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Stephan Brüggenthies über seinen Kriminalroman „Zig Meier und die Grube von Walden“
Ein aktueller Fall von Hexerei

Stephan Brüggenthies

16. Januar 2017 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


„Endlich!“ werden die Fans von Stephan Brüggenthies seufzen. Denn nach seinen Kriminalromanen „Der geheimnislose Junge“ und „Die tote Schwester“ legt der Tatort-Autor nun mit „Zig Meier und die Grube von Walden“ einen dritten Band um seinen Kölner Ermittler vor. Besonders ist nicht nur das Thema der Story: Es geht um einen kruden Fall von Hexerei im Amerika der Gegenwart; sondern auch die Länge und Erscheinungsweise dieses Kriminalromans. Wir haben Stephan Brüggenthies interviewt und unter anderem gefragt, ob er meint, dass es Hexer mit übersinnlichen Kräften gibt.

Herr Brüggenthies, Ihr neuestes Werk „Zig Meier und die Grube von Walden“ ist mit 65 Seiten ein sehr kurzer Kriminalroman. Warum haben Sie sich für dieses knackige Format entschieden?

Mich hat schon immer die Prägnanz der Sherlock-Holmes-Geschichten sehr fasziniert: Ohne große Ausschweifungen einfach nur den Kern einer Geschichte zu erzählen. So richtig kurz ist mein Werk dann doch nicht geworden, weil ich das Gefühl hatte, dass die Figuren sonst nicht die nötige Tiefe erreichen – da hatte es Sherlock Holmes vermutlich noch einfacher.

„Zig Meier und die Grube von Walden“ ist eine Fortsetzung Ihrer preisgekrönten Reihe um den Kölner Kommissar Zbigniew Meier. Die ersten beiden Zig-Meier-Bände „Der geheimnislose Junge“ und „Die tote Schwester“ erschienen im Taschenbuch bei btb bzw. bei Eichborn. Weshalb starten Sie jetzt mit einer eBook-Fassung?

Ach, im Prinzip ist Zbigniew Meier ja leider in der Eichborn-Insolvenz 2011 versunken. Es gab Pläne für einen dritten Roman, wo Zig auf den Spuren seiner Vergangenheit in Polen ermittelte, die dann aber in der Schublade verschwanden. Irgendwie hat Zigs Schicksal mich aber nie ganz losgelassen, und es gab auch immer wieder Leser, die fragten, wann denn endlich ein neuer Fall erscheint. Das eBook ist ideal für so eine Geschichte von mittlerer Länge, nicht Roman und nicht Kurzgeschichte. Da lässt sich nun auch für mich ausprobieren, ob diese Art der Veröffentlichung überhaupt ein Weg der Zukunft ist.

 

In „Zig Meier und die Grube von Walden“ reist Kommissar Zbigniew Meier nach Amerika, um seine junge Freundin Lena zu besuchen. Lena studiert in Harvard Psychologie und Zig taucht mit ihr in das Studentenleben ein. Allerdings erschüttert schon bald ein mysteriöser Todesfall die studentische Unbeschwertheit …

… genau, ein Kommilitone stirbt auf sehr seltsame Weise. Die Polizei hält es für einen Selbstmord, aber Lena kann sich nicht vorstellen, dass das stimmt. Und bald stoßen Zig und Lena auf seltsame Neigungen des Kommilitonen, der sich stark mit Hexenverfolgungen beschäftigt hat – Salem, eine Nachbarstadt von Boston, hat da eine ziemlich üble Historie aufzuweisen. Und so kommen Zig und Lena langsam hinter das Geheimnis seines Todes, und andererseits wird sich Zig immer unsicherer, wie eng der tote Student und Lena miteinander waren …

Obwohl Ihr Kriminalroman so kurz ist, bekommt man dank Ihrer genauen Beschreibungen einen sehr guten Eindruck von der Gegend um Boston und vom Studentenmilieu, in dem die Geschichte spielt. Waren Sie selbst vor Ort und haben recherchiert oder ist das alles Phantasie?

Die Geschichte ist Fiktion, aber die ganzen historischen Hintergründe der Hexenverfolgungen in Salem stimmen. Ich habe alles vor Ort angeschaut, die Studentenmilieus kenne ich aus meiner eigenen Zeit sehr genau. Es ist mir immer sehr wichtig, dass man beim Lesen auch ein authentisches Gefühl für die Schauplätze bekommt. Dass jemand, der die kennt, sagt: Ja, genauso fühlt es sich an.

Wie sind Sie auf das Thema Hexenverfolgungen gekommen?

Interessiert hat mich das Thema schon in der Kindheit, etwa seit „Der Name der Rose“. Bei H. P. Lovecraft habe ich dann viel über Salem, Massachusetts gelesen. Und es ist erstaunlich, wenn man dann in Salem steht, zwischen diesen dunklen Holzhäuschen, wird man wirklich von einer Beklommenheit ergriffen, so wie Lovecraft es beschreibt. Das Grauen wird fassbar. Da wusste ich, hierüber muss man etwas schreiben.

Was hält Stephan Brüggenthies von Hexen – sind Sie religiös?

Ich bin katholisch geprägt, aber nicht sehr religiös, glaube ich. Hexerei berührt ein spannendes Themenfeld: Kann ein Mensch durch übersinnliche Kräfte das Leben eines anderen Menschen beeinflussen? Von den kultischen Ursprüngen der Menschheit, Religion, Voodoo, Inquisition bis hin zu Harry Potter … und kann man jemanden ‚verwünschen‘, so im Alltag?

Ihr Kriminalroman nimmt vom Titel her Bezug auf Henry David Thoreaus „Walden. Oder das Leben in den Wäldern“; ein Buch, das in jüngster Zeit gerade in Hipster-Kreisen eine erstaunliche Renaissance erfährt. Sogar ein Outdoor-Magazin namens „Walden“ gibt es neuerdings. Inwieweit sehen Sie eine Verbindung zwischen Ihrem Kriminalroman „Zig Meier und die Grube von Walden“ und Thoreaus „Walden“ bzw. zur hippen Zurück-zur-Natur-Bewegung?

Als ich mit der Geschichte anfing, war mir noch nicht bewusst, dass es so eine Bewegung geben würde, ehrlich gesagt. Thoreau und auch Whitman haben mich immer in ihrer lebensbejahenden Klarheit fasziniert. Je komplizierter die Welt wird, desto größer wird die Sehnsucht nach einfachem Leben. Und unser Leben ist kompliziert wie nie: All die Informationen, die auf uns eindreschen, auf Smartphones, Tablets, überall, permanent. Vielleicht ist die Hütte im Wald eine Lösung. Vielleicht sollte man darüber nachdenken.

Die Story von „Der geheimnislose Junge“ spielt noch ausschließlich in Köln bzw. Deutschland. Aber bereits mit „Die tote Schwester“ schickten Sie Kommissar Zbigniew Meier nach New York. Und auch in „Zig Meier und die Grube von Walden“ ermittelt Ihr Held im Ausland. Wird er in den nächsten Stephan Brüggenthies-Werken Deutschland endgültig verlassen?

Nun, das letzte Drittel von „Der geheimnislose Junge“ spielt bereits in der Normandie. Mir – und auch dem Verlag – war immer wichtig, dass Zig Meier sich nicht bei den Regio-Krimis einordnet, sondern irgendwo anders. Was aus ihm wird, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau. Wobei ich schon eine Idee für eine weitere Story hab: Zig Meier und die Kolonie der Toten, und das würde dann wohl auch an der Ostküste spielen … Aber dafür muss dann wieder die Zeit da sein. Ich brauche immer viel Zeit zum Schreiben.

Sie schreiben längst nicht nur Kriminalromane, sondern auch Drehbücher, etwa für den ARD-Tatort und Polizeiruf 110. Verraten Sie uns ihr nächstes großes Projekt?

Zurzeit entwickle ich eine größere Mystery-Serie für eine Produktionsfirma in München. Das wird ziemlich verrückt, keine Ahnung, ob es jemals irgendwo die Bildschirme erreichen wird!

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Foto Stephan Brüggenthies
Stephan Brüggenthies

Geboren 1968 in Münster, studierte Stephan Brüggenthies Germanistik und Film und wurde Kulturjournalist.
Zur Biografie von Stephan Brüggenthies

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