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Don Winslows Thriller „Corruption“ erzählt von den unglaublichen Machenschaften der New Yorker Polizei

Corruption

Shutterstock: © Maciej Bledowski - Bildnummer: 371373337

BUCHSZENE-Faktor:

Romantik

Komik


Weisheit


Gänsehaut


Unterhaltung


21. August 2017 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Sie morden und betrügen und spielen sich auf als die Robin Hoods der Gegenwart. Doch irgendwann überzieht die New Yorker Polizeitruppe um Denny Malone das Maß und steht selbst mit dem Rücken zur Wand.


Russo schnupft Kokain von Tawnys nackter Brust. Russo ist ein Cop.

„Er steckt das SOG-Messer in den Stiefelschaft, die Sig Sauer ins Hüftholster, die Beretta ins Holster hinter dem Rücken. Reservemunition hat er mit Klebestreifen über dem Fußgelenk befestigt. Um mich mit Cops zu treffen, denkt Malone.“ Was daran ungewöhnlich ist? Don Winslows Held Denny Malone ist kein Verbrecher, er ist selbst ein Cop. Der New Yorker Stadtteil Manhattan North ist sein Revier.

Warum bewaffnet sich ein Polizist auf diese Weise, wenn er sich auf den Weg zu Kollegen macht? Weil diese Cops, die Don Winslow für seinen Thriller „Corruption“ hoffentlich nur erfunden hat (alles andere wäre eine grauenhafte Vorstellung), selbst vor schwersten Straftaten nicht zurückschrecken.

Ich bin der Mann, der dir sagt, dass du dich ausziehen sollst.

Sie lassen sich bestechen mit Geld und Prostituierten. Sie morden im Dienst und stellen es hinterher als Unfall dar. Sie verkaufen Heroin, das sie bei Razzien beschlagnahmt haben und nehmen dafür Hundertausende. Zieht Denny Malones Team in den Krieg mit der Drogenmafia, führen Russo, Monty und die anderen neben ihren Dienstwaffen unter anderem einen lederbezogenen Totschläger, Schlagringe und einen Baseballschläger mit Bleifüllung mit sich. Die Verbrechen, in die sie sich verstricken werden immer gewaltiger.

Kann der Zugriff nicht etwas chirurgischer erfolgen?

Man kommt nicht sofort rein in diese Geschichte, die Don Winslow in „Corruption“ erzählt. Der amerikanische Bestsellerautor braucht eine Weile, bis er seinem Roman eine klare Richtung gibt, bis man als Leser versteht, wohin der Zug der New Yorker Verbrechen rollt. Es stört ein wenig den Lesegenuss, dass sich die Story von „Corruption“ zunächst episodenhaft entwickelt. Wir lernen Denny Malone und sein Team in verschiedenen Situationen kennen, ohne zu verstehen wie diese zusammenhängen und worauf sie hinauslaufen. Wir tauchen ein in sein kompliziertes Privatleben – er hat eine Frau, mit der er sich nicht gut versteht und zwei Kinder, die er liebt. Er hat eine Geliebte, die Schwarze Claudette, die als Krankenschwester arbeitet und heroinsüchtig ist.

Wenn der Waffendeal naht, nimmt der Telefonverkehr zu.

Doch nach und nach wird immer klarer, was Don Winslow mit seinem Protagonisten vorhat: Er will ihn ins Verderben schicken. Mitzuerleben wie sich Malone, den man stets als sympathisch empfindet, immer mehr in die korrupten Machenschaften seiner New Yorker Einheit verstrickt, schmerzt und es ist spannend und wird von Seite zu Seite spannender.

Es ist Mitte Mai und Malone hat dem FBI schon vier Strafverteidiger und drei Staatsanwälte geliefert.

Wer Gangstergeschichten liebt, wird auch „Corruption“ lieben. Don Winslow serviert eine Menge Schießereien, Action, Blut und viele Helden- und Macho-Dialoge. Außerdem beschreibt er sehr genau den Aufbau der korrupten Verhältnisse in diesem New York, das – wir wiederholen uns – hoffentlich nur fiktiv ist: vom Streifenpolizisten ganz unten bis hinauf in die Ränge der Staatsanwälte und Politiker. Er zeigt welch großes Problem der Rassismus und das Klassendenken im Amerika der Gegenwart noch immer darstellen und wie sich aus beidem brachiale Gewalt entwickelt.

Für mich sind Sie kein Held, sondern ein Krimineller, der sich von anderen Kriminellen bestechen lässt.

Der Stil des Thrillers ist pathetisch, was mitunter ein wenig nervt, aber letztlich tut Don Winslow damit genau das Richtige: Die Geschichten von Heroen müssen heroisch erzählt werden. Der Plot von „Corruption“ ist komplex und mehrmals gelingt es Don Winslow, Überraschungen zu setzen, mit denen man als Leser niemals gerechnet hätte. Am Ende steht Malone selbst mit dem Rücken zur Wand. Er ist allein wie ein Cowboy im Western und zieht in sein letztes Gefecht. Es sind zwei Videos, die über alles entscheiden: Wer überlebt und wer stirbt.

Don Winslow Germany
Don Winslow

Geboren 1953 in New York, zählt Don Winslow zu den ganz Großen der zeitgenössischen Spannungsliteratur. Mit Romanen wie „Tage der Toten“, „Zeit des Zorns“ oder „Frankie Machine“ hat er Bestseller…
Zur Biografie von Don Winslow

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