Emily Littlejohn: Die Totenflüsterin – Rezension | BUCHSZENE

Frau Bluhm liest Emily Littlejohns „Die Totenflüsterin“ und sagt, was sie von dem Krimi hält

Titelbild Die Totenflüsterin - Emily Littlejohn

Shutterstock © Asier Romero Bild-ID: 364556027

15. Februar 2018 | Von Frau Bluhm


Frau Bluhm hat Angst vor Clowns. Da ist „Die Totenflüsterin“ von Emily Littlejohn natürlich eine ideale Lektüre. Unsere Kolumnistin findet den Thriller der Newcomerin spannend – übt aber auch Kritik.


Frau Bluhm liest „Die Totenflüsterin“: 4 von 5 Blu(h)men


Ich finde Clowns per se unheimlich und verdächtig

Ich bin Coulrophobikerin. Und nein, das ist kein neuartiger Weiterbildungszweig innerhalb der Fachrichtung Chiropraxis, sondern die Angst vor Clowns. Gar nicht so selten in unserem Breitengrad, denn wer kann sie schon durchschauen, diese immerwährend fröhlich daherkommenden, sich stets unter dicker Schminke und Perücke versteckenden Individuen? Diese Berufsgruppe ist die Versinnbildlichung des Begriffs „eine Maske aufsetzen“. Mir sind Menschen, die sowas können immer suspekt gewesen, hab ich es doch lieber mit Personen à la „offenes Buch“ zu tun. Wer gerne Thriller liest, der weiß aber, dass es oft die eigenen Ängste und Abneigungen sind, die uns bei einem gut gemachten Thriller die extra Portion Spannung versetzen. Deswegen machte mich der Klappentext von Emily Littlejohns Debüt „Die Totenflüsterin“ sofort neugierig.

In „Die Totenflüsterin“ wird ein toter Clown gefunden

Der Inhalt kurz zusammengefasst: Der Zirkus ist in der Stadt! Um genau zu sein in der Kleinstadt Cedar Valley in Colorado. Eigentlich ein Ort, wo Fuchs und Hase sich noch gute Nacht sagen. In den vergangenen 30 Jahren gab es genau vier Kapitalverbrechen. Drei Morde, deren Täter nie gefasst wurde, und einen Vermisstenfall. Deswegen ist das Polizeibüro in dem die Hauptprotagonistin Gemma Monroe arbeitet, umso erschütterter, als plötzlich ein toter Clown gefunden wird, der sich nach Abwaschen der Schminke dann auch noch als Nicky Bellington entpuppt, der Jahre zuvor von seinen Eltern als vermisst gemeldet wurde. Aus dem Vermissten wird nun ein Mordopfer.

Was verbindet den Clown mit den zwei ermordeten Jungen?

Gemma und ihr Kollege Finn fangen an zu ermitteln und bald gibt es mehr Fragen, als Antworten: Warum verschwand Nicky damals? Was trieb ihn dazu sich dem Zirkus anzuschließen? Und was hat seine eigene Recherche der Mordfälle von vor 30 Jahren damit zu tun? Im Laufe ihrer Entwicklungen stolpert Gemma immer wieder über die damaligen Morde an zwei kleinen Jungen. Der Täter, damals als „Woodman“ bezeichnet, wurde nie gefasst. Genau wie Nicky, ist auch Gemma seit Jahren regelrecht besessen davon, diese ungeklärten Verbrechen zu entschlüsseln. Doch dann beginnt jemand der schwangeren Gemma zu drohen und die Ermittlerin versinkt immer weiter in diesem Drama, das sich zwischen der Welt des Zirkus und dem wohlhabenden Elternhaus abspielt.

Emily Littlejohn hat ein gutes Gespür für die Entwicklung ihrer Figuren

„Die Totenflüsterin“ ist der Auftakt der Reihe um die sympathische Polizistin Gemma Monroe. In den USA ermittelt Gemma bereits zum dritten Mal. Emily Littlejohn entwickelt ihre Figuren mit großem Feingefühl. Das ist mir immer am wichtigsten, wenn ich ein mir unbekanntes Buch in die Hand nehme. Gemma Monroe ist eine sympathische Frau, mit der man sich gut identifizieren kann. Sie ist eine gute Polizistin, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und nimmt sich selbst nicht so wichtig. Die Gedanken, die Autorin Littlejohn ihr „in den Mund gelegt“ hat, haben mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. Sie lässt sich nicht unterkriegen, schon gar nicht von ihrem Kollegen Finn, den sie für seine frauenfeindliche und rücksichtslose Art öfters innerlich zum Teufel wünscht.

Das Opfer gehört zu einer der einflussreichsten Familien der Stadt

Auch die Geschichte ist gut durchdacht und spannend aufgebaut. Gerade die Passagen, die im Zirkus spielen, finde ich sehr interessant. Die Vermischung der Welt des Zirkus mit der des Kleinstadtlebens erschafft logischerweise Spannungen und die Autorin hat die Atmosphäre, die dadurch entsteht gut eingefangen. Die Tatsache, dass das Mordopfer seine Stellung in einer der politisch einflussreichsten Familien der Stadt aufgegeben hat, um als Zirkusclown durch die Lande zu tingeln, sorgt nicht nur bei dessen Familie für Unverständnis. Da hat die Autorin wirklich ein gutes Thema gewählt.

Trotz kleiner Schwächen halte ich diesen ersten Band für gelungen

Eigentlich macht dieses Buch ziemlich vieles richtig, und ich würde es jedem empfehlen, der gerne Krimis liest, in denen es nicht allzu blutig zugeht. Im Mittelteil kann das Buch mit viel Spannung und psychologisch gut durchdachten Spitzfindigkeiten aufwarten. Ohne zu viel verraten zu wollen: Am Ende fährt Gemma eine Linie, die ich dann nicht mehr richtig nachvollziehen kann. Mir scheint es fast so, als wären Emily Littlejohn die Seiten ausgegangen. Wo vorher die Handlung spannend und wirklich gut durchdacht rüberkommt – der Täter ist mir bis zum Ende hin nicht klar – geht dann am Ende alles Hoppla Hopp und lässt mich fast schon ein wenig enttäuscht zurück. So auf die Art: Ach, das war‘s jetzt? Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn wenn man das Buch als das betrachtet, was es ist – nämlich ein Erstlingswerk – so ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch die nächsten Teile der Serie wieder spannend geschrieben sein werden. Das Fundament für eine erfolgreiche Serie ist auf alle Fälle gelegt. Emily Littlejohn ist für mich auf jeden Fall eine Autorin, die ich im Auge behalten werde!

Katharina Bluhm
Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf…
Zur Biografie von Frau Bluhm

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