Ralph Müller: Raus in die Wildnis. Rezension | BUCHSZENE

Wie baut man ein Lager? Was kocht man in der Wildnisküche? Und was bedeutet es, sich achtsam in der Natur zu bewegen? Ralph Müllers Sachbuch „Raus in die Wildnis“ ist ein Geschenk für Naturliebhaber.

Ralph Müllers Buch „Raus in die Wildnis – Praktisches Wissen für das Leben in der Natur“

16. Juli 2019 | Tim Pfanner

Titelbild Raus in die Wildnis

© anatoliy_gleb shutterstock-ID: 731974288

Mit Ralph Müllers „Raus in die Wildnis“ gibt es nur ein Problem

Die einzige blöde Sache mit Ralph Müllers Buch „Raus in die Wildnis“ war, dass es sich mein zehnjähriger Sohn sofort unter den Nagel gerissen hat. Dieses Outdoor-Buch ist eigentlich kein Buch für Kinder. Aber es ist geschmackvoll und schlicht gestaltet, auf mattem Papier gedruckt und inhaltlich so umfassend, dass ein Kind, das sich für das (Über)Leben in der Natur interessiert, eben genauso gerne darin schmökert wie ein Erwachsener.

Die Fotos wirken angenehm echt und uninszeniert

Es gibt zahllose Bücher über das Überleben in der freien Natur, aber dieses ist ein besonders schönes. Die Fotos wirken echt und angenehm uninszeniert. Und Ralph Müller erklärt alles Wichtige in der nötigen Länge. Das zentrale Kapitel lautet „Vier Grundbedürfnisse in der Wildnis“. Es ist unterteilt in Feuer, Schutz, Wasser und Wildnisküche.

Beim Feuermachen auf den Wind achten und die Bäume schonen

Im Kapitel über das Feuermachen erläutert Ralph Müller nicht nur die verschiedenen Techniken, sondern weist zum Beispiel auch darauf hin, dass wir auf die Windrichtung achten müssen und Bäume schonen sollten. „Wie man ein Feuer anlegt und nährt, so brennt es auch. Sind wir achtsam im Umgang mit dem Feuer, wird es ein friedvolles Feuer. Es qualmt wenig, brennt ruhig, es wärmt, gibt uns warmes Essen und Trinken und bleibt zuverlässig an seinem Platz.“

Ralph Müller propagiert einen ganzheitlichen Zugang zur Wildnis

Wer diese Sätze liest, spürt etwas, das sich durch das gesamte Buch zieht: Der Autor betrachtet die Natur ganzheitlich und uns Menschen lediglich als ein Element, das zu ihr gehört, aber deshalb auch auf die Rücksicht nehmen sollte. Wer das Feuer-Kapitel liest, erfährt auch, wie man vor 2.000 Jahren mithilfe von Feuersteinen und Feuerschlageisen Funken erzeugte. Klar, dass mein Sohn diese interessante Technik gleich ausprobieren musste. Die unterschiedlichen Holzsorten und ihre Eigenschaften stellt Ralph Müller ebenso vor wie geeigneten Zunder, als das Material, mit dem man den geschlagenen Funken einfangen kann.

Geeignete Lagerorte – von der schlichten Plane bis zum Gruppenzelt

Unter dem Stichwort „Schutz“ fordert der Autor uns zunächst auf, uns so rücksichtsvoll wie möglich in der Natur zu bewegen. Dann beschreibt er geeignete Lagerorte und ihr Verhältnis zu Wind, Wasser, Gefahren von oben, Wildwechseln und Brut-, Rast- und Fressplätzen. Die verschiedenen Möglichkeiten eines Lagers werden prima beschrieben – vom simplen Giebeldach aus einer Plane und einigen Schnüren bis hin zu verschiedenen Zelttypen und sogar Notunterkünften.

Kleine Tierchen im Wasser? Das kann auch für seine Qualität sprechen

Wer weiterliest, erfährt, wie er verunreinigtes Wasser erkennen kann, aber auch eine kleine Anekdote: Ralph Müller erzählt, wie er mal in Polen seine Wasservorräte auffüllen musste und bei einem Bauernhof die Erlaubnis bekam, aus dessen Brunnen Wasser zu schöpfen. „Als wir den Eimer hochzogen, hüpften im Wasser winzige dunkle Punkte: Wasserflöhe und sogar einige rund einen Zentimeter große Bachflohkrebse schwammen darin.“ Das Wasser konnte man dennoch gut trinken. Überhaupt sind die im Wasser vorgefundenen Tiere eine gute Möglichkeit, die Wasserqualität abzuschätzen. Sind Köcherfliegen oder Steinfliegen im Wasser, ist dies ein gutes Zeichen. Kein gutes Zeichen ist es, wenn man Zuckmückenlarven oder Mistbienen im Wasser vorfindet.

Brot backen – mithilfe aromatischer Blätter und auf offenem Feuer

Im Kapitel „Wildnisküche“ wird Brot auf offenem Feuer und über frisch geschnittenen Hölzern und aromatischen Blättern gebacken; es werden essbare Wildpflanzen entdeckt und nahrhafte Suppen, Gemüsegerichte und Salate gekocht. Auch das Braten, Garen und Trocknen von Fisch erklärt Ralph Müller.

Und zum Schluss gibt Ralph Müller noch einen ganz wichtigen Tipp

Weitere Ausführungen des Wildnis-Experten befassen sich mit Fischen und Jagen, Krisen und Gefahren, Naturbeobachtung und Spurenlesen, Wildnishandwerk, Kleidung und Ausrüstung und den Besonderheiten, wenn man in Gemeinschaft unterwegs ist. In diesem Zusammenhang gibt Ralph Müller einen sehr wichtigen Tipp: „Wenn Sie die Möglichkeit haben, kann ich Ihnen nur empfehlen, auf einer längeren Tour Ihren Tagesablauf nicht von der Uhrzeit abhängig zu machen. Planen Sie einige freie Tage ein, und legen Sie die Uhr beiseite. Orientieren Sie sich am Tageslauf und der Helligkeit, folgen Sie allein Ihren Bedürfnissen. Stehen Sie auf, wenn Sie aufstehen möchten, essen Sie, wenn Sie Hunger haben, und gehen Sie ins Bett, wenn Sie müde sind.“ Irgendwie ist das logisch, und doch leben wir oft genug an unseren Bedürfnissen vorbei. Ganz gleich, ob in der Zivilisation oder in der Wildnis.


Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), would like to process personal data with external services. This is not necessary for using the website, but allows me to interact even more closely with them. If desired, please make a choice:
Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), would like to process personal data with external services. This is not necessary for using the website, but allows me to interact even more closely with them. If desired, please make a choice: