
© Guido Krzikowski
Hund und Schildkröte sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre
Daniela Kohl sitzt mit Kopfhörern im Büro ihrer Dachwohnung vorm Computer. Links auf der Fensterbank träumt die Französische Bulldogge Tati. Daneben stehen ein Zeichentisch, ein ergonomischer Stuhl – und dahinter das Terrarium der Landschildkröte „Fümpf“, die anders als Heesters in „Mein Lotta-Leben“ nicht ständig zwischen die Füße ihrer Besitzerin gerät. Auf dem Glasdeckel türmen sich Lottas in vielen Sprachen – Spanisch, Polnisch, Griechisch, Finnisch, Lettisch, sogar Afrikaans, Chinesisch und Hebräisch sind dabei. Auf einem Brett über dem Mac reihen sich deutsche Lotta-Ausgaben und weitere Mädchen-Reihen wie „Linni von Links“, „Susi Supergirl“ und „Milla-Erstlesebücher“. Im Bücherregal rechts die Anthologie „Das Blaue im Himmel“, bebilderte Lehrbücher sowie Thomas von Steinaeckers Romane „Wallner beginnt zu fliegen“ und „Geister“, die Daniela Kohl ebenfalls illustrierte. Einige bilderlose Bücher finden sich dazwischen, doch das eigene Werk nimmt langsam überhand. „Ich hebe nur noch auf, was ich ein zweites Mal lesen möchte“, gibt Daniela Kohl zu. Denn neben dem Platz wird auch die Zeit immer knapper.
Lotta zu zeichnen verschlingt viel Zeit – gut dass die Hunde zwischendurch eine Pause brauchen
Wie gut, dass es Hörbücher gibt! Ohne sie – und Nick Cave — wären Lotta, Linni, Susi, Milla, Nina und Nicoletta undenkbar. „ Als Kind habe ich stundenlang „Pumuckl, Hui Buh“ und „Die drei Fragezeichen“ gehört und dazu auf einen Block gemalt“, erzählt Daniela Kohl. Heute lauscht die Münchner Illustratorin englischen Hörbüchern von Stephen King oder Neil Gaiman, sobald sie sich an die Reinzeichnung von „Mein Lotta-Leben“ und anderen Mädchenbüchern macht. „Wenn ich mich auf die technisch genaue Umsetzung konzentrieren muss, kann ich all das hören, für das mir die Zeit zum Lesen fehlt“, sagt Daniela Kohl. Wichtig ist, dass die Geschichten lang sind, denn allein für Lotta fertige ich pro Buch 800 bis 1000 Zeichnungen an – und das zweimal pro Jahr.“ In dieser Arbeitsphase sitzt sie sechs Tage die Woche von halb zehn Uhr morgens oft bis nach Mitternacht am Zeichentisch, unterbrochen von einer Mittagspause mit ihrem Mann und Gassigehen mit dem Hund.
Früher hörte Daniela Kohl gerne Pumuckl. Heute eher Nick Cave
Die Runde davor funktioniert am besten zu Musik von Nick Cave oder Johnny Cash – und zu Tatis Schnarchen: „Wenn ich mir die einzelnen Illustrationen überlege, muss ich der Geschichte des jeweiligen Buchs zuhören, dann lasse ich innerlich den Film dazu ablaufen und suche mir die entsprechenden Bilder aus. Nur so nehme ich die Stimmung, den Rhythmus und Witz des Textes wahr und finde die passenden Charaktere.“
Dabei entwickelt sie für jede Heldin einen eigenen Stil: comicartig kritzelig mit schwarzer Zeichenfeder für Lotta, verspielt in pastelligem Rosa, Rot und Orange für Linni, in Collagentechnik wie in ihren Erstlesebüchern oder auch mit am Computer erstellten Hintergründen und Fillings wie in „Nicolettas geheime Welt“, das im Juli vergangenen Jahres bei Ravensburger erschienen ist.
Für den Chat bitte einloggen