Hayley Barker: Die Arena. Kritik von Frau Bluhm | BUCHSZENE

England ist zweigeteilt: Die „echten“ Briten leben in Luxus, die „Dregs“ zählen zum Abschaum. Hayley Barkers Jugendroman „Die Arena“ erinnert an die Gegenwart – aber auch an den Nationalsozialismus.

Hayley Barkers „Die Arena“ spielt in einer Gesellschaft der Ungerechtigkeit und Gewalt

13. November 2019 | Frau Bluhm

Titelbild Die Arena

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Frau Bluhm liest „Die Arena“: 4 von 5 Blu(h)men


Slam oder Saus und Braus – die Menschheit ist in zwei Klassen geteilt

London in der nicht allzu fernen Zukunft. Das Land und die darin lebenden Menschen wurden in zwei Gruppierungen aufgeteilt. Die reinblütigen, privilegierten und „echten“ Briten, die „Pures“, leben in Saus und Braus. Für die „Dregs“, den Abschaum der Menschheit, bleiben nur noch die Reste übrig. Jeder, der keinen rein britischen Stammbaum vorzuweisen hat, wird mit den anderen Dregs in Slums zusammengepfercht und sich selbst überlassen.

Talentsucher füttern die Todesmaschine mit besonderen Kindern

Doch alle paar Wochen durchstreift ein Talentsucher die Wohnsiedlungen der Unterprivilegierten auf der Suche nach besonderen Talenten. Ist ein Kind besonders beweglich oder geschickt, so wird es auserwählt und in den Zirkus gesteckt. Der ist eine Todesmaschine der ganz besonderen Art: Hier werden Dregs zur Schau gestellt, gequält und nicht selten, nachdem ihre Nummer missglückte, dem Tode überlassen.

Die Seiltänzerin Hoshiko, genannt „die Katze“, gerät in Todesgefahr

So kommt auch die Starattraktion in die Arena: Die Seiltänzerin Hoshiko, genannt „die Katze“, lebt schon seit über zehn Jahren im Zirkus, als der Ministerin für Dreg-Kontrolle, Vivianne Baines, plötzlich einfällt, sie sterben sehen zu wollen. Unterstützt von Zirkusdirektor Silvio Sabatini wird das Komplott in die Wege geleitet. Doch Ben Baines, der Sohn der Ministerin, rettet Hoshiko in letzter Sekunde das Leben.

Ben, der Sohn der Ministerin, möchte für die gute Sache kämpfen

Danach überschlagen sich die Ereignisse auf beiden Seiten der Zweiklassengesellschaft. Ben begreift, dass der Zirkus eine abartige und menschenverachtende Todesfalle ist und zeigt sich angewidert vom Verhalten seiner reinblütigen Mitmenschen. Und Hoshiko findet durch die wachsende Freundschaft mit Ben endlich einen Grund, um für ihr Leben und ihre Sache zu kämpfen.

Hayley Barkers „Die Arena“ ist ein ziemlich brutaler Jugendroman

Ich war sehr beeindruckt von der stringenten Art und Weise, in der Hayley Barker ihre Geschichte erzählt. Die Grausamkeiten des Zirkus‘ werden derart ungeschönt und ungefiltert dargestellt, dass es sogar für mich als Erwachsene teilweise an eine Splatter-Geschichte grenzt. Alles in allem finde ich die Gewaltdarstellung in „Die Arena“ ein bisschen übertrieben, ohne Frage trägt sie aber zur Spannung der Geschichte bei. Hätte Hayley Barker den Fokus von der Gewalt weg hin zur Protagonistenentwicklung gerichtet, wäre dies womöglich ein Gewinn gewesen.

Die Freundschaft zwischen Hoshiko und Ben vertieft sich

Die Geschichte der sich vertiefenden Freundschaft zwischen der Seiltänzerin Hoshiko und dem Überläufer Ben hat mehr Potential, als hier ausgeschöpft wird. Auch sind mir die Übergänge zu abrupt und unauthentisch. Durch den stetigen Wechsel der Erzählperspektive und die kurzen Kapitel wird der Roman zwar leicht lesbar, verliert aber auch an Tiefe. Ich bin gespannt, wie Hayley Barker ihre Storyline im zweiten Band der Duologie – „Die Arena – Die letzte Entscheidung“ wieder aufgreift, der im November erscheint.

Hayley Barkers Dystopie zeigt Parallelen zu Nazi-Zeit und Gegenwart

Gerade durch den oben schon erwähnten Perspektivwechsel verinnerlicht man beim Lesen ziemlich schnell die Vorurteile und den Hass, der zwischen den Angehörigen der beiden Gesellschaftsschichten herrscht. Obwohl diese Darstellung natürlich dystopisch und übertrieben ist, denkt man unweigerlich darüber nach, wie weit es wohl in unserer Gesellschaft kommen könnte, sollte eine politische Führung die Rassentrennung vorantreiben. Natürlich liegt der Vergleich zum NS-Regime und dem damit verbundenen Terror nahe, aber auch die aktuelle Weltlage spiegelt sich in „Die Arena“ wieder. In einer Zeit, in der Menschen immer mehr elektronisch kommunizieren, in der man dazu neigt, Fremden mit Vorbehalten zu begegnen und in der jeder sich selbst der Nächste zu sein scheint, kann die Lektüre der Geschichte von Hoshiko, Ben und der Arena durchaus die Sinne schärfen.

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Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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