Krimi „Elbfang“ um Ermittler Philip Goldberg – Interview | BUCHSZENE.DE

Ein verliebtes Paar will sich gerade küssen, da fährt ein unheimlicher Fährmann auf dem Fluss vorbei. Wenig später finden die Ermittler einen Scheiterhaufen. Nicole Wollschlaeger im Gespräch über ihren Krimi „Elbfang“.

Nicole Wollschlaeger im Interview über ihren Krimi „Elbfang“ und seine gruseligen Hintergründe

10. März 2021 | Interview: Jörg Steinleitner

Elbfang

© ARVD73, Shutterstock / Autorin: © Felix Matthies

Mit etwas Glück können Sie den Krimi „Elbfang“ gewinnen. Wir verlosen 10 Exemplare!

Frau Wollschlaeger, nach „Elbschuld“ und „Elbschmerz“ legen Sie Ihren fünften Krimi vor. Ihr neues Werk „Elbfang“ beginnt mit einer Liebesszene, die einen ziemlich gruseligen Verlauf nimmt.

Ja, der Heiratsantrag geht gründlich in die Hose. Dabei hat Moritz sich so viel Mühe gegeben. Hanna und er sitzen bei einem romantischen und exquisiten Picknick an der Krückau bei Kronsnest, ein Meer aus Teelichtern erleuchtet die Nacht. Doch bevor Moritz richtig loslegen kann, schippert ein mysteriöser Sensenmann in einem Boot an ihnen vorbei. Das war´s dann mit der romantischen Stimmung.

Natürlich meldet das Liebespaar diese verstörende nächtliche Szene. Wie reagiert die Polizei auf die Erzählungen vom Mann mit der Kutte?

Die Beamten der Bereitschaft, die vor Ort eintreffen, nehmen das Ganze zwar auf, aber nicht sehr ernst. Deshalb drücken Sie es auch den Kollegen aus Kophusen aufs Auge. Als Hauke Thomsen und Peter Brandt sich den „Tatort“ bei Tageslicht anschauen, ist Hauke wenig überzeugt. Aber so leicht gibt Peter nicht auf und am Ende hat er den richtigen Riecher.

Die Beamten finden also etwas, das nahelegt, dass man die Geschichte mit dem Sensenmann nicht völlig auf die leichte Schulter nehmen sollte?

Ganz genau! Dank Peters Hartnäckigkeit setzen sie mit der Fähre über. Und siehe da, sie entdecken einen Scheiterhaufen, der getarnt als Holzverschnitt auf seinen Einsatz wartet.

Ein Scheiterhaufen ruft in unserer Vorstellung sofort mittelalterliche Bilder hervor, wir denken zum Beispiel an Hexenverbrennungen. Ist das die richtige Richtung?

Ja und Nein. Die Assoziation ist natürlich gewollt, obwohl hier keine Hexen verbrannt werden. So viel kann ich verraten. Es geht mehr um die öffentliche Bestrafung. Ein Mahnmal, wenn man so will. Außerdem dient diese spektakuläre Art und Weise der Hinrichtung noch einem anderen Zweck …

Und dann erinnert sich Peter Brandt noch an einen Vermisstenfall, der ins Bild passen würde …

Ja, es handelt sich dabei um einen früheren Fährmann. Da schrillen bei Peter natürlich sofort sämtliche Alarmglocken.

Schließlich scheint noch eine Wiese eine Rolle zu spielen. Ein IT-Spezialist und Schäfer, der sich für sie interessierte, wurde fast umgebracht. Können wir noch ein bisschen mehr verraten, ohne zu spoilern?

Die beiden Polizisten stoßen bei ihren Ermittlungen auf viele vermeintliche Zufälle. Das macht sie misstrauisch. Zum Beispiel ist der Schäfer genau auf der Wiese unglücklich gestürzt, auf der der Scheiterhaufen steht. Der arme Mann liegt im künstlichen Koma, der kann ihnen also nicht weiterhelfen. Dann finden sie heraus, dass ein weiterer Fährmann kürzlich spurlos verschwunden ist. Außerdem werden die beiden das Gefühl nicht los, dass da jemand nach Aufmerksamkeit sucht.

Im weiteren Verlauf der Geschichte taucht auch noch ein brennendes Floß auf der Elbe auf. Was ist sein Geheimnis?

Genau genommen taucht das Floß auf einer der Wettern auf, einem zumeist breiten Graben, der zur Entwässerung des Marschlandes dient. Auf diesem Floß finden sie eine alte Dose aus Metall, die das Feuer überlebt hat. Darin liegt ein Brief, der auf den ersten Blick gar nichts mit dem Sensenmann und dem Scheiterhaufen zu tun hat. Aber das stimmt natürlich nicht. Nach und nach kommen sie der Vergangenheit auf die Spur. Und spätestens als Goldberg endlich zurückkehrt, sind sie wieder voll einsatzbereit.

Sie haben zwischen die einzelnen Kapitel von „Elbfang“ immer wieder Briefe eingefügt. Was hat es mit denen auf sich?

Der Stationsleiter in Kophusen ist Kommissar Philip Goldberg. Hals über Kopf hat er seinen gesamten Jahresurlaub genommen und ist aus Kophusen verschwunden. Die Briefe erzählen parallel von seiner eigenen Geschichte, die er in diesem Band endgültig überwindet. Es ist ein Abschied und ein Neuanfang zugleich.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem Mann gekommen, der verkleidet als „der Tod“ nachts herumspukt – gab es eine reale Geschichte, die Sie inspiriert hat?

Ein Freund hatte mich zur Kronsnester Fähre mitgenommen. Und als wir da so am Deich standen und dem Fährmann zuschauten, tauchte plötzlich ein Sensenmann vor meinem geistigen Auge auf. Bewaffnet mit einer Sense, trieb er in diesem kleinen Kahn vom Mondlicht beleuchtet flussabwärts. Damit war die Idee für das neue Buch geboren.

Der Fährmann und der Sensenmann sind ja auch mythische bzw. mythologische Figuren. Auf welche alten Geschichten und Legenden nehmen Sie Bezug?

Früher in der Schule hatte ich Lateinunterricht. Und meine damalige Lehrerin hatte ein Faible für die römische und griechische Mythologie. Allzu viel ist leider nicht mehr hängen geblieben, aber unter anderem erinnere ich mich noch an Charon, den Fährmann, der die Toten über den Fluss ins Reich des Hades bringt. Die Vorstellung hat mich schon damals fasziniert. Und später, als ich durch die Schauspielschule Rilkes Gedicht „Orpheus und Eurydike“ entdeckte, hat sich dieses Bild förmlich eingebrannt. Als ich in Kronsnest den Fährkahn sah, schloss sich unterbewusst der Kreis auf wundersame Weise.

Sie arbeiten Ihre Schauplätze immer sehr sorgfältig aus. Bitte verraten Sie noch ein wenig über die Orte, an denen in „Elbfang“ entscheidende Ereignisse geschehen.

In dem Band gibt es wieder viele reale Orte, obwohl Kophusen selbst fiktiv ist. Das brauche ich für meine kreative Freiheit. Die Krückau ist ein Fluss, der in die Elbe mündet. Die Fähre Kronsnest gibt es wirklich. Angeblich ist es die kleinste Fähre Deutschlands. Im Grunde ist es ein winziger Kahn, der Fußgänger und Radfahrer von Neuendorf nach Sester bringt und natürlich umgekehrt. Ein sehr malerischer Ort, wie ich finde. Die Fährmänner und -frauen bewegen sich ähnlich wie die Gondolieres in Venedig.

Dann haben wir noch das Areal um die Deckmannschen Sandkuhlen in Kremperheide mit dabei. Ein Naturschutzgebiet, das sich nicht nur für ausgedehnte Spaziergänge eignet, sondern auch um ein paar lebenswichtige Utensilien zu verstecken …

Last but not least ist ebenso das Krückausperrwerk mit von der Partie. Eine schöne Szene, in der Goldberg sich kurzerhand seiner Kleidung entledigt. Sehr zum Vergnügen von Hauke.

Sind die Menschen aus der Elbregion eigentlich abergläubisch? Und wie ist es mit Ihnen?

Ich glaube, das ist eher Typsache. Ich selbst bin es nicht, auch wenn ich am Theater vor jeder Vorstellung brav über die Schultern der Kollegen gespuckt habe, und es tunlichst vermied, hinter der Bühne zu pfeifen. Aber sonst glaube ich nicht an Leitern oder schwarze Katzen. Schließlich habe ich selbst eine zu Hause. Und die läuft mir ständig von links nach rechts über den Weg. Oder war das andersherum?

Manche Autor*innen von Krimireihen berichten, dass es nicht einfacher wird, jeden neuen Band zu schreiben. Wie ging es Ihnen beim Verfassen von „Elbfang“, immerhin Ihrem fünften Band derselben Serie?

Ja, es wird zunehmend kniffliger, weil ich versuche, abwechslungsreich zu sein, und gleichzeitig der Reihe treu bleiben möchte. Das ist gerade bei den Figuren am schwierigsten. Zumal Leser*innen nicht zwingend mit Band 1 einsteigen und somit die Protagonisten erst kennenlernen müssen. Da die Balance zwischen Einführung und Wiederholung zu finden, braucht Fingerspitzengefühl. Speziell bei „Elbfang“ hat mich das mystische Element gereizt. Ich wollte, dass meine Leser sich dieses Mal ein wenig gruseln können.

Sie sind bekannt für ihre lebendigen Lesungen. Was bedeutet die Corona-Pandemie für Ihre Arbeit?

Ich vermisse diese Live-Auftritte sehr. Und natürlich meine Leser*innen. Ganz zu schweigen von den finanziellen Einbußen, fehlt mir der direkte Austausch. Es macht so viel Spaß, Menschen vorzulesen und ihre Reaktionen zu sehen, bzw. zu hören. In diesen Momenten merke ich am besten, ob die Geschichte funktioniert und ob die Pointen sitzen. Das ist wie im Theater. Als Schauspielerin liegt der Teil des Autorenberufs mir mindestens genauso am Herzen, wie das Schreiben. Von daher vermisse ich diese Auftritte irgendwie doppelt.

Arbeiten Sie schon am nächsten Elb-Krimi? Verraten Sie schon was über den Inhalt?

Bei dem nächsten Band konzentriere ich mich zum ersten Mal mehr auf das Täterprofil als in den vorherigen Büchern. Das ist eine besondere Herausforderung, weil es eine ganz andere Art von Spannung ist, die man aufrechterhalten muss. Als Leser*in folgt man dieser Person und schaut ihr gewissermaßen über die Schulter. Das ist atmosphärisch und gewährt einen weiteren Blickwinkel auf die Geschichte. Und für mich mal etwas anderes. Außerdem bekommt das Kophusener-Ermittlertrio dieses Mal ordentlich Druck von oben. Es wurde eine interne Untersuchung angeordnet, die alle drei Beamten in eine heikle Situation katapultiert. Es geht um die Existenz der Kophusener Polizeistation, da kann man schon mal auf außergewöhnliche Ideen kommen … und für alle Fans: Es gibt ein Wiedersehen mit Alfred.

 

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