Ein Mörder, der die kriegsbedingte Verdunkelung Berlins ausnutzt. Und ein Ermittler, der kein Nazi ist. Frau Bluhm liest Simon Scarrows „Verdunkelung“.

Simon Scarrow versetzt uns mit „Verdunkelung“ ins Jahr 1939

12. August 2022 | Frau Bluhm

Titelbild Verdunkelung


Frau Bluhm liest „Verdunkelung“: 3 von 5 Blu(h)men

 


Der Frauenmörder kommt, wenn es in Berlin dunkel ist

Im Winter 1939 steht Deutschland am Beginn eines langen und erbarmungslosen Krieges. Auch in der deutschen Hauptstadt sind die Einschränkungen, unter denen das Volk zu kämpfen hat, schon deutlich spürbar. Lebensmittelrationierung und der Mangel an Heizmöglichkeiten lassen die Bevölkerung Berlins genauso leiden, wie die Verdunkelung, die zum Schutz vor Fliegerangriffen angeordnet wird. In diesen kalten und dunklen Stunden der Nacht nutzt ein Mann die Gunst der Stunde und wird zum Mörder einer jungen Frau.

Der Autor fängt die Atmosphäre der Nazi-Zeit gekonnt ein

Bestsellerautor Simon Scarrow, bekannt für seine sehr erfolgreichen historischen Fantasy-Romane, versucht sich mit „Verdunkelung“ erstmals an einem völlig anderen Genre. Die Atmosphäre, die das Deutschland des Nationalsozialismus prägte, fängt er gekonnt ein. Das Setting erscheint realistisch und demensprechend düster, auch den ermittelnden Beamten Horst Schenke stellt der Autor facettenreich dar.

Es steckt Potential in diesem Roman, das Simon Scarrow nicht hebt

Bei den anderen Figuren des Romans und auch bezüglich einzelner Details hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Individualismus gewünscht. Der innere Kampf, den etwa Horst Schenke gegen den Eintritt in die Partei ausficht, wird eher blass dargestellt. Ein so wichtiger Inhalt muss meiner Meinung nach ausführlicher beleuchtet werden. Auch sind mir historischen Elemente etwas zu halbseiden auserzählt. Man hätte mehr aus der ganzen Thematik machen können. Gerade der Unterschied zwischen Gestapo und gewöhnlicher Polizei wird nur oberflächlich dargestellt.

Der Erzählstil ist für einen historischen Roman sehr modern

Insgesamt erscheint mir Simon Scarrows Stil für einen historischen Roman sehr modern. Die Personen untereinander unterhalten und verhalten sich oftmals in einer Art und Weise, die eher ins 21. Jahrhundert passt, als ins Deutschland der 30er Jahre.

Der Twist gelingt und die Handlung ist gerade blutrünstig genug

Der Spannung der Geschichte tun diese Fakten allerdings keinen Abbruch. Aufbau und Twist der Handlung sind spannend und auch genau blutrünstig genug. Reale Personen werden geschickt mit fiktiven Charakteren kombiniert. Insgesamt garantiert Simon Scarrows historischer Roman „Verdunkelung“ solide und spannende Lesezeit.

 

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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