Was haben Schriftsteller in der Hose? – Kolumne | BUCHSZENE

Home >> Magazin >> Kolumnen >>

Was haben Schriftsteller in der Hose? – Eine total indiskrete Enthüllungs-Kolumne von Jörg Steinleitner

Steinleitners Woche

5. April 2017 | Kolumne: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Schiller umgab sich mit modernden Äpfeln, weil ihn ihr Geruch antörnte. Marcel Proust rauchte zur Entspannung Opium und Hans Christian Andersen führte stets ein Seil mit sich, um sich bei Bedarf aus einem brennenden Haus abseilen zu können. Aber auch unsere heutigen Großschriftsteller haben ihre Marotten und Geheimnisse. In seiner Kolumne geht Jörg Steinleitner einer so kuriosen wie brisanten Frage nach: Was haben Schriftsteller in der Hose?

Wie reagieren Isabel Bogdan, Axel Hacke und Jörg Maurer auf derart intime Fragen?

Manchmal, wenn ich in meinem Garten am See sitze und gerade keine Kuh vorbeispaziert, segeln mir seltsame Fragen in den Geist: Was denkt Melania über Donald? Wer wird Bundeskanzlerin? Was haben Schriftsteller in der Hose? Die ersten beiden Fragen kann mir niemand beantworten, den ich kenne. Die dritte schon: Was haben Schriftsteller in der Hose? Aber darf man mit so einer anspruchslosen und intimen Frage an berühmte Federartisten wie Isabel Bogdan oder Axel Hacke, Jörg Maurer oder Oliver Pötzsch herantreten? Gesetzt den Fall, man wagte es: Würden Sie überhaupt antworten oder würden sie einem den Vogel oder den Effenberg zeigen? Einen womöglich sogar aus ihrem Adressbuch radieren?

Stofftaschentuch, 100 m Zahnseide, Schweizer Offiziersmesser

Als endlich eine Kuh vorbeispaziert beschließe ich, das Risiko einzugehen und einigen Tastengöttern zu schreiben. Weil ich aber davon ausgehen muss, dass nicht jeder so viel in der Hosentasche mit sich führt wie ich (linke Hosentasche vorn: Stofftaschentuch, 100 Meter Zahnseide, gewachst, antibakteriell und fluoridhaltig; rechte Hosentasche vorn: Labello, Schweizer Offiziersmesser; rechte Hosentasche hinten: Münzen und Scheine; linke Hosentasche hinten: nichts), erweitere ich meine Frage: Was tragen Sie, liebe Schriftstellerin, lieber Schriftsteller stets am Leib?

Sofort fühle ich mich Isabel Bogdan verbunden

Isabel Bogdan, Autorin von „Der Pfau“, ist die erste die mir antwortet. Bereits nach Sekunden schreibt sie: „Ha! In meiner Tasche ist immer ein Schweizer Taschenmesser.“ Sofort fühle ich mich ihr verbunden. Isabel Bodgan und ich – die Schweizer-Taschenmesser-Träger unter den Schriftstellern! Allerdings, teilt sie mit, brauche sie es nicht oft, aber wenn, dann sei sie sehr froh, es zu haben. Und manchmal könne man „auch gleich noch andere Leute mit glücklich machen (Korkenzieher!).“ Wie Recht sie hat! Bestsellerautorin eben!

Ein Starautor rümpft per E-Mail die Nase

Meine kleine Umfrage befindet sich auf der Erfolgsspur. Aber leider geht es nicht so weiter. Denn wie erwartet, ruft meine Indiskretion auch Naserümpfen hervor: „Ach, das ist doch ein wenig banal, oder?“, seufzt mir Axel Hackes E-Mail entgegen. Der hat leicht schreiben! Welcher Kolumnist hat schon einen Kühlschrank und einen Büroelefanten neben dem Schreibtisch stehen, die ihn inspirieren, seine Seele massieren, ihm wirklich weltbewegende Fragen einflüstern? Keiner außer Axel Hacke. Eben!

Das Notizbuch scheint die Achillesferse des Tastengotts zu sein

Aber zum Glück ist sich Axel Hacke seiner Verpflichtung zur Güte, die ihm aus seiner Position als Edelfeder zuwächst, bewusst. Und so verrät er nach dem Einstiegsseufzer: Er habe „jedenfalls nichts anderes in den Taschen als jeder andere Mensch auch, Auto-und Fahrradschlüssel, Kleingeld, ein paar Scheine, Kredit- und Bankkarten, einen Kugelschreiber und das Telefon. Nicht mal ein Notizbuch.“

Und was ist mit Oliver Pötzsch, Su Turhan, Margit Auer und Takis Würger?

Nicht mal ein Notizbuch! Isabel Bogdan hat auch kein Notizbuch. Und ich auch nicht. Das mit dem Notizbuch scheint ein Schriftstellerkomplex zu sein. Erwartet die Welt, dass wir Notizbücher bei uns führen? Oder erwarten wir, dass die Welt dies erwartet und fühlen uns deshalb beim Nichtbeiunsführen ertappt? Erkennt man gerade am Notizbuch den Nichtschriftsteller? Ich könnte Ihnen jetzt noch verraten, was die Bestsellerautoren Jörg Maurer, Oliver Pötzsch, Su Turhan, Margit Auer und Takis Würger am Schriftstellerleib führen. Aber da muss ich sie auf die nächste Kolumne vertrösten, denn eben klingelt der Kühlschranklieferant.

P.S.: Falls Sie wissen sollten, wer Bundeskanzlerin wird – Merkel oder Schulz – ich würde mich über Ihre Nachricht freuen.

Isabel Bogdan

Der Pfau

ISBN 978-3-570-58562-7

256 Seiten, € 18,99

Kiepenheuer & Witsch

Axel Hacke, Michael Sowa

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

ISBN 978-3-95614-118-8

102 Seiten, € 18,99

Kunstmann

Matthias Edlinger, Jörg Steinleitner

Ambach – Die Auktion

ISBN 978-3-492-97083-9

eBook, 140 Seiten, € 0,99

Piper

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

Share this post:
Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

Share this post:
Mehr zur Rubrik
Wie ich aus Liebeskummer zur See fuhr und ein anderer wurde
Ist ein allgemeines Dienstpflichtjahr sinnvoll? Eine Kolumne über Seemänner, Liebeskummer und das Leben
Kolumne Steinleitners Woche

Steinleitners Woche | 15. August 2018 | Jörg Steinleitner

Was macht ein junger Mann mit Liebeskummer? Zur See fahren, hatte unser Kolumnist in Romanen gelesen. Und es getan. Eine Kolumne über Abenteuer und die Sinnhaftigkeit eines Dienstjahrs für junge Leute.

Warum geht das Leben so schnell vorbei?, fragte mein Sohn
Wieso geht das Leben so schnell vorbei? Warum ist es endlich? Und was hat das mit Ferien zu tun?
Titelbild Kolumne Steinleitners Woche 152

Steinleitners Woche | 1. August 2018 | Jörg Steinleitner

Wieso die Zeit so schnell vergehe, fragte Jörg Steinleitners Sohn kürzlich. Und wieso das Leben endlich sei? Während er nach einer Antwort suchte, nahm sich der Kolumnist etwas für die Sommerferien vor.

Warum haben Männer größeren Hunger als Frauen?
Männer und Frauen – streiten Sie auch oft über das Essen? Auf den Spuren eines Ernährungs-Rätsels
Männer und Frauen Steinleitners Woche Kolumne

Steinleitners Woche | 18. Juli 2018 | Jörg Steinleitner

Warum haben Männer mehr Hunger als Frauen? Wieso lieben sie Fleisch und Frauen Joghurt? Und wieso gibt’s darüber immer wieder Streit? Steinleitners Woche heute über Männer, Frauen und Ernährung

Verlieren ist eher was für Loser, findet mein Sohn
Steinleitner spricht mit seinem Sohn anlässlich der Fußball-WM über das Verlieren
Titelbild Steinleitners Woche

Steinleitners Woche | 4. Juli 2018 | Jörg Steinleitner

Verlieren sei scheiße, sagt Steinleitners Sohn nach dem Ausscheiden der Deutschen bei der Fußball-WM. Verlieren sei was für Loser. Der Auftakt zu einem Krisengespräch mit versöhnlichem Ausgang.

Nach oben Zurück zur Übersicht

Mit der Nutzung von BUCHSZENE.DE erklären Sie sich damit einverstanden, dass unser Internetauftritt und unsere Tools/Plugins Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.