Arno Strobel: Offline. Thriller-Buchkritik | BUCHSZENE

Fünf Tage ohne Handy & Co? Hört sich traumhaft an. Doch die Protagonisten von Arno Strobels Thriller „Offline“ finden sich bald im Horror wieder: Ihr Berghotel ist eingeschneit und ein Mörder geht um.

In „Offline“ schickt Arno Strobel 13 Menschen zum Digital Detox – die Sache endet mörderisch

1. November 2019 | Stephanie Pointner

Titelbild Offline

© Svein Otto Jacobson shutterstock-ID: 106441532

Arno Strobel schickt seine Protagonisten auf Digital-Detox-Trip

Jennifer, die Hauptfigur von Arno Strobels Roman „Offline“, ist Führungskraft in der Telekommunikationsbranche. Um dem hektischen Alltag und den überbordenden Verpflichtungen des Internets zu entfliehen, bucht sie gemeinsam mit drei ihrer Angestellten einen Digital-Detox-Trip. Neben den vier Arbeitskollegen lassen sich noch vier weitere Personen auf dieses Abenteuer ein. Begleitet von einem Bergführer und einem Reiseleiter sowie dessen Mitarbeiterin, begibt sich die insgesamt elfköpfige Gruppe für fünf Tage in ein abgelegenes Berghotel – und das ganz ohne Handys, Tablets, Laptops oder Internet.

Ein Schneesturm schließt die Gruppe ein – und es gibt die erste Leiche

Kurz nach dem Eintreffen in dem Berghotel setzt ein starker Schneesturm ein, der über mehrere Tage andauern soll. Somit sind die Gruppe und die zwei Hausmeister des stillgelegten Berghotels eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Das wäre an sich ja kein Problem, schließlich wollten die Teilnehmer einen  fünftägigen Urlaub „offline“ genießen, doch bereits nach der ersten Nacht fehlt ein Mitglied der Gruppe. Es wird nach langer Suche verstört, misshandelt und verstümmelt aufgefunden und stirbt kurze Zeit später an den schweren Verletzungen.

Gruselige Vorstellung – der Täter muss einer der 13 aus der Gruppe sein

Schnell wird klar, dass sich der Täter unter den dreizehn anwesenden Personen befinden muss. Da niemand das Berghotel verlassen kann und sich die Ängste, Paranoia und gegenseitigen Anschuldigungen immer weiter hochschaukeln, zerbricht die Gruppe und niemand weiß mehr, wem er trauen kann. Als dann auch noch der Reiseleiter getötet und ein weiterer Urlaubsgast misshandelt und verstümmelt wird, beginnt ein Kampf auf Leben und Tod.

Der Thriller „Offline“ ist packend – ich habe aber auch einen Kritikpunkt

Arno Strobels Psychothriller „Offline“ bedient sich eines altbewährten Konzepts und spielt mit der Angst der einzelnen Protagonisten. Die Umsetzung ist wirklich gelungen, man kann das Buch nur schwer weglegen. Nachdem die einzelnen Gruppenmitglieder vorgestellt sind, baut Arno Strobel schnell die Spannung auf und steigert sie geschickt. Hierbei gefällt mir besonders gut, dass sich immer wieder Kapitel rund um die Geschehnisse im Berghotel und Einblicke in das Innenleben und die Gedankenwelt des zweiten Opfers abwechseln. Dies erhöht den Nervenkitzel enorm. Zudem liegt über allem eine bedrückende Atmosphäre, die die Ereignisse noch düsterer, blutiger und brutaler wirken lässt. Die Auflösung hingegen finde ich etwas enttäuschend. Nicht nur, dass sie ziemlich vorhersehbar ist, sie kommt auch sehr abrupt, wirkt konstruiert und wird binnen weniger Seiten durchgedrückt.

Die Figuren bleiben eindimensional, Arno Strobel malt schwarz-weiß

Im Gegensatz zum gelungenen Setting und zur raffiniert aufgebauten Spannung, konnten mich die einzelnen Protagonisten leider nicht wirklich überzeugen. Obwohl auf den ersten Seiten einige Charaktere ausführlicher vorgestellt werden und man im Laufe der Handlung immer mehr über sie erfährt, bleiben ausnahmslos alle Figuren flach, zum Teil klischeehaft und oberflächlich. Dies macht leider auch das Spiel mit der Angst etwas kaputt, da einen als Leser die Emotionen und Ängste nicht ergreifen und mitreißen, wenn die Figuren keine Tiefe haben und eindimensional bleiben. Sie waren von der ersten bis zur letzten Seite entweder sympathisch oder unsympathisch, es gab nichts dazwischen.

Die Darstellung der Gruppendynamik gelingt dem Autor sehr gut

Dennoch möchte ich festhalten, dass in diesem Psychothriller gekonnt die Ängste der einzelnen Gruppenmitglieder bedient und mit deren Nerven gespielt wird. Die Anspannungen, gegenseitigen Beschuldigungen und in weiterer Folge die  Zersplitterung  der Gruppe werden im Gegensatz zu den einzelnen Figuren unfassbar glaubhaft und authentisch dargestellt. Die Gruppendynamik und das eigene Rechtsverständnis der Mitglieder werden fesselnd und packend beschrieben. Die Entwicklung – vom anfänglichen Zusammenhalt über das Misstrauen bis hin zum letztendlichen Auseinanderbrechen der Gruppe – ist für mich das Highlight der Story. Beim Lesen habe ich mir oftmals die Frage gestellt, wie ich in einer vergleichbaren Situation reagieren würde und kam zu einem eindeutigen Schluss: So wie Arno Strobel seine Charaktere handeln lässt, ist das absolut glaubwürdig.

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