Gurkengünnis Leiche liegt im Gurkenfass. Das ist unerhört, denn Günni war beliebt. So übernimmt die Hutmacherin Josefine die Ermittlungen. Lenny Löwenstern spricht über seinen Cosy-Krimi „Gurkentod“.

Lenny Löwernstern im Interview über seinen Krimi „Gurkentod“ und dessen umwerfende Heldin Josefine

16. April 2021 | Interview: Jörg Steinleitner

Gurkentod Josefine Bachs zweiter Fall

Herr Löwenstern, in Ihrem Krimi „Gurkentod“ steht bereits zum zweiten Mal die Hutmacherin Josefine im Mittelpunkt. Was ist diese Ermittlerin für ein Mensch?

Eine ausgeprägt eigenwillige Person. Das darf man wohl so sagen. Sie ist naiv, verträumt, verpeilt, neugierig, mutig, ihre Neugier ist größer als Angst, lässt sich erst was gefallen, schlägt dann aber zurück; ihre Leichtigkeit, Unbekümmertheit, Unbedarftheit. Nur schlagfertig ist sie nicht, ihr fallen die guten Antworten immer erst hinterher ein. Wahrscheinlich, weil es mir selbst auch so geht. Josefine wohnt in ihrer Werkstatt, obwohl ihr das Haus gehört. Zu ihren Marotten gehört auch, dass sie alle Männer siezt.

Eine Hutmacherin als Privatschnüfflerin ist eine zunächst einmal etwas verrückt klingende Idee – was hat Sie zu dieser Figur inspiriert?

Tatsächlich hatte ich zuerst einen Roman geschrieben („Sommerfabel“), der keine tiefgreifende Handlung hat, sondern einfach nur Josefines Erlebnisse an einem äußerst heißen Sommertag schildert. Das war den (leider wenigen) Leserinnen zu wenig Handlung. Da ich meine Heldin aber mochte, dachte ich mir, ich schreibe noch mal einen solchen Roman, aber eben mit einer spannenden Handlung. Das müsste dann ja perfekt sein. Damit wirklich Spannung drin ist, habe ich mich für eine Mordermittlung entschieden. Hinterher habe ich erfahren, dass sich das Cosy Krimi nennt und ein eigenes Untergenre ist. 

Nachdem Josefine in ihrem ersten Fall – „Josefine und der Sommermörder“ – noch allein ermittelte, bekommt sie jetzt Verstärkung.

Richtig. Eine freie Wohnung hat sie an den frühpensionierten Polizisten Adalbert Abendscheu vermietet. Den spannt sie auch gleich in ihre Ermittlungen ein. Er macht mit, weil ihn das Rentnerdasein langweilt und er den Dienst vermisst. Einmal Polizist, immer Polizist, nennt er selbst das.

In „Gurkentod“ dreht sich alles um den beliebten Gurkenhändler Günni, dessen Leiche in der milchigen Lake eines Gurkenfasses gefunden wird. Und die Polizei hat auch schon gleich einen Verdächtigen …

Und liegt damit mächtig falsch. Ronny, der tumbe Gehilfe des Händlers wird eingelocht und der Fall scheint geklärt. Doch das war voreilig und wird die Beamten bald in Erklärungsnot bringen. Den Rückstand in den Ermittlungen weiß sich unsere Hutmacherin zu Nutze zu machen. Sie legt sofort los.

Was unternehmen Josefine und Herr Abendscheu nun, um Ronny zu helfen?

Josefine wird selbst zur Markthändlerin. Sie riskiert im Laufe der Geschichte sogar einen Undercovereinsatz. Abendscheu hingegen lässt seine alten Kontakte spielen und nutzt Beziehungen. Auch als Team haben die beiden ihren Auftritt.

Kann man sagen, dass Josefine und Adalbert Abendscheu ziemlich unterschiedliche Problemlösungsstrategien haben?

Absolut. Die beiden passen charakterlich überhaupt nicht zusammen. Auch der Altersunterschied der beiden ist beträchtlich. Er ist ein Pedant, ein Büromensch, der exakt plant und bedächtig vorgeht. Ohne Taschenuhr geht der Mann nicht aus dem Haus. Sie hingegen agiert spontan, nach Launen und Einfällen. Ist aber auch beharrlich und sich für nichts zu schade. Josefine tritt in Fettnäpfchen und denkt sich nichts dabei. Immer wieder steckt sie in ihren Träumen fest. Abendscheu holt sie dann wieder zurück.

Geraten Josefine und Herr Abendscheu auch in Gefahr oder in eine romantische Situation?

Feuer und Wasser trifft es eher. Die beiden Necken und Triezen sich. Am Ende ist sie es, die sich in Gefahr begibt.

Ihre Geschichte spielt in Sachsen-Anhalt. Wie Sie Bernburg beschreiben, mögen Sie die Gegend. Wohnen Sie dort?

Ich bin freiwillig hingezogen. Da ich als Schriftsteller ungebunden bin, hätte es auch jeder andere Ort sein können. Ich finde, das sagt schon etwas über Bernburg aus. Spannend an der Stadt und ihrer Umgebung ist, dass man so vieles noch sehen kann. Nämlich das Vorkriegsdeutschland, die DDR und die Moderne der Nachwendezeit, immerhin auch schon über 30 Jahre. Es ist alles noch da. Das Ensemble macht es. Es ist authentisch. Ganz anders als in der westdeutschen Stadt im Hamburger Speckgürtel, in der ich aufgewachsen bin. Die hat sich selbst gesichtslos gemacht und ihrer Seele beraubt. Besonders schön in Bernburg sind der neugestaltete Stadtpark und die Spazierwege an beiden Ufern der Saale.

Zwischen den Zeilen von „Gurkentod“ schwingt eine gute Prise Ostalgie mit. Gibt es etwas, das Sie an der DDR vermissen?

Persönlich habe ich die DDR nicht erlebt. Als 100%iger Wessi, ich vermisse da  nichts. Mir ist aber bewusst, dass die Erinnerungen und Gefühle sehr unterschiedlich sind. Für die einen war es ein Unrechtsstaat, die anderen vermissen Gemütlichkeit, Wärme und Nähe. Der Westen war halt immer ein kalter Ort.

Anita Roswitha Käsebein ist so etwas wie Josefines Ersatzoma. Was trägt sie zur Lösung des Falls bei?

Das Käsebeinchen ist zuständig für Trost und gute Ratschläge. Eine Zweiundneunzigjährige weiß alles vom Leben. Außerdem ist sie für die erwähnte Ostalgie zuständig. Sie ist eine Altkommunistin, die noch in alten Zeiten lebt. Zumindest scheint es so.

Natürlich spielen auch Josefines Hüte eine große Rolle in Ihrem Roman. Haben Sie einen Josefine-Lieblingshut?

Diesmal schwimmt sie voll auf der Gurkenwelle mit und hat dementsprechend einen Gurkenhut gestaltet. Die Gurken darauf sind gehäkelt. Ich habe mir das ein bisschen vorgestellt wie den Bollenhut aus dem Schwarzwald. Mit Gurken geht das auch.

Tragen Sie selbst auch Hüte? Wie sehen die aus?

Nur beim Schreiben 🙂 Aber im Ernst, ich erinnere mich an Zeiten, wo das Tragen eines Hutes für den männlichen Teil der Gesellschaft noch verbreitet war. Später, als 17-Jähriger, habe ich Hut und Trenchcoat angezogen, um älter zu wirken. Was auch geklappt hat. Das ist die Magie des Hutes. Eine davon. Ich schätze Hüte allerdings mehr an weiblichen Menschen.

Warum ist es gut, einen Hut zu tragen?

Ein Hut schließt den Menschen nach oben hin ab. Eine von Josefines Weisheiten.

Würden Sie sagen: Zeige mir deinen Hut und ich sage dir, wer du bist?

Da müsste man nun wirklich eine Hutmacherin fragen, oder Modistin, wie es heutzutage heißt. Ich weiß gar nicht, ob Männer diesen Beruf auch ausüben.

Wenn der grobschlächtige Ronny der Mörder nicht wahr – wer kann es noch gewesen sein?

Erste Nachforschungen ergeben, dass Gurkengünni eine neue Gurkensorte gezüchtet hatte, die beim Hineinbeißen nicht mehr spritzen sollte. Das rückt Konkurrenten und Züchter ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Und dann ist da noch der Hof …

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