„Schwestern im Tod“ – Mit hohem Gänsehautfaktor | BUCHSZENE

Was ist das für ein Mörder, der Frauen tötet und in Kommunionskleidern drapiert? Und was hat es mit dem fanatischen Fan des Autors auf sich? Bernard Miniers „Schwestern im Tod“ ist ein Meisterwerk.

Beim Lesen von „Schwestern im Tod“ bereiten nicht nur die brutalen Verbrechen Gänsehaut

5. August 2020 | Stephanie Pointner

Titelbild Schwestern im Tod

©Zastolskiy Victor shutterstock

Zwei Leichen in Kommunionskleidern, gefesselt an Baumstämme

Martin Servaz ist frisch bei der Polizei und schon gleich sein erster Fall ist an Grausamkeit kaum zu übertreffen: Zwei Schwestern wurden brutal erschlagen und an Baumstämme gefesselt. Zudem tragen die beiden Opfer Kommunionskleider. Die Ermittlungen ergeben, dass der Mord auf einer Buchvorlage des Autors Erik Lang basiert und die Schwestern Kontakt zu dem Autor hatten. Es finden sich allerdings keine Indizien, mit deren Hilfe Erik Lang die Tat nachgewiesen werden könnte. Auch zweifelt außer Martin niemand an dessen Unschuld. Kurze Zeit später begeht ein Kommilitone der Schwestern Suizid und nimmt die Schuld für die Morde in einem Abschiedsbrief auf sich. Damit gilt der Fall als gelöst.

Was verbirgt der fanatische Fan des Autors Erik Lang?

25 Jahre später wird Martin zu einem scheinbar schiefgelaufenen Einbruch gerufen, bei dem die Hausbesitzerin getötet wurde. Vor Ort muss er feststellen, dass es sich bei der Toten um Erik Langs Ehefrau handelt und diese ebenfalls ein weißes Kommunionskleid trägt. Auch diesmal gibt es Parallelen zwischen dem Tathergang und einem Buch des Autors. Martin und sein Team müssen sich die Frage stellen, ob sie vor 25 Jahren einen entscheidenden Hinweis übersehen haben. Doch damit nicht genug: Martin verdächtigt und verhört Erik Lang und gerät dadurch ins Visier eines fanatischen Fans des Autors. Schon bald wird ihm klar, dass er gerade nicht nur sein Leben riskiert, sondern auch jenes seines Sohnes.

„Schwestern im Tod“ ist ein raffiniert aufgebauter Thriller

Bernard Miniers Thriller „Schwestern im Tod“ spielt auf zwei Zeitebenen: Zuerst begleitet der Leser die Ermittlungen 1993. Im Laufe der Handlung wechselt die Erzählung jedoch in das Jahr 2018. Dieser Aufbau ist sehr raffiniert und gelungen umgesetzt, da der Leser somit den jungen und unerfahrenen Martin bei seinem ersten Fall und später den etwas älteren und gereiften Kommissar erneut begleiten und dessen unkonventionellen Ermittlungsmethoden kennenlernen kann.

Für Spannung sorg auch eine besondere Erzählperspektive

Der Autor hält die Spannung von Anfang bis Ende konstant hoch und beschert einem immer wieder Gänsehaut, was nicht zuletzt an den brutalen Verbrechen liegt. Als Leser verfolgt man immer neue Spuren und wird hierbei mithilfe zahlreicher unerwarteter Wendungen in die Irre geführt. Nach und nach fügen sich aber die einzelnen Puzzlestücke zusammen und ergeben am Ende eine schlüssige Auflösung. Besonders gelungen sind die Kapitel aus Sicht einer lange Zeit unbenannten Person, die die Ermittlungen gebannt verfolgt und auch in Martins Privatleben eindringt. Hier spürt man mit jedem neuen Wort die Bedrohung und beginnt sofort nach der Identität dieser Person zu fahnden.

 Zwei Punkte haben mich an Bernard Miniers Krimi gestört

„Schwestern im Tod“ ist bereits der fünfte Fall für Martin Servaz. Die Hauptstory rund um die Morde kann auch ohne Vorwissen gelesen werden, allerdings gibt es gerade im Privatleben von Martin häufig Andeutungen auf die vorherigen Bände. Leider hat man hier oft das Gefühl, dem Inhalt nicht folgen zu können, wenn man die Vorgängerbände nicht kennt.

Zu Recht einer der erfolgreichsten französischen Krimiautoren

Obwohl gerade das Ende sehr rasant, spannend und actionreich ist, konnte es mich nicht ganz überzeugen. Hier überlädt der Autor die letzten Buchseiten mit sehr vielen Thrillerelementen. Neben einer Kindesentführung gibt es einen Mord, Suizid und einen Brandanschlag. Dies ist leider etwas zu viel des Guten und daher unglaubwürdig. Ich finde das schade, weil mich der Thriller bis zu diesem Punkt beinahe komplett überzeugt hat. Alles in allem wird Bernard Minier aber zu Recht als einer der erfolgreichsten und originellsten französischen Krimi- und Thrillerautoren gefeiert.

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