wer gerade Zeit hat, schreibt. Der andere übernimmt und liest vorher das Geschriebene gegen. Ganz am Ende geht der gesamte Stoff noch mehrfach hin und her. Zu Testlesenden und nochmal hin und her. An den Verlag und … Ihr wisst schon.

„Hab den Einstieg nochmal umgeschrieben“

„Ich war einkaufen, hast Du versucht anzurufen?“

„Das Kapitel mit Hans passt besser vor die Geschichte mit der Kneipe“

„So, letzter Durchgang fertig“

„Habs jetzt an den Verlag geschickt“

„Cover sieht super aus, hast Du gesehen?“

„Vö am 30 März“

Wie nur finde ich eine/n Schreibparter*in? Passt das zu mir?

Okay, so läuft es ab, das gemeinsame Schreiben. Und nun könntet ihr euch fragen: Wie finde ich so eine/n Schreibpartner*in? Oder zunächst: Passt das überhaupt zu mir – mit jemandem zusammen zu schreiben? Welche Voraussetzungen müssen da gegeben sein?

Eine wichtige Voraussetzung fürs Schreiben zu zweit

Da gibt es vermutlich ganz unterschiedliche Auffassungen, wie so etwas gelingen kann. Wir können da nur von uns sprechen. Eine wichtige Voraussetzung ist für uns die Kompromissbereitschaft. Da verhält es sich in etwa so wie in einer Beziehung. Sie besteht aus miteinander reden, sich verständlich machen und Kompromisse schließen. Wenn der/die Schreibkolleg*in so gar nicht überzeugt ist von einer Figur, einer Wendung, einem Cliffhanger oder einem Plotelement, dann werden die Pros und Cons auf den Tisch gepackt – und darüber diskutiert. Und hier folgt die zweite Voraussetzung: der Diskurs.

Was, wenn die Lieblingsfigur durch einen Hund ersetzt werden soll?

Die Argumente sollten entscheiden, und beide müssen die Bereitschaft mitbringen, sich auf die Argumente des anderen einzulassen und ihnen dann gegebenenfalls auch zu folgen. Klingt banal, ist es aber nicht, wie sicherlich jeder und jede aus eigener Erfahrung weiß: Die Figur, die ans Herz gewachsen ist (und die der/die andere komplett streichen und durch einen Hund ersetzen möchte), die Wendung, die biografische Bezüge aufweist und daher emotional aufgeladen ist (die aber der/die Co so gar nicht interessant findet) oder das Finale, das dem einen zu trivial, so pathetisch, zu gewollt, zu vorhersehbar ist. Und hier kommt nun ein weiterer Punkt ins Spiel: beide Schreibenden sollten in Bezug auf das selbst Geschriebene möglichst uneitel sein.

Es bleibt, wie es ist, oder es fliegt raus

Ja, mag sein, dass das ein sehr schön formulierter Satz, ein wunderbarer Gedanke, eine elegante Verkettung von Bausteinen ist: Aber wir brauchen ihn nicht, den Satz, er zahlt nicht ein auf die Geschichte, er führt weg, ohne dass das Wegführen einen Sinn hätte, ergo fliegt er raus. Punkt. Nächster Satz. Wobei es dann nicht nur um Worte und Sätze geht, sondern mitunter auch um Absätze oder Textpassagen, bis hin zu Figuren. Also wird entschieden: Es bleibt, wie es ist, oder es fliegt raus. Natürlich ist es dann wichtig, dass diejenigen, denen man vertraut – Lektor*in, Vertreter*innen der Agentur, Testleser*innen – eben jene Kürzungen oder Veränderungen im Text unterstützen. Das bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein, und erleichtert es, Änderungen am Text vorzunehmen.

Kompromisse, Diskussionen, sich von Liebgewordenem trennen

So heißt „zusammen schreiben“ für uns, die Bereitschaft mitzubringen, das Geschriebene zu diskutieren und zu kritisieren, Kompromisse zu schließen, sich von Liebgewordenen zu trennen und ein gemeinsames Bild davon entwickeln zu können, in welchem Stil und mit welchen Inhalten und Wendungen wir eine Geschichte erzählen wollen. Ob uns das gelingt, entscheiden dann die Leser*innen. Und für uns ist es auch ein Kompliment, wenn wir hören, dass beim Lesen nicht das Gefühl entstanden ist, es hätten zwei den Text verfasst. Und manchmal wissen wir es beim Korrekturlesen auch nicht mehr.

Der Inhalt von Bente Storms „Windstärke Tod“ auf einen Blick:

Ausgerechnet an ihrem freien Tag stößt die junge Wasserschutzpolizistin Agatha Christensen auf eine Leiche. Der Tote ist Gunther Fluth, ein Mediator, der im erbitterten Streit rund um einen Offshore-Windpark vermitteln wollte. Mögliche Verdächtige gibt es also zuhauf. Zuständig für die Ermittlungen ist Polizeiobermeister Victor Carvalho von der Kripo, doch Agatha stellt ihre eigenen Nachforschungen an – gegen alle Widerstände. Als ein weiterer, politisch höchst brisanter Mord geschieht, wächst der Druck auf Victor, und er ist mehr denn je auf Hilfe angewiesen. Auch wenn er es nicht zugeben würde, kommt ihm da Agathas kriminalistischer Eifer gerade recht; um den Zusammenhang zwischen den Verbrechen zu erkennen und ihnen so schnell wie möglich ein Ende zu setzen, aber nicht nur deshalb …

thrill Magazin

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ISBN 978-3-548-06675-2

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Syndikat

Das Syndikat ist der Verein der deutschsprachigen Kriminalschriftsteller*innen. Gegründet 1986 zählen zu seinen Mitgliedern berühmte Autoren wie Sebastian Fitzek und Ingrid Noll. Das Syndikat organisiert jedes Jahr die CRIMINALE und vergibt bei dieser Gelegenheit den Glauser-Preis für den besten Kriminalroman.

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