
Die Initialzündung zum ersten Roman – Paukenschlag oder Prozess? Beides!
Ich habe schon immer lieber geschrieben und gelesen als gesprochen oder zugehört, was ich zum Beispiel im Alltag merke, wenn ich lieber zur Tastatur als zum Telefon greife. Nachdem ich in der Mittelstufe im Deutschunterricht notenmäßig nie wirklich vom Fleck kam – was an mir, aber auch an der Lehrerin gelegen haben mag – entschied ich mich in der Oberstufe dennoch für Deutsch als Leistungskurs und mutierte rasch zum Einserschüler. Meiner quirligen Deutschtutorin gelang es bald, ein Feuer für Literatur in mir zu entzünden. Erste Anläufe, selbst ein Buch zu schreiben, unternahm ich mit 23 während einer dreimonatigen Australienreise. Dabei entstand, angestoßen durch den Roman „The Beach“ von Alex Garland, auf über zweihundert eng beschriebenen Vokabelheftseiten die bis heute nie vollendete Abenteuergeschichte eines Ausreißers, der seither – entgegen seiner Natur – dazu verdonnert ist, sein Dasein in meiner Schreibtischschublade zu fristen. Mit 26 gewann mich Simon Beckett mit „Die Chemie des Todes“ schließlich endgültig für die Spannungsliteratur. Hiernach entstand auch erstmals die Idee, ein Buch in diesem Genre zu schreiben. Initiator war vor allem der Wunsch, einen guten Twist zu erschaffen.
Mein Debüt „Totenblass“ entstand in der „Schule des Schreibens“
In den Monaten danach folgten Dutzende anderer Krimis und Thriller, allem voran die Reihe von Tess Gerritsen um Rizzoli & Isles sowie die von Jo Nesbø um Harry Hole, die ich regelrecht verschlungen habe. Dabei begann ich mich – ganz der Chirurg – immer mehr für die Anatomie dieser Geschichten zu interessieren; genau wie für das Schreibhandwerk, weshalb ich mir ein ziemlich theoretisches Buch darüber kaufte. Während ich in einem meiner Nachtdienste im Krankenhaus darin las, fiel ein Flyer der „Schule des Schreibens“ heraus, wo ich mich kurzerhand für ein Fernstudium einschrieb. Während des Moduls „Romanwerkstatt“ wuchs die Geschichte meines späteren Erstlingswerks „Totenblass“ sukzessive auf mehrere hundert Seiten an, so dass es mir später, nun ausgestattet mit den nötigen Fertigkeiten, gelang, das Manuskript zu vollenden und über eine renommierte Münchner Agentur an meinen Traumverlag Blanvalet zu verkaufen.
Thrillerautor und Schönheitschirurg – mein nicht so geheimes Doppelleben
Viele Menschen stellen sich das Leben als Autor vermutlich romantisch vor. In meinem Fall ist die Wahrheit recht ernüchternd. Ein Buch zu schreiben, ist harte Arbeit. Bei mir, wie auch vielen anderen Autoren, die vom Schreiben allein nicht leben könnten, kommt erschwerend hinzu, dass ich wegen eines Hauptberufs gezwungen bin, in meiner Freizeit zu schreiben. Das fällt mir besonders schwer, wenn ich gerade mal gar keine Lust, aber eine näher rückende Deadline im Nacken habe. Gerate ich wegen des Abgabetermins unter Zeitdruck, stelle ich mir schon mal um fünf oder sechs in der Frühe den Wecker, um zu schreiben, bevor ich in die Praxis gehe und aus dem Krimiautor der „Schönheitschirurg“ wird.
„Morddurst“ ist der dritte Band meiner Serie um Fuchs & Schuhmann
Der frühe Morgen hat für mich aber auch einen Vorteil: Da ist mein Kopf nämlich schön klar und noch nicht so vom Lärm der Alltagsgedanken vernebelt. Abends oder generell nach der Arbeit kann ich nur schlecht oder gar nicht schreiben. Oft werde ich gefragt, warum ich mir diesen Stress neben meinem anspruchsvollen wie auch zeitintensiven Hauptberuf überhaupt antue. Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht genau, aber es gibt da diese Triebfeder in mir, die mich immer wieder nötigt, ein begonnenes Projekt auch zu Ende zu bringen. Und was zuerst ein einzelner Roman war, ist zu einer Reihe geworden, von welcher im Februar 2023 mit „Morddurst“ schon Band 3 erscheint …
Ich vergleiche das Schreiben eines Romans gerne mit einer Schwangerschaft
Doch natürlich ist nicht alles an meinem Autorenleben mühsam, wie es vielleicht klingen mag. Denn würde mir das Schreiben gar keinen Spaß machen, hielte ich es wohl kaum über eine so lange Strecke aus, am Ball zu bleiben, die es nun mal braucht, um einen Roman fertigzustellen. Wahrscheinlich treibt mich inzwischen aber auch die Aussicht auf dieses großartige Gefühl an, das man erleben darf, wenn man endlich sein eigenes Buch in Händen hält oder – was mir persönlich noch viel mehr gibt – dem professionell eingesprochenen Hörbuch lauschen darf. Erst recht, wenn es von so einem grandiosen Sprecher wie Achim Buch („Rachekult“ und „Totenblass“) gelesen wird. Ich vergleiche das Schreiben eines Romans gerne mit einer Schwangerschaft, ohne da wirklich mitreden zu können. Aber soweit ich mitbekommen habe, wird da auch oft gejammert, geflucht und geächzt und später, als hätte man all die Sorgen und Nöte vergessen, nicht selten ein weiteres Kind in die Welt gesetzt. Mal sehen, zu wie vielen Romangeburten ich es letztlich bringen werde.
Bauch oder Kopf – welcher Schreibtypus bist du?
Ich glaube, es ist gut zu wissen, was für ein Schreibtyp man ist. Bei mir verhält es sich wie bei dem Serienmörder aus meinem Thriller „Totenblass“: Ich bin ganz klar ein Planer. Im Gegensatz zum „Drauflosschreiber“, der vielleicht nur eine vage Idee oder ein rudimentäres Gerüst der Geschichte im Kopf braucht, um mit dem Schreiben loszulegen, plane ich meinen Plot konsequent durch, was im Krimi- und Thriller-Genre aber vermutlich verbreitet sein dürfte. Schließlich muss so ein Mord sowie dessen Aufklärung durchdacht sein, damit der Leser zwar die nötigen Hinweise zur Lösung des Falls erhält, im Idealfall am Ende aber dennoch überrascht wird. Hier gibt es aber kein Richtig oder Falsch, sondern jeder muss für sich selbst schauen, was für sie oder ihn funktioniert.
Die Ideenmaschine – Fluch und Segen zugleich
Bei mir beginnt alles mit einer geistigen Initialzündung. Dies kann eine banale Alltagssituation sein, in der ich mich frage: Was würde jetzt wohl passieren, wenn …? Leichter geht es natürlich bei merkwürdigen Begebenheiten, wie sie ja jeder hin und wieder erlebt. Ein Einfall kann dann bereits in groben Zügen den ganzen Plot umreißen oder vorerst nur das Thema oder die Prämisse streifen. Sobald die Gedanken-Maschine in meinem Kopf aber angesprungen ist, wird es meist anstrengend. Denn hinter jeder Ecke lauern plötzlich Ideen. Diese können so unvermittelt aufpoppen, dass ich schon mal aus der Dusche springe oder beim Autofahren rechts ranfahre, um sie mittels Sprachaufzeichnungen festzuhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt gehe ich meine Memos nochmals durch und prüfe, was davon ich verwenden möchte. Da ich oft Probleme habe, mich zu entscheiden, fällt mir die Auswahl der besten Ideen oft schwieriger, als das bloße Ansammeln derselben.
Je besser ich plane, umso leichter fällt mir das Schreiben
Sobald aber die wesentlichen Meilensteine meiner Geschichte gefunden sind, erstelle ich ein grobes Gerüst und lege fest, an welcher Stelle der Storyline welches Ereignis stattfinden soll. Man könnte sagen, dass ich in dieser Phase die größten Knochen des Skeletts der Geschichte an ihre entsprechenden Positionen auf dem Obduktionstisch lege. Im Anschluss beginnt die Feinplanung. Dafür fülle ich die Räume zwischen den dramaturgischen Meilensteinen mit kleineren Ereignissen, bevor ich zur detaillierten Planung einzelner Kapitel übergehe, die Geschichte also beginnt, Fleisch anzusetzen. Hierfür formuliere ich in jeweils wenigen Sätzen eine Inhaltsangabe, in welche ich Dialogfetzen, Hinweise für mich selbst sowie alternative Ideen für den Handlungsverlauf einstreue. Dadurch entsteht eine Kapiteltabelle, die ich solange überarbeite, bis die Geschichte steht. Je besser und ausführlicher ich diese Planung mache, umso leichter fällt mir später das Schreiben.

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