
© Steve Cukrov shutterstock-ID: 106156229
Herr Maurer! Aufgebohrte Schließfächer, Sex zwischen Tresoren und kriminelle Schließfachinhalte – in Ihrem Kriminalroman „Am Tatort bleibt man ungern liegen“, spielt die KurBank von Jennerweins Heimatort eine finstere Rolle. Ist unser Geld bei der Bank noch sicher?
Wie kommen Sie denn da drauf? Überhaupt nicht! Aber das war doch noch nie so!
Welche vernünftigen Möglichkeiten, Geld sicher aufzubewahren, empfehlen Sie als Kriminalexperte?
In diesem Fall ist es von Vorteil, in Alpennähe zu wohnen. Da gibt es schroffzackige Steilwände, uneinsehbare Felsnischen und verschwiegene Hochwälder, in denen Barschaften gut zu verstecken sind, ohne dass man groß Angst vor Minuszinsen haben müsste. Auch Draghi und Lagarde kommen da nicht ran, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gute Kletterer sind.
Eines der Opfer Ihres neuen Krimis – es ist der Jennerwein-Band Nummer 12 – stirbt in einem Café des Kurorts, am helllichten Tag. Sie leben ja auch in diesem Kurort. Gehen Sie noch in Cafés oder ist Ihnen das längst zu gefährlich?
Eine alte Bauernweisheit sagt, dass man ein Café, in dem gerade ein Mord passiert ist, getrost betreten kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dort einem erneuten Angriff zum Opfer fällt, ist äußerst gering. Also frage ich immer diesbezüglich nach, bevor ich meinen Kaffee bestelle.
Das Opfer im Café hat einen sündhaft teuren Panama-Hut auf dem Kopf, der in der weiteren Geschichte noch zu erstaunlichen Verwicklungen führen wird. Wir haben Sie noch nie mit Hut gesehen. Haben Sie eigentlich ein Hutgesicht?
Meine Mutter hat früher immer gesagt, dass ich ein Sandalengesicht habe.
Besser als ein Hausschuhgesicht. Aber tragen Sie Hüte? Kappen? Fahrradhelme? Schlafmützen?
Sie zwingen mich quasi zu dem Wortspiel, dass ich früher Kapp-arettist war. Zufrieden?
Einer der Höhepunkte der Geschichte befindet sich nicht auf einem Gipfel, sondern im norwegischen Meer – inklusive Seebestattung durch die Firma Grasegger und inklusive auch einer überraschenden Leiche. Aber nicht nur das: Sie schicken Jennerwein sogar auf ein Schiff! Wird er da nicht seekrank?
Nein. Wer in den Bergen seinen Mann steht, der versagt auch auf hoher See nicht. Ebenfalls eine alte Bauernweisheit, glaube ich.
Was hat der Berg, was das Meer nicht hat?
Wie lange ich auf diese Frage gewartet habe! Nach der Einsteinschen Relativitätstheorie läuft die Zeit nicht überall gleich ab, die Gravitationskraft etwa verlangsamt den Gang von Uhren. Auf einem hohen Berg vergeht die Zeit deshalb schneller als an der Meeresküste – die große Beliebtheit der Alpen rührt vielleicht daher. Es ist allerdings nicht gerade viel, etwa eine neunzigmilliardstel Sekunde, also ein winzig kleiner Augenblick, den man vom Gipfel älter, gereifter und weiser ins Tal zurückkommt. Aber ist nicht oft gerade ein kleiner Augenblick entscheidend im Leben eines Menschen?
Durch Ihren Krimi spuken zwei tragische Figuren der Literaturgeschichte – Don Quichotte und Sancho Pansa. Wie sind die da hineingeraten? Das müssen Sie erklären!
Das weiß ich selbst nicht so genau, wie die da reingekommen sind, auf einmal waren sie da. Ich habe meinen Schreibtisch nur ein paar Minuten unbeaufsichtigt gelassen. Als ich wieder zurückgekommen bin, waren sie auf dem Spielfeld.
Neben dem Kellner mit dem Panama-Hut, der bis zu seinem Tod seltsamerweise in einer teuren Villa residiert, überlebt auch die Putzfrau Alina Rusche diesen Roman nicht. Sie verkehrte in den Häusern der Reichen des Kurorts und auch in bereits erwähnter Bank. Wenn Sie Putzfrau wären, Herr Maurer, wie wäre das?
Ich würde in den Putzpausen einen Putzfrauen-Roman schreiben, der Titel lautete „Rein!“

Für den Chat bitte einloggen