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Bellt ein Hund, bin ich wie gelähmt und kann nicht mehr sprechen
Ich habe Angst vor Hunden. Meine Mutter sagt, ich sei als Kleinkind mal von einem großen Hund umgeschubst worden. Ich kann mich daran nicht erinnern. Tatsache aber ist, dass ich, seit ich zurückdenken kann, Angst vor Hunden habe. Bellende Hunde sind das Schlimmste für mich. Fängt das Tier an zu bellen, bin ich wie gelähmt, ich spüre, wie sich die Haare auf meinen Armen aufstellen und ich kann nicht mehr sprechen. Hunde finden mich jedes Mal sehr komisch, wenn sie mich anbellen und ich dann wie erstarrt stehen bleibe und nichts sage. Sie denken, mit mir stimme etwas nicht, bekommen Angst und bellen dann noch mehr, was die Sache nicht besser macht.
Mein Trick: Ich versuche, den Hund anzusprechen, ehe er bellt
Weil ich dies weiß, versuche ich immer schon, bevor ein Hund mir nahekommt und mich anbellt, mit ihm zu reden oder im zuzurufen. Dann habe ich schon mal etwas von mir gegeben, er kennt meine Stimme und hält mich vielleicht nicht für ganz so seltsam, wie wenn ich schon erstarrt bin. Dieses frühzeitige Kontaktaufnehmen funktioniert aber nur, wenn ich den Hund ausreichend früh sehe.
Was, wenn die Hundebesitzer*in sich passiv verhält?
Heute Morgen war ich beim Laufen. Der Weg am See entlang ist sehr schmal. Plötzlich stand ein Hund vor mir. Einer dieser hübschen Sorte, die als Jagdhunde beliebt sind. Ich wechselte vom Joggen ins Spaziergängertempo. Der Hund blieb stehen. Ich fand das komisch, dass er stehen blieb. Vermutlich fand er es komisch, dass ich mein Tempo verlangsamt hatte. Wir schauten uns an. Es war klar, dass ich auf dem engen Weg nicht so einfach an ihm vorbeikommen würde und er nicht an mir. Darum war ich sehr erleichtert, als hinter dem Hund eine Frau kam. Ich war dem Hund zwischenzeitlich auf knapp zehn Meter nahegekommen. Weil die Frau keine Anstalten machte, den Hund an die Leine zu nehmen oder mit ihm zu sprechen, blieb ich stehen.
Ist es mein Problem, dass ich Angst vor Hunden habe?
Die Frau rief mir zu, ich solle weitergehen. Ganz normal weitergehen. Das hätte ich gerne gemacht, aber ich hatte Angst. Die Frau sagte, „gehen Sie ganz normal weiter. Wenn Sie nicht weitergehen, dann bellt er.“ Sie hatte recht. Schon bellte der Hund. Die Frau schüttelte genervt den Kopf. „Sie sollen ganz normal weitergehen“, herrschte sie mich in das Bellen hinein an und ging jetzt mit dem Hund weiter auf mich zu. Ohne ihn am Halsband zu halten oder ihm eine Leine anzulegen. Als sie bei mir war, schüttelte sie noch einmal den Kopf und schimpfte: „Sie müssen ganz normal weitergehen!“ Sie war richtig wütend. Ich fragte – mit zitternder Stimme, weil ich Angst hatte: „Bin ich schuld daran, dass ich Angst vor Ihrem Hund habe?“
Welche Verantwortung trifft die Hundebesitzer*in?
Mit einer verächtlichen Kopfbewegung ging sie mit dem Hund an mir vorbei und sagte: „Ach, vergessen Sie es!“ Ich ging noch einige Schritte, dann trabte ich weiter. Tief in mir drin wummerte das unangenehme Gefühl ungerecht behandelt worden zu sein. Ist es wirklich so, dass ich daran schuld bin, wenn ich vor einem fremden Hund Angst habe? Kann mir eine fremde Hundebesitzerin mit einem fremden Hund vorschreiben, dass ich ganz normal weitergehen soll, obwohl mir das wegen meiner Angst schwerfällt? Müsste nicht vielmehr sie ihrem Hund sagen, dass er nicht bellen soll und ihn an die Leine nehmen?
Wer vor meinem Hund Angst hat, ist nicht normal – stimmt das?
Ich glaube, das Problem ist, dass fast alle Hundebesitzer so gut mit ihren Hunden befreundet sind, dass sie sich nicht vorstellen können, dass jemand Angst vor ihnen haben könnte. „Wer vor meinem Hund Angst hat, ist nicht normal“, denken sie sich vermutlich. „Der muss sich ändern, nicht ich oder mein Hund, weil, dass Hunde bellen ist normal.“ Aber ist dieser Gedankengang logisch?
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