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Unsere Rezension zu seinem neuen Roman „Elefant“
Hat Martin Suter sich in Klischees verfangen?

Elefant

© Franco P Tettamanti

BUCHSZENE-Faktor:

Romantik

Komik


Weisheit


Gänsehaut


Unterhaltung


13. März 2017 | Annika von Schnabel | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Martin Suters „Der Elefant“ ist wie eine komfortable Ferienwohnung

Einen Roman von Martin Suter zu lesen, das ist wie in eine Ferienwohnung zurückzukehren. Eine Ferienwohnung, in der man schon oft war, in der man sich wohl und sicher fühlt und deren Komfort man schätzt. Eine Ferienwohnung, in der man sich entspannen kann und in der sich seit dem letzten Mal gerade so viele Details verändert haben, dass man es schön findet, weil man sich an ihnen erfreut. Dies alles gilt auch für Martin Suters neuen Roman „Der Elefant“.

Ein winziger Elefant, keine 20 Zentimeter hoch

Darin erzählt der Schweizer Erfolgsautor eine Geschichte, die sich zwischen sehr gegensätzlichen Polen abspielt: zum einen im Milieu der Obdachlosen Zürichs, zum anderen in einem sehr speziellen Gebiet der Forschung – der Gentechnik. Im Mittelpunkt des Ganzen stehen zwei kleine rosafarbene Elefanten, keine 20 Zentimeter hoch, so winzig, dass sie in eine Hundetasche passen, und im Dunkeln leuchtet ihre Haut.

Reiche Erbin und spiritueller Burmese gegen fiese Gentechniker

Diese Elefanten sind das Ergebnis eines genetischen Experiments, dessen Initiator sich viel Geld von den süßen kleinen Monstern erhofft. Doch aufgrund allerlei unerwarteter Verwicklungen verschwinden beide Elefanten aus dem bösen Forschungslabor und landen in unterschiedlichen guten Händen: jenen eines Obdachlosen, der früher einmal Investor war; einer reichen Erbin, die ihr Tierarztstudium mit wohltätiger Arbeit in einer Gassenpraxis verwertet; eines tierfreundlichen Landtierarztes und eines burmesischen Elefantenexperten vom Zirkus, der mit einer sympathischen Portion Spiritualität durchs Leben geht. Auf Seite der Bösen kommt irgendwann auch noch eine dubiose chinesische Firma ins Spiel, die über Mitarbeiter verfügt, die über Leichen gehen. Auch diese Firma wittert den Profit. Klar, dass es bei einer derartigen Konstellation irgendwann auch Tote setzt.

Hat Martin Suter sich in Klischees verfangen?

Wenn man dies alles so abstrakt beschreibt, könnte man auf die Ideen kommen, dass sich der Schweizer Schriftsteller hier in allerlei Klischees verfangen hat. Das stimmt vielleicht sogar. Allerdings stören diese tatsächlichen oder vermeintlichen Klischees bei der Lektüre dieses modernen Märchens nicht. Denn Martin Suter hat äußerst sorgfältig recherchiert – sowohl in Obdachlosenkreisen als auch im Wissenschaftsbusiness. Er beschreibt detailreich und er entfaltet seine Story mit der ihm eigenen handwerklichen Professionalität. Wir fühlen uns solide unterhalten und nähern uns Schritt für Schritt dem unausweichlichen Showdown zwischen den Kontrahenten. Wir bekommen ständig Beobachtungen und Wissen geliefert, die unsere Neugier bei Laune halten. Und am Ende, nach erfolgter Lektüre, stellt sich tatsächlich ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Martin Suter hat uns in seiner Ferienwohnung willkommen geheißen und wir haben relaxt. Was wollen wir mehr?

P.S.: Darüber, dass mit Martin Suter und Axel Hacke („Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“) zwei Bestsellerautoren fast zeitgleich Geschichten erfinden, in denen kleine Elefanten eine Rolle spielen, wäre noch einmal eigens nachzudenken. Der Elefant gilt mutmaßlich als Glückssymbol, er steht für Weisheit, Kraft und Klugheit. Was sagt dies über unsere Zeit?

Mehr zum Thema:

Martin Suter

Geboren 1948 in Zürich, arbeitete Martin Suter bis 1991 als Werbetexter und Creative Director. Schon damals war er sehr erfolgreich.
Zur Biografie von Martin Suter

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