
Herr Löwenstern, in Ihrem Krimi „Gurkentod“ steht bereits zum zweiten Mal die Hutmacherin Josefine im Mittelpunkt. Was ist diese Ermittlerin für ein Mensch?
Eine ausgeprägt eigenwillige Person. Das darf man wohl so sagen. Sie ist naiv, verträumt, verpeilt, neugierig, mutig, ihre Neugier ist größer als Angst, lässt sich erst was gefallen, schlägt dann aber zurück; ihre Leichtigkeit, Unbekümmertheit, Unbedarftheit. Nur schlagfertig ist sie nicht, ihr fallen die guten Antworten immer erst hinterher ein. Wahrscheinlich, weil es mir selbst auch so geht. Josefine wohnt in ihrer Werkstatt, obwohl ihr das Haus gehört. Zu ihren Marotten gehört auch, dass sie alle Männer siezt.
Eine Hutmacherin als Privatschnüfflerin ist eine zunächst einmal etwas verrückt klingende Idee – was hat Sie zu dieser Figur inspiriert?
Tatsächlich hatte ich zuerst einen Roman geschrieben („Sommerfabel“), der keine tiefgreifende Handlung hat, sondern einfach nur Josefines Erlebnisse an einem äußerst heißen Sommertag schildert. Das war den (leider wenigen) Leserinnen zu wenig Handlung. Da ich meine Heldin aber mochte, dachte ich mir, ich schreibe noch mal einen solchen Roman, aber eben mit einer spannenden Handlung. Das müsste dann ja perfekt sein. Damit wirklich Spannung drin ist, habe ich mich für eine Mordermittlung entschieden. Hinterher habe ich erfahren, dass sich das Cosy Krimi nennt und ein eigenes Untergenre ist.
Nachdem Josefine in ihrem ersten Fall – „Josefine und der Sommermörder“ – noch allein ermittelte, bekommt sie jetzt Verstärkung.
Richtig. Eine freie Wohnung hat sie an den frühpensionierten Polizisten Adalbert Abendscheu vermietet. Den spannt sie auch gleich in ihre Ermittlungen ein. Er macht mit, weil ihn das Rentnerdasein langweilt und er den Dienst vermisst. Einmal Polizist, immer Polizist, nennt er selbst das.
In „Gurkentod“ dreht sich alles um den beliebten Gurkenhändler Günni, dessen Leiche in der milchigen Lake eines Gurkenfasses gefunden wird. Und die Polizei hat auch schon gleich einen Verdächtigen …
Und liegt damit mächtig falsch. Ronny, der tumbe Gehilfe des Händlers wird eingelocht und der Fall scheint geklärt. Doch das war voreilig und wird die Beamten bald in Erklärungsnot bringen. Den Rückstand in den Ermittlungen weiß sich unsere Hutmacherin zu Nutze zu machen. Sie legt sofort los.
Was unternehmen Josefine und Herr Abendscheu nun, um Ronny zu helfen?
Josefine wird selbst zur Markthändlerin. Sie riskiert im Laufe der Geschichte sogar einen Undercovereinsatz. Abendscheu hingegen lässt seine alten Kontakte spielen und nutzt Beziehungen. Auch als Team haben die beiden ihren Auftritt.
Kann man sagen, dass Josefine und Adalbert Abendscheu ziemlich unterschiedliche Problemlösungsstrategien haben?
Absolut. Die beiden passen charakterlich überhaupt nicht zusammen. Auch der Altersunterschied der beiden ist beträchtlich. Er ist ein Pedant, ein Büromensch, der exakt plant und bedächtig vorgeht. Ohne Taschenuhr geht der Mann nicht aus dem Haus. Sie hingegen agiert spontan, nach Launen und Einfällen. Ist aber auch beharrlich und sich für nichts zu schade. Josefine tritt in Fettnäpfchen und denkt sich nichts dabei. Immer wieder steckt sie in ihren Träumen fest. Abendscheu holt sie dann wieder zurück.
Geraten Josefine und Herr Abendscheu auch in Gefahr oder in eine romantische Situation?
Feuer und Wasser trifft es eher. Die beiden Necken und Triezen sich. Am Ende ist sie es, die sich in Gefahr begibt.
Ihre Geschichte spielt in Sachsen-Anhalt. Wie Sie Bernburg beschreiben, mögen Sie die Gegend. Wohnen Sie dort?
Ich bin freiwillig hingezogen. Da ich als Schriftsteller ungebunden bin, hätte es auch jeder andere Ort sein können. Ich finde, das sagt schon etwas über Bernburg aus. Spannend an der Stadt und ihrer Umgebung ist, dass man so vieles noch sehen kann. Nämlich das Vorkriegsdeutschland, die DDR und die Moderne der Nachwendezeit, immerhin auch schon über 30 Jahre. Es ist alles noch da. Das Ensemble macht es. Es ist authentisch. Ganz anders als in der westdeutschen Stadt im Hamburger Speckgürtel, in der ich aufgewachsen bin. Die hat sich selbst gesichtslos gemacht und ihrer Seele beraubt. Besonders schön in Bernburg sind der neugestaltete Stadtpark und die Spazierwege an beiden Ufern der Saale.
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