Der junge Hai Aro verfügt über besondere Fähigkeiten. Ob ihm diese in Marisa Barkhoffs Fantasyroman „Wächter des Meeres“ helfen, seine Mission zu erfüllen?

„Wächter des Meeres“ ist der erste Band von Marisa Barkhoffs Jugend-Fantasy-Dilogie über Haie

27. Juni 2022 | Interview: Jörg Steinleitner

Wächter des Meeres

Frau Barkhoff, Ihr Fantasyroman „Wächter des Meeres“ beginnt mit einer Geburtsszene. Wer ist es, der da geboren wird?

Hier erblickt Aro das Licht der Welt, der Kleinste des Wurfs mit der größten Aufgabe, die ein Hai nur haben kann. Er gehört zum Typ Antiheld, der seinen Platz eigentlich gerne einem anderen überlassen würde und doch lernen muss, sich durchzubeißen. Wobei Aro, obwohl er ein Hai ist, dafür eher seinen Verstand als seine Zähne benutzt.

Der kleine Hai Aro hat eine besondere Gabe.

Aro kann die Stimme des Meeres hören und ist ein sogenannter „Bewahrer“. Das sind Haie, die in der Lage sind, in die Seele des Meeres einzutauchen und dort ihr Bewusstsein beizubehalten. Andere Meerestiere, die es nur nach ihrem Tod betreten, verlieren ihr Ichbewusstsein. Man kann es also als Jenseits der Meerestiere betrachten.

Könnten Sie das, was die Bewahrer ausmacht, bitte noch genauer erklären?

Bewahrer können sogar das Herz des Meeres betreten, was auch kein physischer Ort ist, sondern der Mittelpunkt seiner Seele. Dort nehmen sie Verbindung mit der Quelle allen Seins auf und leiten die Energie anschließend an die physische Welt weiter. Das stärkt das Meer, das immer mehr unter der Umweltverschmutzung leidet. Ein kleines bisschen der Energie behalten die Bewahrer für sich, daher der Name.

Aros Mutter stirbt nach seiner Geburt und er und seine Geschwister bekommen bald Besuch auf dem Riff. Was wollen die fremden, erwachsenen Haie?

Silvan und Ardos wollen Aro zum Reich der Haie bringen. Aber nicht aus eigenem Antrieb. Sie erfüllen jemandem einen Wunsch, dessen Identität erst im zweiten Band aufgedeckt wird.

Was ist das Reich der Haie, in das ihn Silvan und Ardos bringen?

Ein Riff der – fiktiven – Insel Ruben Island. Es ist zudem ein Meeresreservat, in dem weder getaucht noch geangelt werden darf, weshalb die Haie dort von Menschen unbehelligt leben. Aro verbringt sieben Jahre im Reich und ist klippenfest überzeugt, dass es nichts Schöneres geben kann als dort zu leben. Da hat er sich gewaltig getäuscht.    

Es gibt auch „Außermeerische“ in Ihrem Roman. In welchem Verhältnis stehen die Menschen zu den Haien?

Leider wie sie auch im realen Leben meistens zu Haien stehen. Auf wenige informierte Menschen, die sie respektieren, kommen tausende, die davon ausgehen, Haie seien eine schlechte Laune der Natur. Zu den Unterstützern der Haie in meinem Buch gehört die Organisation „Sharkwatch“, die von der realen Organisation „Sharkproject“ inspiriert ist. Ich bin Mitglied dieser Organisation. Leider hat Corona meine Mitarbeit ziemlich auf Eis gelegt.

Und was sind Meeresmare?

Damit sind selbst von Haien gefürchtete Raubtiere gemeint, nämlich die Orcas. Auf diesen, unter Haien nur furchtsam geflüsterten Begriff, kam ich vom englischen „Nightmare“ für Alptraum. Da Orcas sogar weiße Haie töten können sind sie praktisch ihr „Albtraum“. In diesem Punkt sind Haie wie Menschen. Beide fürchten ein Tier, das sie nicht verstehen und spinnen Horrorgeschichten darum. Fans dieser größten aller Delfine kann ich verraten, dass sie in meiner Dilogie einen Auftritt haben.     

Im Laufe der Geschichte lassen Sie auch einen Menschenjungen auftreten – wer ist der 12-jährige Jonas und welche Rolle spielt er in „Wächter des Meeres“?

Jonas kann man als Verkörperung aller Menschen beim Thema Haie sehen. Er weiß nichts über Haie, wurde nie von einem gebissen, hat keine Freunde, die je von einem belästigt wurden und fürchtet sie doch. Eine Auswirkung reißerischer Berichte über Haiunfälle und Horrorfilme. Es war mir sehr wichtig, Jonas dafür nicht als unsympathisch darzustellen. Er verurteilt ein Tier, das ihm nie etwas tat, nun gut, aber was will man von einem 12-Jährigen erwarten, der nicht informiert wird? Mehr noch, dem von eben genannten Dingen vermittelt wurde, dass man über Haie sonst nichts wissen muss. Jonas ist quasi die verkörperte „Stunde Null“ einiger Leser, die vor diesem Buch vielleicht auch nichts über Haie wussten.

Zwischen den Zeilen liefern Sie viele Informationen über Haie und das Meer. Was an Haien finden Sie so faszinierend?

Oh, schwierige Frage. Nicht, weil mir so wenig einfällt, sondern so viel. Ich könnte ihre eleganten Bewegungen aufführen, doch das griffe zu kurz. Auch Raubkatzen, Schlangen und Adler bewegen sich sehr anmutig und doch hängt mein Herz an Haien. Oder schwimmt mit ihnen, besser gesagt. Nein, die Faszination rührt vielmehr von ihrem Durchhaltevermögen – sie überlebten fünf Massenaussterben – und ihren Fähigkeiten, womit ich nicht ihre Sinnesleistungen meine. Sicher ist es beeindruckend, wie gut Haie riechen können, aber die wirklich unglaublichen Dinge erfährt man erst, wenn man tiefer geht, pardon taucht. Was mich zum Beispiel enorm überraschte, war die Gabe der Epaulettenhaie außerhalb des Wassers auf ihren Brustflossen zu „gehen“. Oder der Grönlandhai, der sage und schreibe 400 Jahre alt wird. Oder weißgesprenkelte Bambushaie, die mittels Parthogenese ganz ohne Männchen trächtig werden und Junge austragen. Oder der Fuchshai, der mit seiner Schwanzflosse hart genug zuschlagen kann, um ein Wassermolekül zu spalten. Ich könnte noch viel mehr aufzählen …

 

 
 
 
 
 
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Haben Sie eine Lieblings-Haiart?

Der oben erwähnte Fuchshai ist mein Liebling, genauer gesagt, der pazifische Fuchshai. Ich mag seinen irgendwie erschrocken wirkenden Blick. Fuchshaie schauen drein wie Promis, die bei etwas Peinlichem fotografiert wurden. Zudem können sie beeindruckend hoch aus dem Wasser springen, wobei Delfine zugegeben bessere Salti machen.

Haben Sie schon einmal Haie in der freien Wildbahn gesehen?

Ich bin keine Taucherin und lebe leider nicht in der Nähe eines Meeres, von daher nein.

Aro findet im Reich der Haie neue Freunde. Gemeinsam begegnen sie einer „Erhabenen“. Das müssen Sie erklären!

Mit Erhabenen sind die weißen Haie gemeint. Weiße Haie sind die einzigen Haie, die anderen Befehle erteilen können, ohne eine Ablehnung befürchten zu müssen. Ihnen zu Diensten zu sein, gilt als große Ehre. Als Aro ihr begegnet, meint er, diese Erfahrung kann von nichts übertroffen werden. Er täuscht sich schon wieder. Aber die Begegnung mit einem weißen Hai im ersten Band wird nicht seine einzige bleiben.

Christine, die Tante des Menschenjungen Jonas, arbeitet in der Ocean World. Was ist das genau?

Ocean World ist ein fiktives Aquarium, das von einem realen, dem Monterey Bay Aquarium, inspiriert wurde. Wer es kennt, wird einige Ausstellungsbereiche bestimmt wiedererkennen. Auch eines der besten Dinge des Monterey Bay Aquariums, das Wiederaufpäppeln und anschließende Freilassen verletzter Seeotter, findet in seinem fiktiven Gegenstück statt. Allerdings ist sowohl das Monterey Bay Aquarium, als auch Oceanworld noch für ein anderes Tier bekannt geworden. Aber das sollen die Leser selbst herausfinden.

Ihr Roman weist auch auf die Zerbrechlichkeit unseres Ökosystems hin. Was bedeutet es für die Meere, wenn die Haie weniger werden?

Da Haie an der Spitze der Nahrungskette stehen, regulieren sie alle unter ihnen stehenden Lebewesen. Ein Beispiel ist die Auswirkung der weggefischten Haie auf Korallenriffen. Haie fressen Zackenbarsche und Papageienfische, die sich ihrerseits von algenfressenden Fischen ernähren. Fallen die Haie weg, nehmen deren Bestände zu. Die reduzieren dann die algenfressenden Fische so weit, dass die Korallen überwuchern. Und weniger Licht erhalten, weshalb sie schlussendlich zugrunde gehen. Womit sich der Tauchtourismus in diesen Gegenden auch erledigt hätte.

In Hawaii zeigte sich, dass Tigerhaie durch ihre reine Anwesenheit dafür sorgen, dass Schildkröten nicht zu lange an derselben Seegraswiese weiden. Sie würden die Seegraswiesen andernfalls in Grund und Boden fressen, was unser Klimaproblem verschärfen würde. Denn Seegras ist in der Lage große Mengen Kohlenstoffdioxid zu speichern. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass ein Aussterben der Haie massive Folgen hat. Megalodon sei Dank verlangen Haie für ihre Dienste kein Geld. 

In einem Kampf mit Brock, einem anderen jungen Hai, beißt Aro versehentlich die Erhabene. Aber Armina setzt sich für ihn ein …

Armina meint es gut, aber die Schande wiegt dennoch schwer. Niemand beisst einen Erhabenen, ohne dafür zu bezahlen und Aro bleibt nichts anderes übrig als seine Strafe zu ertragen. Er ahnt nicht, dass diese Strafe nur der Auftakt zu einer gewaltigen Veränderung seines Lebens ist.

Aus dem Reich der Haie verstoßen, begegnet Aro dem Tigerhai Kahn. Es kommt zum Kampf. Und die Leben von Aro und dem Menschenjungen Jonas werden sich berühren …

… und beide gehen verändert aus dieser Erfahrung hervor. Aro erkennt, dass Menschen auch freundlich sein können und Jonas verliert ein Stück weit seine Angst sowie er einen Hai in tiefer Not sieht.

Welchen Leserinnen und Lesern legen Sie Ihren Roman besonders ans Herz?

Als ich mich über Tier-Fantasy informierte, fiel mir auf, dass offenbar niemand daran dachte, endlich über Haie zu schreiben. Nun ist es mir gelungen diese Lücke zu füllen. Auf dass jedes Kind ab dreizehn, das Haie und Fantasy-Geschichten mit Meer-Setting liebt, mit „Wächter des Meeres“ seine Freude hat. Ich freue mich sehr, dass ich diese Lücke – zumindest für die deutsche Sprache – geschlossen habe.


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