Carol Wyer: Ein Jahr voller Wünsche. Buchkritik | BUCHSZENE

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8. Februar 2019 | Von Frau Bluhm


Zwei Frauen und zwei Listen mit Dingen, die sie in diesem Leben unbedingt noch erleben wollen. Was, wenn die beiden Listen vertauscht werden? Carol Wyers Roman „Ein Jahr voller Wünsche“ macht Frau Bluhm Spaß.


Carol Wyers „Ein Jahr voller Wünsche“ erzählt von zwei Freundinnen und ihren vertauschten Wunschlisten


Titelbild Ein Jahr voller Wünsche

© Velychko shutterstock-ID:5130673


Frau Bluhm liest„Ein Jahr voller Wünsche“: 3 von 5 Blu(h)men


Die Liste der Dinge, die du unbedingt noch machen solltest

Charlie und Mercedes aus Carol Wyers Roman „Ein Jahr voller Wünsche“ könnten unterschiedlicher nicht sein. Wo Mercedes extrovertiert und risikofreudig ist, verhält Charlie sich eher schüchtern und vorsichtig. Dennoch sind die beiden seit Jahren beste Freundinnen. An einem feuchtfröhlichen Silvesterabend schreiben sie unabhängig voneinander die verschiedensten Dinge auf eine Bucket-List. Der Clou an diesem Vorhaben: Die Listen werden getauscht und von der Freundin erfüllt.

Mercedes lernt stricken und Charlie macht Bauchtanz

Mercedes, die immer aktiv ist, muss plötzlich stricken lernen und wird Kandidatin bei der Fernsehsendung „Das perfekte Dinner“. Charlie, die es gerne ruhig und gemütlich mag, versucht sich unversehens an Extremsportarten und Bauchtanzen. Je weiter die Freundinnen beim Abarbeiten der Liste vorankommen, umso klarer wird ihnen, was ihnen bisher im Leben gefehlt hat.

Carol Wyers Roman wird bevölkert von vielen interessanten Figuren

Carol Wyer hat eindeutig großes Talent für die Entwicklung ihrer Hauptfiguren. Beide, Charlie und Mercedes, wirken lebensnah und sehr sympathisch. Besonders Mercedes ist nie um einen flotten Spruch verlegen und brachte mich beim Lesen häufig zum Lachen. Doch auch die ruhigere Charlie besitzt einen schönen Sinn für Humor. Beide Freundinnen sind äußerst loyal, engagiert und liebevoll gegenüber ihren Mitmenschen und zueinander. Auch die vielen unterschiedlich gestalteten und farbenfrohen Nebenfiguren fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und machen sie bunt und abwechslungsreich.

Mercedes und Charlie haben beide eine bewegte Vergangenheit

Das Leben beider Frauen ist gekennzeichnet durch schwere Schicksalsschläge. Als sich Charlie und Mercedes vor fünf Jahren kennenlernten, waren beide am Tiefpunkt angelangt. Mercedes trug bei einem Reitunfall schwerste Verletzungen davon und sitzt seither im Rollstuhl. Nur ihre grundlegend positive Art bewahrt sie davor, in Depressionen über verpasste Chancen und unmögliche Wünsche zu versinken. Charlie verlor ihre damals 13-jährige Tochter Amy bei einem Autounfall, dessen Auswirkungen auch ihre Ehe zerbrechen ließ. Seither ist die heute fast 40-Jährige zur Einsiedlerin geworden, lebt eigentlich nur für ihre Arbeit in einem Kaffee und ihre ehrenamtliche Tätigkeit beim Radiosender des Londoner Krankenhauses, in dem Mercedes und sie sich damals kennenlernten.

Carol Wyers eindeutige Aussage: Für jede gibt es eine zweite Chance

Durch die Carpe-Diem-Listen erleben beide, was es heißt, eine kleine Weile in den Schuhen der anderen zu laufen; und das lässt ihr Verhältnis zueinander nur noch enger werden. Für beide Frauen entwickeln sich neue Möglichkeiten und eine differenziertere Sicht auf das eigene Leben. Carol Wyer hat diesem Gedanken an zweite Chancen viel Raum in ihrem Roman gelassen, ohne den von beiden Frauen erlebten Schmerz zu negieren oder kleinzureden und uns als Lesern dabei eine gleichermaßen unterhaltsame und anrührende Geschichte geschenkt.

Und eines Tages tauchen zwei Männer in Charlies Leben auf …

Auch die Liebe kommt nicht zu kurz und auch hier entscheidet sich Carol Wyer dafür, das Thema aus zwei Perspektiven zu beleuchten, indem sie zwei Männer in Charlies Leben auftauchen lässt. Die Storyline um den Journalisten Jake, der mit seinen Berichten helfen will, den Krankenhaussender zu retten, empfinde ich als genau richtig für den Ton des Romans.

Eine Sache hat mir an „Ein Jahr voller Wünsche“ nicht so gut gefallen

Leider trifft das auf den Handlungsstrang, den die Autorin um den Mann aus Charlies Vergangenheit gebaut hat (aus Spannungsgründen verrate ich nicht, wer gemeint ist), meiner Meinung nach nicht zu. Wenn auch durchaus spannend geschrieben und vom Prinzip her gut aufgebaut, empfinde ich diesen Teil der Handlung als überflüssig, dem Rest des Romans nicht dienlich und sogar fast schon als Störfaktor. Da wären mir einige Seiten um den außergewöhnlichen Papageien Bert, er gehört dem Nachbarn, lieber gewesen. Oder ein paar weitere Zeilen bezüglich der Bauchtanzgruppe, der Charlie sich anschließen muss.

Mein Fazit: Eine witzige Grundidee führt zu einem gelungenen Roman

Die Passagen, die im Radiosender spielen, sind sehr gelungen. Carol Wyers Roman „Ein Jahr voller Wünsche“ ist ein wunderbarer Roman über Freundschaft, zweite Chancen und den Mut, etwas am eigenen Leben zu verändern. Die Grundidee der Geschichte ist witzig und originell; und den Gedanken, dass einige Facetten der Persönlichkeit und des Lebens der besten Freundin auch gut für einen selbst sind, finde ich sehr nachvollziehbar. Ich habe mir Ähnliches in Bezug auf meine beste Freundin auch schon des Öfteren gedacht.

Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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