Alexandra Fröhlich: Dreck am Stecken. Kritik | BUCHSZENE

Das Vermächtnis des Großvaters reicht in die dunkle Zeit des vergangenen Jahrhunderts und bis nach Übersee. Alexandra Fröhlich kreiert daraus mit „Dreck am Stecken“ eine Komödie. Ein kühnes Unterfangen.

Alexandra Fröhlich bedient sich in „Dreck am Stecken“ slapstickhafter Verwicklungen und salopper Sprache

6. Dezember 2019 | Tim Pfanner

Alexandra Fröhlich

Dreck am Stecken

ISBN 978-3-328-10231-1

281 Seiten | € 15,00

Penguin

Komik (3/5)

Weisheit (2/5)

Gänsehaut (2/5)

Unterhaltung (3/5)

Titelbild Dreck am Stecken

© Roman Samborskyi shutterstock-ID: 1536523718

Ein Chirurg, ein Stotterer, ein Aktiendealer und ein Künstler

Dies ist die Geschichte von vier Brüdern, denen der Tod des Großvaters ein belastetes Erbe beschert. Alexandra Fröhlich erzählt sie sprachlich salopp und im Stil einer Komödie. Zum Beispiel macht man in diesem Roman „die Biege“, man hat „Knete“ bzw. „Kohle“ oder eben auch nicht und es gibt „Honks“. Die Figuren sind skurril: Einer der Brüder, es handelt sich um den Erzähler, ist Journalist und Stotterer. Ein zweiter dealt als Jugendlicher mit Drogen, und später – nach einer Schulzeit auf einem englischen Internat und VWL-Studium mit Aktien – Letzteres sehr erfolgreich. Ein dritter Bruder ist Künstler und hat psychische Probleme. Ein vierter ist Chirurg und Alkoholiker. Apropos: Es wird viel getrunken in diesem Roman.

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Zu den vier Brüdern gesellt sich noch ein schrulliger Großvater

Die Brüder, von denen jeder einen anderen Vater hat, wachsen zunächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf. „Unsere Mutter rauchte und trank. Beides nicht zu knapp. Und sie war ein lustiger Vogel, wenn sie nicht gerade einen ihrer Schübe hatte.“ Später zieht auch noch Opa Heinrich in die Wohngemeinschaft, er steht ziemlich überraschend vor der Tür. Ebenso überraschend nimmt sich die Mutter einen Tag nach dem achtzehnten Geburtstag des ältesten Sohns das Leben. Fortan schlagen sich die vier Jungs mit Opa durch. Wobei aus dem Hintergrund immer wieder der Porsche fahrende Vater des späteren Aktiendealers hineinwirkt. Er ist ein erfolgreicher Manager, hat eine intakte Erstfamilie und will nicht, dass sein außerehelicher Sohn und dessen Brüder das heile Vorstandsfamilienleben stören. Dadurch ist er erpressbar und kümmert sich um die gravierendsten Geld- und sonstigen Probleme.

Der Titel „Dreck am Stecken“ verharmlost die Situation

Der Titel gebende Ausdruck „Dreck am Stecken“ verharmlost das Ganze ein wenig. Nach dem Tod des Großvaters meldet sich ein Rechtsanwalt und die Brüder erfahren, dass sie eine Kiste geerbt haben. In der Kiste findet sich ein Tagebuch des Opas, dessen Eintragungen nahelegen, dass der Alte in irgendeiner Weise in illegale Machenschaften während der Zeit des Nationalsozialismus verstrickt war. Allerdings liest merkwürdigerweise keiner der Brüder das Tagebuch durch. Die Lektüre geschieht lediglich häppchenweise. Dies ist eine gravierende handwerkliche Schwäche dieses Romans: Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der jeweils Lesende immer nur ein kurzes Stück des Tagebuchs liest. Alexandra Fröhlich musste diese unnatürliche Art der häppchenweisen Lektüre aber vermutlich auf diese Weise in ihr Manuskript einarbeiten, weil die Verstrickungen des Großvaters sonst schon gleich nach Entdeckung des Tagebuchs bekannt und die Spannung aus der Geschichte draußen gewesen wären.

Das Happy End führt Alexandra Fröhlich slapstickhaft herbei

Aber auch ohne die Komplettlektüre des Tagebuchs ahnt man ziemlich früh, worauf das Ganze hinausläuft. Und man darf behaupten, dass dieses Thema durchaus ungewöhnlich ist für eine in flapsigem Ton erzählte Komödie. Auch die Auflösung der auf der ersten Seite angekündigten „Katastrophe“ kommt dann eher unerwartet daher. Das Happy End in Argentinien wird durch eine slapstickhafte kriminelle Tat der Brüder und mit Unterstützung der gebrochen Deutsch sprechenden polnischen Putzfrau herbeigeführt. Die letzten Worte des Romans sind die des Aktiendealer-Bruders, der trocken feststellt: „Den Scheiß sind wir los. Ein für alle Mal.“

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