
© Julia Eisele
Julia Eisele hat eine erfolgreiche Verlagskarriere abgebrochen, einen großen Kredit aufgenommen und den Eisele Verlag gegründet. Ein Gespräch über Abenteuerlust, die Farbe von Milch und Hanni Münzers „Solange es Schmetterlinge gibt“, ein bestsellerverdächtiger Titel, der bereits das erste Verlagsprogramm ziert.
Frau Eisele, sind Sie eigentlich verrückt – Sie haben einen tollen, einflussreichen Job als Programmleiterin im Piper Verlag aufgegeben, um selbst einen kleinen neuen Verlag – den Eisele Verlag – zu gründen …?
Verrückt finde ich mich eigentlich nicht, aber ich fürchte, das behaupten Verrückte wohl immer von sich. Ich würde eher sagen: abenteuerlustig. Denn wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Ich weiß, was ich tue, denn ich kenne das Geschäft seit mittlerweile fast 20 Jahren. Und es lässt sich bisher sehr gut an.
Warum haben Sie das gemacht?
Weil ich Lust auf eine neue Herausforderung hatte, verbunden mit der Sehnsucht, weniger Bücher zu machen und diese optimal zu betreuen. Mit Sorgfalt, Liebe zum Detail, und genau so, wie ich es für richtig halte, ohne Kompromisse.
Sie starten mit Ullstein mit einem starken Vertriebspartner, Sie haben das renommierte Pressebüro Politycki & Partner mit im Boot und Ihre neuen Bücher sehen teuer und sehr schön aus. Haben Sie im Lotto gewonnen? Wie finanziert man das alles?
Anders als mein Kollege Sebastian Guggolz, der das Kapital für seinen Verlag tatsächlich bei einer Quizshow im Fernsehen gewonnen hat, habe ich ganz klassisch ein Darlehen aufgenommen. Und ich hatte das große Glück, dass ein alter Schulfreund von mir nicht nur an mein Vorhaben geglaubt und investiert, sondern auch meine kaufmännische Geschäftsführung übernommen hat. Wir sind ein gutes Team, auch mit Ullstein läuft es hervorragend. Auch dass wir hauptsächlich in die Pressearbeit investieren, war eine bewusste Entscheidung. Wir glauben, dass wir von guter Pressearbeit mehr profitieren als von Werbekampagnen, die teuer sind und deren Erfolg alles andere als sicher ist.
In Ihrem ersten Programm präsentieren Sie vier Bücher. Könnten Sie uns kurz beschreiben, warum Sie das jeweilige Buch ausgewählt haben?
„Die Farbe von Milch“ von Nell Leyshon hat mich wegen seines ungewöhnlichen Erzähltons fasziniert. Ein psychologisches Kammerspiel mit einem unglaublichen Sog und einer Geschichte, die einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Ich hatte so etwas einfach noch nie gelesen und wollte mit einem starken Titel starten.
Und Lorenzo Licalzis „Signor Rinaldi kratzt die Kurve“ …?
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