Romy Fölck verrät wie ein Bestseller entsteht | BUCHSZENE

Wo sitzt sie, wenn sie einen Bestseller schreibt? Entsteht ein Krimi-Plot spontan? Woher kommt die Kreativität? Bestsellerautorin Romy Fölck gewährt exklusive Einblicke in ihre Arbeit an „Totenweg“.

Romy Fölck gibt Einblick in ihr Schreiben und verrät wie ihr Krimi „Totenweg“ entstand

20. März 2018 | Redaktion

Romy Fölck

© Kerstin Petermann

Ich hatte nichts als eine gute Idee und meinen Traum vom Schreiben

Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mit „Totenweg“ einen Bestseller schreibe, ich hätte ihn ausgelacht. Ich hatte keine Agentur und keinen Verlag an meiner Seite. Nur eine gute Idee und meinen Traum vom Schreiben. Heute sind Roman und Hörbuch Spiegel-Bestseller und ich sitze bereits am dritten Band der Reihe um die junge Polizistin Frida Paulsen und den in die Jahre gekommen Kriminalhauptkommissar Bjarne Haverkorn. Er entsteht in unserem Haus in der Elbmarsch, in der Wohnküche am Esstisch. Hier tippe ich den Roman in den Laptop. Um mich herum lassen bodentiefe Fenster viel Licht herein, dahinter erstreckt sich unser Garten bis zu einem Teich. Kreativ sein heißt für mich, meine Gedanken laufen zu lassen. Dafür brauche ich Raum. In einem engen Büro am Schreibtisch fühle ich mich blockiert. Und zu sehr an meinen alten Bankjob erinnert.

Wenn ich einen neuen Roman beginne, denke ich wochenlang nur nach

Bei mir gibt es keine Notizbücher, Karteikarten oder Flipcharts. Wenn ich einen neuen Roman beginne, denke ich über die Story tage- ja wochenlang nach, bis sie sitzt. Erst dann plotte ich und schreibe das Exposé für den Verlag. Und ja, ich weiß sofort, wer der Täter ist. Nur so kann ich ihn anlegen und viele falsche Fährten um ihn herumbauen. Diese „Red Herrings“ plane ich detailliert im nächsten Schritt, wenn ich einen Szenenplan schreibe. Erst danach fange ich tatsächlich an, den Roman zu schreiben.
Warum dieser Aufwand? Bedeutet Schreiben nicht, eine zündende Idee zu haben, Kreativität und Spontanität? Führen die Figuren nicht sogar ein Eigenleben? Natürlich! Aber wo würde der Krimi enden, wenn ich ihn einfach so laufen lassen würde?

Schreiben bedeutet nicht nur Talent und Kreativität, sondern auch Planung

Ein guter Freund, Bestsellerautor Andreas Izquierdo, sagte vor vielen Jahren zu mir: „Ein gutes Buch ist wie ein Haus. Es braucht ein festes Fundament, damit es solide darauf stehen kann.“ Ein Rat, der erst mal weh tat. Denn Planung ist nichts für Ungeduldige. Ich bin recht ungeduldig. Und ich nehme gern Abkürzungen. Aber Schreiben bedeutet nicht nur Talent und Kreativität, sondern auch Handwerk und Disziplin. Wie jeder andere Beruf auch. Also lernte ich, gut zu planen.
Ich recherchiere viel im Schreibprozess und frage nach. Bei Fachleuten der Polizei, Rechtsmedizin, bei Ärzten oder bei den Obstbauern in der Marsch, wo ich offene Türen einrenne. Diese Gespräche sind unverzichtbar, denn ich möchte mit meiner Geschichte auch nah an der Realität bleiben. Das gelingt nicht immer, aber ich gebe mein Bestes. Auch bei diesem dritten Roman der Reihe um Frida und Haverkorn.

Werkstattberichte aus dem Syndikat: Wie arbeiten Kriminalschriftsteller? Was inspiriert sie zu ihren Romanen? Welche Marotten quälen sie beim Schreiben?