Alexandra Fischer-Hunold: Eine Leiche zum Tee | BUCHSZENE

Amy ist verliebt in den jungen Pianisten Finn. Um ihm nahe zu sein, nimmt sie Klavierunterricht. Doch dann stirbt die Lehrerin und Finn ist verdächtig. Alexandra Fischer-Hunolds „Eine Leiche zum Tee“.

Alexandra Fischer-Hunolds „Eine Leiche zum Tee“ ist ein spannender und unterhaltsamer Jugendkrimi

5. April 2019 | Frau Bluhm

Titelbild Eine Leiche zum Tee

© Masson shutterstock-ID:162252071


Frau Bluhm liest „Eine Leiche zum Tee“: 3 von 5 Blu(h)men


Amy ist unsterblich in den zwei Jahre älteren Finn verliebt

Die 13-Jährige Amy hat Sommerferien. Doch aus zwei Gründen kann sie sich darüber nicht so recht freuen: Zunächst einmal fürchtet sie sich vor dem Meer, seit ihre Eltern vor zehn Jahren bei einem Segelunfall ums Leben kamen. Das ist blöd für jemanden, der an der Küste Englands lebt und so sein Trauma jeden Tag vor Augen geführt bekommt. Außerdem ist die Schule die einzige Gelegenheit, den zwei Jahre älteren Finn zu sehen, in den sie sich unsterblich verliebt hat. Da ist guter Rat teuer, aber Amy hat einen Plan!

Der Tod der Klavierlehrerin kommt in Gestalt einer Erdbeertorte

Da Finn als angehender Pianist jede Woche eine Privatstunde bei der einstmals berühmten Rubinia Redcliff wahrnimmt, will auch Amy bei dieser Lehrerin Klavierunterricht nehmen. An Motivation fehlt es ihr dabei nicht, allerdings an Talent, und so werden die wöchentlichen Stunden bei Rubinia Redcliff zur Qual. Ganz besonders auch deswegen, weil die Lehrerin alles andere als ein umgänglicher Mensch ist. Um genau zu sein, sind die Leute in der kleinen Stadt, die Rubinia mögen, an einer Hand abzuzählen, wohingegen es an Feinden aller Art nicht mangelt. Zweimal schon hat ihr jemand auf dem städtischen Sommerfest den Tod an den Hals gewünscht. Und der kommt just am selben Tag auch zu ihr – in Gestalt einer Erdbeertorte, die Amy gebacken hat. Doch noch viel schlimmer ist, dass es so aussieht, als hätte ausgerechnet Finn das triftigste Motiv zur Tat gehabt!

„Eine Leiche zum Tee“ ist ein fröhlicher Krimi für Jugendliche

Alexandra Fischer-Hunold, die vor diesem Roman eher Bücher für jüngere Leser*innen veröffentlich hat, versucht sich mit „Eine Leiche zum Tee“ an einem Krimi für Jugendliche. In lockerer, moderner, aber dennoch hochwertiger Sprache plätschern die 350 Seiten fröhlich dahin. Es ist ein leichtfüßiges, aber dennoch spannendes Lesevergnügen.

Im Laufe ihrer Ermittlungen durchläuft Amy eine Entwicklung

Die Motivation, den Mörder von Rubinia Redcliff zu finden, resultiert aus Amys Schwärmerei für Finn und dem Wunsch seinen Ruf reinzuwaschen. Es ist rührend zu lesen, welche Überwindung es Amy kostet, auf den Spuren von Miss Marple und Co. zu wandeln, und wie sie dennoch die Leichtigkeit nicht aus den Augen verliert, die die ganze Aktion bekommt, weil Amy sich für jemand anderem zuliebe überwindet. Im Laufe ihrer Ermittlungsarbeit durchläuft Amy eine positive Entwicklung, und schließlich findet die Geschichte zu einem runden Ende.

Amys wichtigste Helferin ist die Cafébesitzerin Clarissa

Amy, die sich anfangs nur schwer in ihrer ungewohnten Rolle als Detektivin zurechtfindet, bekommt Unterstützung von ihrer Tante Clarissa, bei der sie aufgewachsen ist. Eigentlich besitzt Clarissa ein kleines Café mit den leckersten Torten des Städtchens, insgeheim ist sie aber leidenschaftliche Hobby-Kriminalistin und immer bereit, die kleinen Rätsel des Alltags zu lösen. Das Zusammenspiel der beiden ist sehr unterhaltsam und erinnert tatsächlich ein wenig an die alten Romane von Agatha Christie.

Der Ex-Mann, ein Liebhaber, ein Schüler – wer war es?

Der Fall ist gut durchdacht, an Verdächtigen mangelt es aufgrund von Rubinia Redcliffs negativer Persönlichkeit nicht. Ehemalige Kollegen, der Ex-Mann, verschmähte Liebhaber, enttäuschte Schüler … jeder könnte es gewesen sein und Amy und Clarissa haben eine lange Liste an in Frage kommenden Tätern abzuarbeiten. Gut, dass sie von Finn unterstützt werden, was natürlich Amy am meisten freut.

Leider unterlaufen Alexandra Fischer-Hunold zwei Fehler

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden ist rührend. Allerdings begeht die Alexandra Fischer-Hunold an dieser Stelle den Fehler, ihre beiden Protagonisten nicht ihrem Alter entsprechend zu behandeln. Der 15-jährige Finn beispielsweise pendelt oft auf eigene Faust von London nach Ashford-on-Sea, weil er sich für einen Platz an der Musikhochschule in London bemüht und sich dafür eine Wohngemeinschaft suchen will. Man könnte beim Lesen meinen, man höre die Berichte eines jungen Erwachsenen. Gleiches gilt auch für Amy selbst, die oftmals agiert wie eine viel ältere Jugendliche. Dadurch gerät die Geschichte in eine Schieflage, die man sich nicht wegerklären kann, und die mich beim Lesen ziemlich gestört hat.

Amy könnte die Heldin einer ganzen Krimireihe werden

„Eine Leiche zum Tee“ ist ein unterhaltsamer und packender Jugendkrimi, dessen Auflösung ich nicht die ganze Zeit über nicht erahnt habe. Ich könnte mir vorstellen, dass Amy die Protagonistin einer ganzen Krimireihe für Jugendliche wird. Für die Erwachsenen unter uns bleibt die Handlung zwar eher flach, aber wir sind ja auch nicht die Zielgruppe.

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