
Herr Haak, Sie haben erst vor zwei Jahren mit dem Schreiben begonnen und doch liegt bereits der dritte Teil Ihrer epischen Fantasy-Saga „Legenden aus der Zeit vor der Zeit“ vor. Wie haben Sie das gemacht?
Ich hatte, wie viele andere auch, während der Covid-19 Lockdown-Periode privat nicht viel unternommen. Auf der Arbeit gab es jedoch genug zu tun –Datenrechtsunklarheiten in Bezug auf behördliche Meldewege und Meldepflichten für Personal und Mitglieder –, denn unser Konzern betreibt eine Anzahl Fitnessunternehmen. Als diese dann zeitweise geschlossen wurden, gab es tatsächlich nicht mehr viel zu tun, weshalb ich in Kurzarbeit mit Homeoffice gewechselt bin. In diesem „Beschäftigungsvakuum“ hatte ich die Zeit und Energie gefunden, die ersten beiden Bände der Buchreihe in knapp sechs Monaten zu schreiben. Der dritte Teil der Serie hat im Gegensatz dazu einen deutliche längeren Zeitrahmen eingenommen.
Was hat Sie zu „Legenden aus der Zeit vor der Zeit“ inspiriert?
Kurz: das Finanzwesen. Etwas länger: Ursprünglich hatte ich meiner Nichte erklärt, was Geld einst war, zu was es wurde und was es möglicherweise in Zukunft sein wird. Um es zu vereinfachen, hatte ich mein Beispiel im „Mittelalter“ angesetzt, wo die Münzwährung zunehmend mit buchhaltungsbasiertem Schuldversprechen zuerst ergänzt und insbesondere bei großen Transaktionen schließlich ganz ersetzt wurde. Meines Wissens hatte dieses Konzept seine Ursprünge in China und wurde dann im Hochmittelalter von den großen Handelshäusern Europas übernommen. Aber keine Sorge, es ist eine Abenteuergeschichte und kein Lehrbuch über Staatliches Finanzwesen, von Edelmetall entkoppelten Schuldwährungssystemen, oder doppelter Buchführung mit Periodenabgrenzung.
Alle Charaktere Ihres Epos sind Tiermenschen. Das müssen Sie erklären!
Ich hatte meine o.g. Erklärungen wortwörtlich mit Sinnbildern umzeichnet, hier nutzte ich Tiercharaktere als Stellvertreter für Stände und Kulturen. Adler / Löwen als Monarchie – gemischt ergab das einen Greif – , die wiederum nun die Fürstenhäuser meiner Geschichte vertreten; oder Soldaten wurden als Hunde dargestellt – Treu/Gehorsam/“Dogtag“. Das Ganze war natürlich mit einem Augenzwinkern zusammengefasst worden, doch es war sehr eingänglich. In den folgenden Wochen sind mir immer mehr Ideen zu der fiktiven Parallelwelt eingefallen, die dann mit diesen Tierwesen verknüpft waren. Die Tiervölker sind jedoch nur Sinnbilder für gesellschaftliche Stände, Kasten und/oder sehr weit gefasste Kulturkreise.
Im Mittelpunkt der Saga steht die junge Bärin Honeymaw. Was ist sie für eine Persönlichkeit?
Honeymaw ist eine gutherzige und lebensfrohe junge Frau, eine Teenagerin an der Grenze zur Volljährigkeit. Sie ist zwar etwas zu kurz geraten, aber dafür sehr intelligent und wissbegierig. Das beschauliche Fischerdorf, aus dem sie stammt, wird zu klein für ihren wachen Geist und sie will die Welt kennenlernen.
Welche anderen zentralen Figuren gibt es?
Honeymaws Vater Jorl ist ein unkonditionell liebender Vater, der aber sehr behütend ist, was wiederum zum unausweichlichen Konflikt mit seiner Tochter führen muss. Hochkönig Carolon III. ist Herrscher des Greifenreiches, Macht“mensch“ und hart denkender Realpolitiker eines imperialistischen Reiches.
Kronprinzessin Victoria I. ist die Thronerbin und letzter Greif ihrer Generation, der jedoch die Häsin Zoe als vertraute Freundin zur Seite steht. Der Seneschall ist der höchste Beamter des Reiches, er ist hochintelligent und grundsätzlich überambitioniert, jedoch ohne wirkliches Ziel, außer dem Aufstieg an sich. Doch durch seine an Autismus grenzende Persönlichkeit erfährt er hierdurch keine Sinnkrise. Der „Grinser“ ist ein Auftragsmörder und der aufstrebende Chef eines Bordell- und Drogenrings. Er ist ein finsterer Geselle, der sich mit scharfem Klingen und einem ebenso schnittigen Verstand seinen Platz in der Welt sichert.
„Der Hohepriester des Schwarzen Mondes“ ist der Haupt-Antagonist, der erstmals in Buch 2, also in „Die letzte Nacht“, in Erscheinung tritt. Schlichtweg Böse.
Ein besonderer Charakter ist der von Ihnen bereits erwähnte Senneschall. Diese Art von Schurken würde man in einem klassischen Fantasy-Roman nicht erwarten.
Während der „Hohepriester des Schwarzen Mondes“ den klassischen Antagonisten verkörpert – er ist boshaft und voller Machthunger, nicht zur Ego-Befriedigung, sondern um diese gewonnene Macht für grausame und finstere Zwecke zu nutzen; so hat der Seneschall weder Begehren noch Begierden. Der Hohepriester nutzt eine Art schwarzer Magie. In meiner Geschichte gibt es kein klassisches Zauberwirken mit Zaubersprüchen oder magischen Artefakten, die wenigen übernatürlichen Kräfte wurzeln in antiker Mystik. Der Seneschall nutzt ausschließlich seinen scharfen Verstand, sowie seinen unermüdlichen Fleiß, um mit Hilfe von Bürokratie und später Technokratie seine hochgesteckten Ziele zu erreichen. Bevorzugt gewaltfrei. Im besten Fall fühlen sich die Getäuschten und/oder der Freiheit Beraubten sogar noch als ob sie Gewinner seien. Für sich selbst will der Seneschall im Grunde gar nichts, ihn verlangt es weder nach Genuss noch Anerkennung. Aber er erkennt, wie man die in seinen Augen primitiv funktionierende Welt neu formen könnte. Warum es also nicht versuchen?
Die drei Bände „Honeymaw“, „Die letzte Nacht“ und „Brennender Himmel, brennendes Eis“ erzählen von drei Völkern – den Nordländern, dem Greifenreich und dem Imperium der Sonne. Was zeichnet sie jeweils aus?
Für die Nordländer habe ich mich vage an den Kulturen der Kelten, Wikinger und American Natives vom 7. bis 9. Jahrhundert orientiert. Die Nordländer werden von Bären und Wölfen bewohnt, die sich in Stamm- und Clanstrukturen organisieren. Das Greifenreich ist von den Kulturen der Merowinger, Carolinger und Britannien im 12. bis 15. Jahrhundert inspriert. Das Königreich ist ein monarchisch geprägter Vielvölkerstaat und wird von Greifen regiert. Die Greife sind als Mischwesen aus verschiedenen Tieren auch Sinnbild dieses multiethnischen Zusammenschlusses. Das Imperium der Sonne ist vage den Kulturen der Azteken, Maja, Ägypter und Malaien von 7.000 BC bis 1500 AD entlehnt. Und das religiös geprägte „Imperium der Sonne“ wird von verschiedenen Reptilienvölkern bewohnt.
Die drei Völker stehen miteinander im Krieg.
Die Zeit der Greife neigt sich dem Ende und Carolon erkennt nur Schwäche in seiner Tochter. Er wünscht sich, dass auch sie eine fähige Herrscherin sein wird, die das Erbe seiner Ahnen zu einem würdevollen Ende führt. Um ihr die Augen für die Härten der Herrschaft zu öffnen und sie dadurch zu stärken, möchte er ein kleines Grenzscharmützel gegen ein paar hundert oder auch tausend aufgescheuchte Vertreter der „Barbaren“ organisieren, doch der Seneschall entzündet ein Feuer, das die ganze Welt in Brand zu setzen scheint.
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