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Ein Gespräch über die Leichtigkeit, einen Picasso zu fälschen
Steinleitner & Edlinger im Interview über ihre Krimiserie „Ambach“ und die Kunst der Fälschung

14. Dezember 2016 | Annika von Schnabel | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Wie schwer ist es, einen Picasso zu fälschen, wenn man Felix Ambach heißt und eigentlich ein Loser ist? Worauf kommt es beim Handwerk des Kunstfälschens an? Und welche Rolle spielen die Auktionshäuser im Spiel mit den Millionen? Steinleitner & Edlinger über Kunst und Verbrechen, Recherchen in schillernden Milieus und ihre 6-teilige Krimiserie „Ambach“.


Herr Steinleitner, Herr Edlinger, im Zentrum Ihrer neuen Krimiserie steht der junge Kunstfälscher Felix Ambach. Ist es wirklich so leicht, eine mittelalterliche Figur oder einen Picasso zu fälschen wie Sie es in Ihrem Kriminalroman beschreiben?

Steinleitner: Es ist nicht leicht, aber es funktioniert. Neben der Machart eines Kunstwerks muss die ganze Geschichte, die um die Fälschung herum erzählt wird, auch stimmen. Das wissen wir von Fällen wie dem von Wolfgang Beltracchi: Der hat sich intensiv mit der Absicherung seiner Werke mittels einer glaubwürdigen Herkunftsgeschichte beschäftigt.

Edlinger: Wenn aber ein angesehener Kunstexperte erst einmal von der Idee angefixt ist, dass er hier eine spektakuläre Entdeckung machen könnte, die ihn selbst berühmt und reich machen könnte, dann nimmt so eine Fälscherstory schnell Fahrt auf.

Einer der Höhepunkte Ihrer aus sechs Kriminalromanen bestehenden „Ambach“-Serie ist, dass ein von Felix Ambach gefälschter Picasso in Paris einer echten Tochter von Pablo Picasso zur Begutachtung vorgestellt wird. Das kann ja nur schief gehen …

Steinleitner: Das ist eine unserer spannendsten Szenen. Tatsächlich bekommt Felix in dieser Situation leichte Kreislaufprobleme.

Woher bezogen Sie Ihr Wissen über Kunstfälschung und den Kunstmarkt?

Edlinger: Wir waren auf Kunstauktionen und bei Künstlern und haben uns erklären lassen, wie man eine Fälschung macht und wie es möglich sein könnte, sie auf den Markt zu werfen – und ich selbst mache ja auch Kunst. Das hilft natürlich dabei, sich in einen Helden wie Felix Ambach hineinzuversetzen.

Steinleitner: Außerdem waren wir, weil Felix ja von der Holzbildhauerei ausgeht, zum Beispiel in der Obergammergauer Holzbildhauerschule und haben uns zeigen lassen, wie man alte Heiligenfiguren fälschen kann und worauf es dabei ankommt. Wir haben auch mit Experten für Kunstfälschung gesprochen. Der Witz ist ja, dass eine gute Fälschung keine Kopie sein darf. Sondern sie muss das bestehende Werk eines Künstlers glaubwürdig ergänzen. Nur dann hat sie eine Chance, als Original angenommen zu werden. Genau so geht unser Held Felix Ambach in unserem Kriminalroman auch vor. Allerdings wird es dann trotzdem gefährlich für ihn. Denn auch Meister machen Fehler.

Auf dem Kunstmarkt gibt es ja in Sachen Fälschung eine Grauzone. Hat man Ihnen denn bei ihren Recherchen zu Ihrer Krimiserie „Ambach“ überall bereitwillig Auskunft gegeben?

Steinleitner: Zunächst ja. Aber als unsere Planungen für das Projekt konkreter wurden, gab es tatsächlich einzelne Quellen, die etwas auf Abstand gingen.

Edlinger: Insbesondere Auktionshäuser haben kein Interesse daran, mit Fälschungen in Verbindung gebracht zu werden. Auch, wenn es sich nur um Fälschungen in einem Kriminalroman handelt.

Steinleitner: Und sie haben auch nicht unbedingt ein Interesse daran, eine Fälschung auffliegen zu lassen.

Edlinger: Denn die bringt schließlich allen Beteiligten viel Geld.

Jörg Steinleitner und Matthias Edlinger
Jörg Steinleitner & Matthias Edlinger

Jörg Steinleitner, geboren 1971 im Allgäu, ist Autor, Anwalt und buchszene.de-Kolumnist. Matthias Edlinger, 1972 in München geboren, ist prämierter Werbe- und Musikvideoregisseur.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner & Matthias Edlinger

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