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Jörg Maurer und Jörg Steinleitner im Gespräch
Gipfelgespräch! Wir haben Jörg Maurer und Jörg Steinleitner heimlich belauscht

7. Juli 2016 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Jörg Maurer und Jörg Steinleitner sind die beiden Jörgs, die derzeit mit ihren Alpenkrimis die Leser begeistern. Wir haben die beiden bei einem Gespräch belauscht. Getarnt mit von Preußen so genannten „Seppelhüten“ saßen sie auf einem Berggipfel und sprachen Tacheles – über das Schreiben und den schriftstellerischen Erfolg.


Jörg Steinleitner: Magst du auch einen Schluck Hirschkuss-Likör, Jörg?

Jörg Maurer: Nein danke Jörg, ich habe in meinem Rucksack fünf Flaschen Rotwein dabei.

Steinleitner: Warum das denn?

Maurer: Rotwein war das Lieblingsgetränk von Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Charles Dickens, Oscar Wilde, Thomas Mann und Raymond Chandler. Eigentlich mag ich ja gar keinen Rotwein. Aber Vorbilder sind eben Vorbilder.

Steinleitner: Wieviel trinkst du eigentlich beim Schreiben so?

Maurer: Das kommt auf die Szene an, an der ich gerade schreibe. Bei Liebesstellen, erotischen Passagen und historischen Abschweifungen muss man viel Trinken – etwa einen tiefen Schluck pro Seite. Bei Textstellen, die spannend sein sollen, oder solchen, die eine gewisse sprachliche Delikatesse erfordern, nippe ich nur ab und zu. Vollkommen nüchtern muss man allerdings bei den Kapiteln sein, bei denen getrunken wird: Wirtshausszenen, Bierzeltbeschreibungen, usw. Da muss man sich so voll auf die genaue Beschreibung des Rausches konzentrieren, dass man selber keinen haben darf! Und wie ist es bei Dir?

Steinleitner: Ganz ehrlich: Ich habe null Fantasie, weswegen ich keine Bücher schreiben kann, ohne nicht alles selbst erlebt zu haben. Für „Aufgedirndlt“ habe ich mich z.B. als Scheich verkleidet und ein Haremscasting veranstaltet. Für „Maibock“ saß ich beim Schreiben auf einem Kasten Bockbier. Das Bier floss durch Infusionsschläuche, die mir meine Ärztin jeden Tag legte, direkt ins Hirn. (Beide Jörgs trinken.) Also für mich ist der Erfolg schon eine Herausforderung. Zum Beispiel auch die Wandergruppen in Tischdeckenhemden, die bei mir vorm Haus stehen und mich beim Rasenmähen fotografieren.

Maurer: Ich fotografiere einfach zurück.

Steinleitner: Du, da fällt mir was ein: Kürzlich klingelt eine Dame bei mir und fragt, ob ich ihr was vorjodeln könnt. Da sag ich, Sie verwechseln mich, das ist der Jörg Maurer, der jodelt. Ich bin der andere. War die dann bei dir?

Maurer: Nein, umgekehrt wird eine Dame draus: Die war vorher bei mir, und ich habe sie zu dir geschickt. Ich habe ihr gesagt, du wärst derjenige, der jodelt, schuhplattelt, weißwurstelt, bierzeltelt und schnalzgoaßelt. Übrigens: Hat sie meinen aktuellen Roman „Felsenfest“ bei dir abgegeben? Ich habe sie gebeten, ihn mitzunehmen. Vielleicht schickst du ihn mir korrigiert zurück?

Steinleitner: Pff! Willst jetzt raufen oder was? Wie heißt eigentlich dein nächster Roman?

Maurer: Der Nächste? Der noch gar nicht erschienen ist? Das darf ich noch nicht verraten. Das letzte Mal habe ich den Titel „Felsenfest“ zu früh verraten, und eine Woche später sind schon folgende Titel auf den Markt gekommen: „Fersenfrost“ und „Filserfrust“. Das passiert mir beim nächsten Mal garantiert nicht.

Steinleitner: Aber ein Bestseller wird’s wohl schon wieder?

Maurer: Schau ma mal. Ich schreibe grade dran, bin momentan genau in der Mitte – und wie soll ich sagen – (stottert herum) – ich kenne den Mörder noch gar nicht. Und wenn ich den Mörder nicht bald finde, dann wird‘s auch mit dem Bestseller nichts.

Steinleitner: Hat dein Verlag schon eine Anzeige dafür gebucht im Buchhandelsmagazin?

Maurer: Ja, das hat er schon gemacht, aber das ist ja leider nur die eine Säule des Erfolgs.

Steinleitner: Und die andere? (aufgeregt) Jörg, hast du etwa ein Bestsellergeheimnis?

Maurer: (undeutlich) Ja fr … lich, es … is g..zz in..f – m..n braucht nur … die …

Steinleitner: Jetzt nuckel doch nicht dauernd am Rotwein!

Maurer (nachdem er noch einen tiefen Schluck genommen hat, raunend): Buchstabenharmonie.

Steinleitner: Buchstabenharmonie?

Maurer: Es müssen in einem Roman immer gleich viele a-s, e-s, i-s, o-s und u-s vorkommen. Und weil du es bist, verrat ich dir noch ein Geheimnis.

Steinleiter: (ungläubig verzückt) Ja?

Maurer: Bei den Konsonanten mach ich es genauso.

Steinleitner: (auch raunend) Auch bei diesem Interview – ?

Maurer: Zähl einmal nach. Das Geheimnis des Erfolgs!

Jörg Maurer

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Jörg Maurer
Jörg Maurer

Jahrelang betrieb er die Kabarettbühne „Unterton“ in München. Heute lebt er in Garmisch-Partenkirchen und schreibt die Krimis um Kommissar Jennerwein.
Zur Biografie von Jörg Maurer

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