
Jörg Maurer und Jörg Steinleitner sind die beiden Jörgs, die derzeit mit ihren Alpenkrimis die Leser begeistern. Wir haben die beiden bei einem Gespräch belauscht. Getarnt mit von Preußen so genannten „Seppelhüten“ saßen sie auf einem Berggipfel und sprachen Tacheles – über das Schreiben und den schriftstellerischen Erfolg.
Jörg Steinleitner: Magst du auch einen Schluck Hirschkuss-Likör, Jörg?
Jörg Maurer: Nein danke Jörg, ich habe in meinem Rucksack fünf Flaschen Rotwein dabei.
Steinleitner: Warum das denn?
Maurer: Rotwein war das Lieblingsgetränk von Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Charles Dickens, Oscar Wilde, Thomas Mann und Raymond Chandler. Eigentlich mag ich ja gar keinen Rotwein. Aber Vorbilder sind eben Vorbilder.
Steinleitner: Wieviel trinkst du eigentlich beim Schreiben so?
Maurer: Das kommt auf die Szene an, an der ich gerade schreibe. Bei Liebesstellen, erotischen Passagen und historischen Abschweifungen muss man viel Trinken – etwa einen tiefen Schluck pro Seite. Bei Textstellen, die spannend sein sollen, oder solchen, die eine gewisse sprachliche Delikatesse erfordern, nippe ich nur ab und zu. Vollkommen nüchtern muss man allerdings bei den Kapiteln sein, bei denen getrunken wird: Wirtshausszenen, Bierzeltbeschreibungen, usw. Da muss man sich so voll auf die genaue Beschreibung des Rausches konzentrieren, dass man selber keinen haben darf! Und wie ist es bei Dir?
Steinleitner: Ganz ehrlich: Ich habe null Fantasie, weswegen ich keine Bücher schreiben kann, ohne nicht alles selbst erlebt zu haben. Für „Aufgedirndlt“ habe ich mich z.B. als Scheich verkleidet und ein Haremscasting veranstaltet. Für „Maibock“ saß ich beim Schreiben auf einem Kasten Bockbier. Das Bier floss durch Infusionsschläuche, die mir meine Ärztin jeden Tag legte, direkt ins Hirn. (Beide Jörgs trinken.) Also für mich ist der Erfolg schon eine Herausforderung. Zum Beispiel auch die Wandergruppen in Tischdeckenhemden, die bei mir vorm Haus stehen und mich beim Rasenmähen fotografieren.
Maurer: Ich fotografiere einfach zurück.
Steinleitner: Du, da fällt mir was ein: Kürzlich klingelt eine Dame bei mir und fragt, ob ich ihr was vorjodeln könnt. Da sag ich, Sie verwechseln mich, das ist der Jörg Maurer, der jodelt. Ich bin der andere. War die dann bei dir?
Maurer: Nein, umgekehrt wird eine Dame draus: Die war vorher bei mir, und ich habe sie zu dir geschickt. Ich habe ihr gesagt, du wärst derjenige, der jodelt, schuhplattelt, weißwurstelt, bierzeltelt und schnalzgoaßelt. Übrigens: Hat sie meinen aktuellen Roman „Felsenfest“ bei dir abgegeben? Ich habe sie gebeten, ihn mitzunehmen. Vielleicht schickst du ihn mir korrigiert zurück?

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