Was haben Schriftsteller in der Hose? Teil 2 – Kolumne | buchSZENE

Drogen, Steuerunterlagen, eine Leiche. Steinleitner enthüllt, was Oliver Pötzsch, Jörg Maurer, Takis Würger am Leib tragen.

Die Hosenstory der Schriftsteller geht weiter – Jörg Steinleitner enthüllt die Geheimnisse von Bestsellerautoren

17. April 2017 | Kolumne: Jörg Steinleitner

Schriftsteller mit Notizbuch Steinleitners Woche die Kolumne

Oliver Pötzschs Hosentaschen offenbaren ein malerisches Panorama

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt noch Vertreter der schreibenden Zunft, die auf der emsigen Suche nach Inspiration durch Deutschlands Wiesen streunern und dabei Schreibzeug mit sich führen. Oliver Pötzsch ist so einer, der mir auf meine Frage hin, was er für gewöhnlich am Leibe trage, antwortet, er führe stets den „für Schriftsteller üblichen zerfledderten Notizblock und einen abgebrochenen Bleistift“ mit sich. Auch sonst bieten die Hosentaschen des Schöpfers der Henkerstochter-Romane ein malerisches Panorama: Neben Franken aus dem Schweizer Skiurlaub (Thomas Mann lässt grüßen!) und Fisherman’s Friend Pastillen, „die jeden Waschgang überleben“, führt Oliver Pötzsch alte Rechnungsbelege des Jahres 2014, „die eigentlich ins Steuerablagefach gehören“, mit sich sowie einen Ersatzknopf für sein Lesungssakko, den er anzunähen nicht imstande sei.

Jörg Maurer erfährt dank Lao-Tse eine Verwandlung

Jörg Maurer gibt sich in Sachen Notizbuch zerknirscht und schildert im gleichen Atemzug ein künstlerisches Dilemma: Früher habe er auf Schritt und Tritt einen Zettel dabei gehabt, um gegebenenfalls spontane Ideen aufzuschreiben. Wenn ihm aber etwas wirklich Gutes eingefallen sei (zum Beispiel beim Bergsteigen), habe er regelmäßig den Stift vergessen gehabt. Umgekehrt sei ihm jedesmal, wenn er beides dabei gehabt habe, überhaupt nichts eingefallen. Eine Zeit lang habe er ein Smartphone mit sich herumgeschleppt, um da spontane Einfälle draufzusprechen. Doch auch damit hat Alpenkrimikönig Jörg Maurer keine guten Erfahrungen gemacht: „Ich weiß nicht, ob es an der Software liegt, aber zu Hause haben sich die wirklich witzigen Geistesblitze immer furchtbar schwach angehört.“ Nun halte er es so: „Ich schreibe, bevor ich weggehe, einen guten Spruch auf einen Zettel, zum Beispiel eine fernöstliche Weisheit von Lao-Tse. Mehr habe ich nicht dabei: „Nimm fünf Stifte beim Wandern mit und keinen Zettel. Sei du selbst der Zettel, auf den die Natur schreibt.“ Seitdem gehe er viel Bergsteigen, ziehe ab und zu den Zettel heraus und versuche ihn zu verstehen. Jörg Maurer versichert, er brauche nun nicht einmal mehr einen Rucksack.

Su Turhan gibt sich bei der Konstruktion eines Alibis alle Mühe

Keinen Rucksack, aber eine Herrenhandtasche führt Su Turhan, Erfinder der Kommissar-Pascha-Romane mit sich. Darin verberge sich sein halbes Leben. Woraus wir schließen, dass bei Kriminalschriftstellern die Leichen nicht im Keller, sondern in der Herrenhandtasche liegen. Interessant ist, dass Su Turhan sich verdächtige Mühe gibt, vor uns Ermittlern den Inhalt seiner Hosentaschen als uninteressant erscheinen zu lassen: „In den Taschen … nichts Spannendes …“, schreibt er: „… Tabakkrümel, Ersatzfeuerzeug, manchmal eine Tabakspfeife, zusammen mit dem Tschechen.“ Über letzteren ist weiter unten noch ein Wort zu verlieren.

Margit Auer lenkt den Hosentaschen-Verdacht auf andere

Auch Margit Auer, Autorin der Kinderbuchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ gibt sich unverdächtig; versucht, von sich abzulenken: „Frauen haben grundsätzlich nicht so ausgebeulte Hosentaschen wie Männer!“, behauptet sie. Was sie allerdings immer bei sich trage: eine 2-Euro-Münze. Die brauche sie für die Schließfächer in der Universitätsbibliothek Eichstätt, in der sie gerne an ihren Kinderbüchern schreibe.

Takis Würger führt eine geistwirksame Substanz mit sich

Klassisch schriftstellerisch gibt sich Takis Würger, der Shootingstar unter den Bestsellerautoren: Der Autor von „Der Club“, trägt erstens eine Weste! Zweitens darin einen Füllfederhalter von Sailor, den er sich eigens fürs Signieren geholt hat, weil: „Die Tinte riecht so lecker.“ Und in der Jackentasche „steckt eine Packung 400er Ibuprofen, falls ich Migräne bekomme“. In den Hosentaschen trägt Takis Würger angeblich nichts, das enge ihn ein.

Fazit: Das Notizbuch hat unter Schriftstellern ausgedient. Die einzige bewaffnete Autorin ist mit Isabel Bogdan (siehe letzte Kolumne) keine Krimiautorin. Sämtliche Krimiautoren verzichten auf Waffen oder verheimlichen sie vor uns. Immerhin ein Krimiautor gesteht – es ist Su Turhan – eine Leiche in der Herrenhandtasche mit sich zu führen: oder was sonst meint er, wenn er nonchalant erwähnt, nebst Pfeife stets einen Tschechen bei sich zu tragen? Wir bleiben dran.

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