
Zu zweit einen Krimi zu schrieben, ist kompliziert
Einen Krimi zu schreiben, ist keine leichte Aufgabe. Anders als bei anderen Literaturgattungen kann man hier (selbst wenn man wollte) nicht einfach so darauf losschreiben, sondern muss die Handlung im Vorfeld festlegen und sich zudem überlegen, wo man welche Spur und welche falsche Fährte legt. Das allein ist schon alles andere als einfach. Vor allem weil auf dem Weg zum Ziel (= die Überführung des Täters) viel passieren kann, das man vorab so nicht auf dem Schirm hat. Da verhalten sich Figuren anders als geplant, neue Personen kommen hinzu oder als Autor fallen einem gewisse Ungereimtheiten auf, an die man zu Beginn nicht eine Sekunde gedacht hat. Dennoch sollte bei einem Kriminalroman zumindest die grobe Richtung von Anfang an feststehen, ebenso wie die Fragen, um welches Verbrechen es sich handelt und wie es aufgeklärt werden soll. Der Rest findet sich während des Schreibens der Geschichte.
Für einen Autor alleine funktioniert das relativ gut (abgesehen von all den ungeplanten externen Zwischenfällen, die einen vom Schreiben abhalten können – doch das ist ein völlig anderes Thema) – schließlich ist man sein eigener Chef und weiß selbst am besten, was man erzählen will. Komplizierter wird das Ganze, wenn man mit einem Co-Autor beziehungsweise wie in meinem Fall einer Co-Autorin schreibt. Auf einmal kümmern sich zwei kreative Köpfe um eine Story und jeder hat seine ganz eigene Vorstellung davon, wie es weitergehen soll.
Wie Silke Porath und Sören Prescher ihre Zusammenarbeit organisieren
Kennengelernt habe ich meine Co-Autorin Silke Porath vor vielen Jahren im Online-Forum der 42erAutoren. Während einer unserer zahllosen Gespräche kamen wir auf den Punkt Zusammenarbeit zu sprechen. Wir beide hatten Lust darauf und Silke zufälligerweise ein Krimi-Projekt am Start, für das sie einen Co-Autor suchte. Daraus entstand die Kurzkrimi-Sammlung „Wer mordet schon zwischen Alb- und Donau?“. Diesem Band folgten später zwei weitere; einer über die Oberlausitz und einer über die „Mörderische Sächsische Schweiz“, bevor wir uns auf die gemeinsame Romanarbeit konzentrierten.
Die Vorgehensweise dabei ist normalerweise immer die gleiche: Zunächst erstellen wir gemeinsam ein Handlungskonzept, das den Verlagen vorgelegt wird. Nachdem diese ihr grünes Licht gegeben haben, beginnt der Schreibprozess. Das ist ein bisschen wie Ping-Pong spielen. Einer von uns beiden fängt mit einer Geschichte an, schreibt ein gewisses Pensum an Seiten und schickt es dann an den anderen. Der (oder die) liest sich das Ganze durch, ändert das ab, was er (oder sie) gerne abändern würde, und setzt den Text fort. So geht das immer wieder hin und her, bis der Roman fertig ist.
Das Unvorhersehbare ist auch ein großer Nachteil dieser Arbeitsweise
Der Vorteil an seiner solchen Zusammenarbeit ist ganz einfach: Wenn ich an einem Solo-Roman arbeite, bin ich von Anfang bis Ende alleine dafür verantwortlich. Ich muss mir den Kopf zerbrechen, was die Leute sagen, warum sie von A nach B gehen und wie ich alles auflöse. Bei einer Team-Arbeit gibt es da immer noch eine zweite Person, die einen dabei unterstützt. Und die einen auf völlig neue Sichtweisen bringt. Schon sehr oft hat Silke unsere Geschichten während des Schreibens in völlig andere Richtungen gelenkt oder Aspekte einfließen lassen, die ich überhaupt nicht vorausgesehen hatte. Von solchen Dingen können die Storys nur profitieren. Außerdem bleibt das Schreiben so interessant, abwechslungsreich und bereitet gleich noch mehr Spaß.
Das Unvorhergesehene ist gleichzeitig auch ein großer Nachteil. Du denkst dir, du hast genau im Blick, was als Nächstes passiert, und dann – zack! – kommt die Co-Autorin mit einer völlig anderen Wendung daher. Dann sitzt du erst mal da und überlegst, ob du das A) gutfindest und B) wie um alles in der Welt es nun weitergehen soll. In den meisten Fällen sind die unerwarteten Wendungen tatsächlich gut und fordern dich als Autor neu heraus. Ich mag das. Schwierig wird es nur, wenn du dadurch auf einmal komplett auf dem Schlauch stehst und dir beim besten Willen keine plausible Fortsetzung einfällt. Ein, zwei Mal hatten Silke und ich dieses Problem bereits. In der Regel genügt dann ein kurzes Nachhaken beim jeweils anderen, welcher tiefere Sinn dahintersteckt und/oder wieso es überhaupt in diese Richtung ging. Bis jetzt haben wir im gemeinsamen Gespräch immer eine Lösung gefunden, mit der beide Seiten zufrieden sind. Ich sage nicht, dass es jedes Mal leicht ist, aber auch das macht den Reiz einer solchen Zusammenarbeit aus.
Manchmal muss man aufpassen, dass man nicht durcheinander kommt
Ein weiterer markanter Punkt des gemeinsamen Schreibens ist, dass es immer wieder mal Leerzeiten gibt. Also Phasen, in denen die Geschichte beim Co-Autor liegt und du darauf wartest, dass du das neue Material zugeschickt bekommst. Silke und ich schreiben meist im wöchentlichen Wechsel: Eine Woche sie, dann wieder eine Woche lang ich. Manchmal kommt es vor, dass längere Zeiten verstreichen – wegen Krankheit, Urlaub oder irgendwelcher unvorhergesehener Ereignisse. Nachhaken und Drängeln bringen da in der Regel nicht viel – außer wenn die Deadline näher rückt. Aber diesbezüglich hatten wir bislang keine Probleme.
Ich betrachte diese Zwangspause vielmehr als Gelegenheit, mich um andere Projekte zu kümmern. Beispielsweise um das Schreiben und Konzipieren von Solo-Romanen, denn trotz aller Gemeinschaftsarbeit bin ich auch froh, parallel dazu an Sachen zu arbeiten, bei denen ausschließlich ich den Ton angebe (na gut, Verlage, Lektorat und den Markt im Allgemeinen mal außer Acht gelassen). Es ist allerdings gar nicht so einfach, mit dem Kopf gleichzeitig in mehreren Geschichten verankert zu sein. Mittlerweile habe ich darin zwar eine gewisse Übung, doch selbst nach etlichen gemeinsamen Romanen kommt es noch vor, dass ich mich erst einmal wieder in die andere Handlung hineinlesen muss, um nicht völlig durcheinander zu kommen.
Der Boxerrüde Horst und die Reihe „Auf den Hund gekommen“
Wer jetzt denkt, das wäre es gewesen und man könnte den Schwierigkeitsgrad nicht erhöhen, der irrt. Noch komplizierter wird es, wenn man gleichzeitig an zwei Reihen mit relativ ähnlichem Setting schreibt. So ist es mir jahrelang ergangen (respektive geht es noch). Zuerst haben Silke und ich an der Handlung für einen humorvollen Krimi auf einem Campingplatz getüftelt und überlegt, wer von den Urlaubern am besten für die Mordermittlungen geeignet sein könnte. Wir wollten einen gutmütigen Jedermann. Jemanden wie Schrödinger, der in einem Getränkemarkt arbeitet und ständig in die unmöglichsten Situationen gerät. Für so jemanden braucht es natürlich ein passendes Gegenstück. Daraus wurde der immerhungrige Boxerrüde Horst, der Fälle wie den auf dem Campingplatz meist früher durchschaut und sein Herrchen in die richtige Richtung zu lotsen versucht. Was gar nicht so einfach ist. Dieses Konzept war ein voller Erfolg und dem „Mord mit Seeblick“ sind bisher vier weitere Bände gefolgt. Der aktuelle heißt „Mord mit Ostseebrise“ und ist im Herbst 2022 exklusiv bei Weltbild erschienen.

Für den Chat bitte einloggen