Illustratorin Daniela Kohl im Porträt. Mein Lotta-Leben | BUCHSZENE

Daniela Kohl hat sich mit Lotta eine der beliebtesten Mädchenfiguren ausgedacht. Aber wie entsteht so ein Lotta-Buch? Wie ist Daniela Kohl privat und welche Tiere schauen ihr beim Zeichnen zu? Ein Porträt.

Daniela Kohls und Alice Pantermüllers Heldin Lotta kennt jeder. Aber wie entsteht eigentlich so ein Buch?

17. Januar 2018 | Tina Rausch

Daniela Kohl

© Guido Krzikowski

Hund und Schildkröte sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre

Daniela Kohl sitzt mit Kopfhörern im Büro ihrer Dachwohnung vorm Computer. Links auf der Fensterbank träumt die Französische Bulldogge Tati. Daneben stehen ein Zeichentisch, ein ergonomischer Stuhl – und dahinter das Terrarium der Landschildkröte „Fümpf“, die anders als Heesters in „Mein Lotta-Leben“ nicht ständig zwischen die Füße ihrer Besitzerin gerät. Auf dem Glasdeckel türmen sich Lottas in vielen Sprachen – Spanisch, Polnisch, Griechisch, Finnisch, Lettisch, sogar Afrikaans, Chinesisch und Hebräisch sind dabei. Auf einem Brett über dem Mac reihen sich deutsche Lotta-Ausgaben und weitere Mädchen-Reihen wie „Linni von Links“, „Susi Supergirl“ und „Milla-Erstlesebücher“. Im Bücherregal rechts die Anthologie „Das Blaue im Himmel“, bebilderte Lehrbücher sowie Thomas von Steinaeckers Romane „Wallner beginnt zu fliegen“ und „Geister“, die Daniela Kohl ebenfalls illustrierte. Einige bilderlose Bücher finden sich dazwischen, doch das eigene Werk nimmt langsam überhand. „Ich hebe nur noch auf, was ich ein zweites Mal lesen möchte“, gibt Daniela Kohl zu. Denn neben dem Platz wird auch die Zeit immer knapper.

Lotta zu zeichnen verschlingt viel Zeit – gut dass die Hunde zwischendurch eine Pause brauchen

Wie gut, dass es Hörbücher gibt! Ohne sie – und Nick Cave — wären Lotta, Linni, Susi, Milla, Nina und Nicoletta undenkbar. „ Als Kind habe ich stundenlang „Pumuckl, Hui Buh“ und „Die drei Fragezeichen“ gehört und dazu auf einen Block gemalt“, erzählt Daniela Kohl. Heute lauscht die Münchner Illustratorin englischen Hörbüchern von Stephen King oder Neil Gaiman, sobald sie sich an die Reinzeichnung von „Mein Lotta-Leben“ und anderen Mädchenbüchern macht. „Wenn ich mich auf die technisch genaue Umsetzung konzentrieren muss, kann ich all das hören, für das mir die Zeit zum Lesen fehlt“, sagt Daniela Kohl. Wichtig ist, dass die Geschichten lang sind, denn allein für Lotta fertige ich pro Buch 800 bis 1000 Zeichnungen an – und das zweimal pro Jahr.“ In dieser Arbeitsphase sitzt sie sechs Tage die Woche von halb zehn Uhr morgens oft bis nach Mitternacht am Zeichentisch, unterbrochen von einer Mittagspause mit ihrem Mann und Gassigehen mit dem Hund.

Früher hörte Daniela Kohl gerne Pumuckl. Heute eher Nick Cave

Die Runde davor funktioniert am besten zu Musik von Nick Cave oder Johnny Cash – und zu Tatis Schnarchen: „Wenn ich mir die einzelnen Illustrationen überlege, muss ich der Geschichte des jeweiligen Buchs zuhören, dann lasse ich innerlich den Film dazu ablaufen und suche mir die entsprechenden Bilder aus. Nur so nehme ich die Stimmung, den Rhythmus und Witz des Textes wahr und finde die passenden Charaktere.“
Dabei entwickelt sie für jede Heldin einen eigenen Stil: comicartig kritzelig mit schwarzer Zeichenfeder für Lotta, verspielt in pastelligem Rosa, Rot und Orange für Linni, in Collagentechnik wie in ihren Erstlesebüchern oder auch mit am Computer erstellten Hintergründen und Fillings wie in „Nicolettas geheime Welt“, das im Juli vergangenen Jahres bei Ravensburger erschienen ist.

Daniela Kohl ist die Expertin für junge Leserinnen und freche Mädchen

Seit dem Erfolg mit „Mein Lotta-Leben“ gilt Daniela Kohl als Expertin für junge Leserinnen und bekommt hauptsächlich Anfragen auf „freche Mädchenbücher ab acht Jahren mit lustiger Patchworkfamilie. Dabei würde ich auch gern mal was Schräges machen, ein Buch mit skurrilen Tieren zum Beispiel.“ Oder so etwas wie ihre Diplomarbeit, für die sie jeden Song von Nick Caves „Murder Ballads“ in einem speziellen Zeichenstil inszenierte.

So kamen Lotta und Daniela Kohl zusammen

Zu Lotta – und damit zur KJL – kam sie durch einen glücklichen Zufall. Eine Lektorin des Arena Verlags kontaktierte Daniela Kohl 2011 über ihre Website, nachdem eine Grafikerin in einem Münchner Café einen von ihr gestalteten Flyer entdeckt hatte. Daniela Kohl setzte sich im Pitch für eine neue Mädchen-Comic-Reihe durch und arbeitet seitdem mit der Autorin Alice Pantermüller zusammen: Mit „Eine Natter macht die Flatter“ erschien im Juni 2017 Lotta Teil zwölf und im Januar kommt schon der 13. Band „Mein Lotta-Leben – Wenn die Frösche zweimal quaken“; bereits die zweite Lotta-Geschichte stand auf der Spiegel-Bestsellerliste, die jüngsten schafften es meist bis auf Platz eins. Dazu gibt es Schülerkalender, Freunde-, Ferien-, Tagebücher und ein Kritzelbuch, die Verfilmung ist in Planung, und Lotta-Hörbücher sind auch erhältlich.

Alice Pantermüller und Daniela Kohl treten auch gemeinsam auf

Für die Umsetzung beschritten der Verlag und die Zeichnerin gemeinsam Neuland. Da bei der in Tagebuchform verfassten Reihe Text und Bild eine enge Bindung eingehen, fungiert Daniela Kohl als Illustratorin, Grafikerin, Setzerin, Gestalterin und liefert fertige Druckvorlagen ab.
Apropos Neuland: Im Rahmen des deutschen Gastlandauftritts auf der Internationalen Buchmesse in Warschau präsentierten Alice Pantermüller und Daniela Kohl im vergangenen Jahr ihre freche Heldin in Lesungen und Mal-Workshops vor Schulklassen. Einige Lotta-Bücher sind dort bereits erschienen, das polnische Hörbuch steht noch aus.

  • freie Arbeiten, Ausstellung Kunstbehandlung München
    Freie Arbeit, Ausstellung Kunstbehandlung München © Daniela Kohl