
© R. Fastner
Frau Nussbaum, Ihr Buch „Lass Mal Alles Aus!“ ist eine Einladung zum „Abschalten“. Wieso fällt es uns so schwer, im Alltag Inseln der Ruhe zu finden?
Zum einen machen es uns die schönen neuen Kommunikationsmittel mit mobilem Internet schwer: egal wo Du bist – solange Du WLAN hast, bist Du „on“. Und das hat auch die Erwartungshaltung unserer Mitmenschen verändert. Kaum noch jemand ruft Dich auf dem Festnetz an – jeder versucht es sofort auf dem Handy oder per WhatsApp. Und manche Menschen machen dann richtig Stress, wenn Du nicht hingehst, oder nicht asap zurückrufst. Zum anderen sind auch mit den sozialen Medien viele neue Tummelplätze entstanden, in denen News im Sekundentakt gepostet werden. Und weil wir ein Grundbedürfnis nach Gemeinschaft haben, lesen wir dann hier mehr über die Aktivitäten unserer „Freunde“ als uns unterm Strich gut tut. All dies hat auch unsere Erreichbarkeits-Erwartung im Job verändert: viele Kollegen, Geschäftspartner und Vorgesetzte glauben, dass wir immer sofort springen sollten, wenn sie was von uns wollen. Und so verspüren viele Menschen privat und beruflich einen immer höheren Druck, jederzeit „on“ zu sein. Mal abschalten? Fehlanzeige!
Woran kann man merken, dass es an der Zeit wäre, in seinem Leben in Sachen Stressbewältigung etwas zu ändern?
Wenn ich nachts nicht mehr schlafen kann oder sehr lange brauche einzuschlafen, dann ist das definitiv ein Anzeichen für einen Overload. Selbst wenn ich könnte, schalte ich nicht mehr ab. Das ist Alarmstufe Rot! Ansonsten merken wir es, wenn wir uns fragen, ob wir gerade mehr Rückzug brauchen. Zeiten, in denen einfach mal Ruhe herrscht – zum konzentrierten Arbeiten, zum Ideen Spinnen oder zum Erholen. In der Hektik des Alltags gehen wir häufig über unsere Bedürfnisse nach Ruhe hinweg, bis wir es gar nicht mehr anders kennen. Mehr Achtsamkeit uns selbst gegenüber ist ein erster Schritt.
Ständig „on“ zu sein, mache krank, schreiben Sie in Ihrem Buch. Wie meinen Sie das?
Unser Körper und unser Geist braucht Ruhephasen. Das ist wissenschaftlich erwiesen und das kennen beispielsweise auch Leistungssportler. Wer immer nur trainiert, der wird nicht besser. Wer hingegen Training und Regeneration abwechselt, der kann die besten Ergebnisse liefern. Und das bedeutet für uns, auch mal aufzuhören, den Geist ständig mit (sinnlosem) Zeug zu füttern, digital und mental abzuschalten, um zu regenerieren.
Was ist der erste und wichtigste Schritt zu einem entspannteren Leben?
Als Coach erlebe ich ganz häufig, dass die Menschen zwar wissen, dass sie entspannen sollten – und das auch dürfen. Doch „irgendwas“ treibt sie in ein Dauer-On rein. Aus diesem Grund nehmen wir uns in „Lass Mal Alles Aus“ in Kapitel 6 unseren „inneren Drang“ vor, und schauen mal, was uns in den Stress reintreibt. Welche Ansprüche hast Du an Dich selbst, die verhindern, dass Du mal abschaltest? Ist es, weil Du es immer allen recht machen willst – und deshalb 24/7 für alle auch erreichbar sein willst? Oder willst Du einfach „Der Starke“ sein, der selbstverständlich auch noch die ganzen Kommunikationskanäle mit links händelt? Im zum Buch passenden neuen Online-Kurs legen wir dann übrigens diesen kleinen fiesen Saboteuren das Handwerk. Das Buch trägt seinen Teil dazu bei.
Aber ein wenig Stress schadet wohl keinem, oder?
Ja, klar (lacht). Stress ist ein guter Motor und kann uns auf eine positive Art zu Höchstleistungen motivieren. Positiver Stress beflügelt uns. Bedenklich wird es erst, wenn ich ständig negativen Stressfaktoren ausgesetzt bin, wie Konflikte, einen zu hohen Workload oder wenn mir Ängste das Leben schwer machen. Und selbst positiver Stress kann irgendwann kippen, wenn es einfach zu viel ist.
Wie kann man herausfinden, welches Stresslevel gut für einen ist?
Meine Kollegin Ursula Nuber hat in einem ihrer Bücher vor Jahren die sogenannten Taktungstypen vorgestellt: das Wiesel, die Katze und die Schildkröte. Ich habe sie gefragt, ob ich diesen Ansatz in mein Buch übernehmen darf, denn er zeigt perfekt, dass wir tatsächlich unterschiedliche Stresslevel verkraften können. Den Check können Sie gratis machen unter www.gluexx-factory.de/taktungstypen, mit Sofortauswertung und konkreten Tipps.
Auch Ihr Buch enthält viele Tests und Checklisten. Auf welcher Basis haben Sie diese entwickelt?
Bei einigen Checks, wie beispielsweise dem Erreichbarkeits-Check, habe ich auf meine langjährige Erfahrung aus dem Coaching und Training zurückgegriffen. Die Checklisten sind der gebündelte Erfahrungsschatz aus der Arbeit mit vielen tausend Menschen. Bei anderen Checks, wie dem Check zum Thema „Workaholic“ oder „Innere Saboteure“ habe ich mich auf die entsprechenden wissenschaftlichen Theorien konzentriert und auf deren Basis neue Checks entwickelt.
Eine interessante Idee, die Sie in „Lass Mal Alles Aus!“ vorschlagen, ist der „Termin mit dir selbst“. Das müssen Sie erklären!
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