„Endlich!“ werden die Fans von Stephan Brüggenthies seufzen. Denn nach seinen Kriminalromanen „Der geheimnislose Junge“ und „Die tote Schwester“ legt der Tatort-Autor nun mit „Zig Meier und die Grube von Walden“ einen dritten Band um seinen Kölner Ermittler vor. Besonders ist nicht nur das Thema der Story: Es geht um einen kruden Fall von Hexerei im Amerika der Gegenwart; sondern auch die Länge und Erscheinungsweise dieses Kriminalromans. Wir haben Stephan Brüggenthies interviewt und unter anderem gefragt, ob er meint, dass es Hexer mit übersinnlichen Kräften gibt.
Herr Brüggenthies, Ihr neuestes Werk „Zig Meier und die Grube von Walden“ ist mit 65 Seiten ein sehr kurzer Kriminalroman. Warum haben Sie sich für dieses knackige Format entschieden?
Mich hat schon immer die Prägnanz der Sherlock-Holmes-Geschichten sehr fasziniert: Ohne große Ausschweifungen einfach nur den Kern einer Geschichte zu erzählen. So richtig kurz ist mein Werk dann doch nicht geworden, weil ich das Gefühl hatte, dass die Figuren sonst nicht die nötige Tiefe erreichen – da hatte es Sherlock Holmes vermutlich noch einfacher.
„Zig Meier und die Grube von Walden“ ist eine Fortsetzung Ihrer preisgekrönten Reihe um den Kölner Kommissar Zbigniew Meier. Die ersten beiden Zig-Meier-Bände „Der geheimnislose Junge“ und „Die tote Schwester“ erschienen im Taschenbuch bei btb bzw. bei Eichborn. Weshalb starten Sie jetzt mit einer eBook-Fassung?
Ach, im Prinzip ist Zbigniew Meier ja leider in der Eichborn-Insolvenz 2011 versunken. Es gab Pläne für einen dritten Roman, wo Zig auf den Spuren seiner Vergangenheit in Polen ermittelte, die dann aber in der Schublade verschwanden. Irgendwie hat Zigs Schicksal mich aber nie ganz losgelassen, und es gab auch immer wieder Leser, die fragten, wann denn endlich ein neuer Fall erscheint. Das eBook ist ideal für so eine Geschichte von mittlerer Länge, nicht Roman und nicht Kurzgeschichte. Da lässt sich nun auch für mich ausprobieren, ob diese Art der Veröffentlichung überhaupt ein Weg der Zukunft ist.
In „Zig Meier und die Grube von Walden“ reist Kommissar Zbigniew Meier nach Amerika, um seine junge Freundin Lena zu besuchen. Lena studiert in Harvard Psychologie und Zig taucht mit ihr in das Studentenleben ein. Allerdings erschüttert schon bald ein mysteriöser Todesfall die studentische Unbeschwertheit …
… genau, ein Kommilitone stirbt auf sehr seltsame Weise. Die Polizei hält es für einen Selbstmord, aber Lena kann sich nicht vorstellen, dass das stimmt. Und bald stoßen Zig und Lena auf seltsame Neigungen des Kommilitonen, der sich stark mit Hexenverfolgungen beschäftigt hat – Salem, eine Nachbarstadt von Boston, hat da eine ziemlich üble Historie aufzuweisen. Und so kommen Zig und Lena langsam hinter das Geheimnis seines Todes, und andererseits wird sich Zig immer unsicherer, wie eng der tote Student und Lena miteinander waren …
Obwohl Ihr Kriminalroman so kurz ist, bekommt man dank Ihrer genauen Beschreibungen einen sehr guten Eindruck von der Gegend um Boston und vom Studentenmilieu, in dem die Geschichte spielt. Waren Sie selbst vor Ort und haben recherchiert oder ist das alles Phantasie?
Die Geschichte ist Fiktion, aber die ganzen historischen Hintergründe der Hexenverfolgungen in Salem stimmen. Ich habe alles vor Ort angeschaut, die Studentenmilieus kenne ich aus meiner eigenen Zeit sehr genau. Es ist mir immer sehr wichtig, dass man beim Lesen auch ein authentisches Gefühl für die Schauplätze bekommt. Dass jemand, der die kennt, sagt: Ja, genauso fühlt es sich an.
Wie sind Sie auf das Thema Hexenverfolgungen gekommen?
Interessiert hat mich das Thema schon in der Kindheit, etwa seit „Der Name der Rose“. Bei H. P. Lovecraft habe ich dann viel über Salem, Massachusetts gelesen. Und es ist erstaunlich, wenn man dann in Salem steht, zwischen diesen dunklen Holzhäuschen, wird man wirklich von einer Beklommenheit ergriffen, so wie Lovecraft es beschreibt. Das Grauen wird fassbar. Da wusste ich, hierüber muss man etwas schreiben.
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