Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ Tipp | buchSZENE

Axel Hackes und Michael Sowas Buch in der Buchkritik: Ist es lesenswert? Kann man es verschenken? Worum geht’s?

Eine Buchkritik zu Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“

23. Dezember 2016 | Jörg Steinleitner

Axel Hacke, Michael Sowa

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

ISBN 978-3-95614-118-8

102 Seiten | € 18,99

Kunstmann

Romantik (4/5)

Komik (4/5)

Weisheit (5/5)

Gänsehaut (1/5)

Unterhaltung (5/5)

Mit „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, ist Axel Hacke gemeinsam mit dem Berliner Künstler Michael Sowa das perfekte Geschenkbuch gelungen. Die parabelhafte Geschichte handelt von einem Helden, der Axel Hacke selbst sein könnte, und von einem zweiten, älteren Herrn im grauen Mantel, der sich als Gott entpuppt. Aber was ist dieser Gott für ein Typ? Lassen Sie sich entführen mitten hinein in eine phantasievoll-unterhaltsame Geschichte voller starker Bilder und Gedanken. Dringende Buchempfehlung!

„Gott. Der will nicht einfach nur Trost. Der will mehr.“

Es mag 15 Jahre her sein, da durfte ich Axel Hacke in seiner Arbeitswohnung im Münchner Glockenbachviertel besuchen. Ich saß auf einem schönen Sofa, stellte begeistert Fragen und direkt daneben stand tatsächlich der legendäre Bosch-Kühlschrank, der seinerzeit zu Axel Hackes wichtigsten literarischen Verbündeten zählte.

Spätestens mit seinem neuen Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ mit Illustrationen von Michael Sowa, hat der Münchner Kolumnist einen neuen literarischen Verbündeten gewonnen: Gott. Der spielt in dieser mit feinem Humor erzählten Parabel nämlich eine der beiden Hauptrollen. Die andere übernimmt der Erzähler selbst, der nicht an Gott glaubt, ihm dann aber an einem zergrübelten Tag überraschend beim Friedhof begegnet.

„Gott setzte sich und prostete mir lachend zu.“

Gott und der Erzähler kommen miteinander ins Gespräch. Und kurz darauf rettet Gott dem Erzähler das Leben, indem er ihn in genau dem Moment von der Parkbank stößt, als ein schwerer Globus aus einem Fenster auf ihn niederfällt. Ohne diesen Gott, an den der Erzähler wie gesagt nicht glaubt, wäre er wohl tot. Die beiden machen kein großes Aufheben aus der Sache. Gott verzieht sich und der Erzähler muss ja auch wegen seines Büro-Elefanten weiter, der übrigens nur 25 Zentimeter groß ist.

„Allmacht wird überschätzt. Sie reicht nicht zurück, sie wirkt nur nach vorne.“

Aber in den nächsten Tagen begegnen sich Gott und der Erzähler immer wieder. Und sie sprechen über – tja – Gott und die Welt: über Filme, Giftpilze, Sekretärinnen, das Gute, das Böse, die Zivilisation, Toleranz, Flüchtlinge, auch über kühle Getränke, die Erschaffung der Welt und über die Last des Gottseins in einer Welt voller Attentate.

Nach mehreren Treffen kommt dem Erzähler in „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ ein interessanter Gedanke: „War es möglich, dass Gott hier war, weil er Trost brauchte? Darauf kommt man ja nicht so leicht, wenn man an Gott denkt, denn Milliarden von Menschen suchen Tag für Tag Trost bei etwas, das sie für Gott halten. Wer hat da den Gedanken, dass es Gott ist, der getröstet werden muss, weil er schließlich weiß, dass er der Zentralverantwortliche ist für all das Unheil, das sich immer von Neuem über die Welt ergießt?“

 

„Um deine Frage zu beantworten: Ihr Menschen seid im Prinzip völlig grundlos hier.“

Seine Tage mit Gott hält der Erzähler geheim. Nicht einmal seine Frau und seine Kinder dürfen davon erfahren. Dabei erleben die beiden noch allerlei intensive Gespräche und unglaubliche Abenteuer. Ganz am Ende begegnet der Erzähler sogar seinem eigenen Vater und denkt sich bei einem Glas Wein mit Gott: „Nichts ist vollkommen. Mein Vater war nicht vollkommen, ich bin nicht vollkommen, und Gott ist schon gar nicht vollkommen.“

  • Michael Sowa Illustrationen aus Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“
    Michael Sowa Illustration aus Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“
  • Michael Sowa Illustrationen aus Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“
    Michael Sowa Illustrationen aus Axel Hackes „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“

Gott aber scheint mit der Unvollkommenheit dessen, was er da geschaffen hat, zu hadern. Er hat einen Traum, den er auch unserem Erzähler anvertraut: eine neue Welt, eine bessere als diese hier, eine ohne Fehler. Zum Schluss, Gott ist längst wieder weg, weiht der Erzähler seine Familie doch noch ein und findet zu einem versöhnlichen Schluss: Der Erzähler, der Axel Hacke sein könnte oder Sie oder ich, geht an die Arbeit. Lächelnd und entschlossen tut er dies. Obwohl die Welt so ist wie sie ist.

Eine sympathische Geschichte, sehr dringende Buchempfehlung!

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, das der Künstler Michael Sowa kongenial illustriert hat, ist das beste Buch, das Axel Hacke bislang geschrieben hat. Eine Lektüre, die berührt. Ein Buch, das ganz vielen Menschen Freude machen wird. Die einzige Frage, die mich besorgt zurücklässt, ist jene nach Bosch, dem Kühlschrank: Haben Gott und der kleine Büro-Elefant ihn etwa aus Axel Hackes Leben verdrängt? Womöglich ist es Zeit für einen zweiten Besuch.

Axel Hackes Lesungen sind etwas ganz Besonderes

Fast noch schöner als Axel Hacke zu lesen, ist es, sich vom ihm vorlesen zu lassen. Seine Lesungen sind praktisch immer ausverkauft und für die Zuhörer ganz besondere Erlebnisse. Denn Axel Hacke erzählt auch gerne und offen Geschichten rund um seine Geschichten. Eine aktuelle Übersicht zu seinen Lesungen finden Sie hier.

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