Piper-Chefin Julia Eisele gründet Verlag. Interview | BUCHSZENE

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Sind Sie verrückt, Frau Eisele?

Eisele Verlag

7. März 2017 | Interview: Jörg Steinleitner


Julia Eisele hat eine erfolgreiche Verlagskarriere abgebrochen, einen großen Kredit aufgenommen und den Eisele Verlag gegründet. Ein Gespräch über Abenteuerlust, die Farbe von Milch und Hanni Münzers „Solange es Schmetterlinge gibt“, ein bestsellerverdächtiger Titel, der bereits das erste Verlagsprogramm ziert.

Frau Eisele, sind Sie eigentlich verrückt – Sie haben einen tollen, einflussreichen Job als Programmleiterin im Piper Verlag aufgegeben, um selbst einen kleinen neuen Verlag – den Eisele Verlag – zu gründen …?

Verrückt finde ich mich eigentlich nicht, aber ich fürchte, das behaupten Verrückte wohl immer von sich. Ich würde eher sagen: abenteuerlustig. Denn wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Ich weiß, was ich tue, denn ich kenne das Geschäft seit mittlerweile fast 20 Jahren. Und es lässt sich bisher sehr gut an.

Warum haben Sie das gemacht?

Weil ich Lust auf eine neue Herausforderung hatte, verbunden mit der Sehnsucht, weniger Bücher zu machen und diese optimal zu betreuen. Mit Sorgfalt, Liebe zum Detail, und genau so, wie ich es für richtig halte, ohne Kompromisse.

Sie starten mit Ullstein mit einem starken Vertriebspartner, Sie haben das renommierte Pressebüro Politycki & Partner mit im Boot und Ihre neuen Bücher sehen teuer und sehr schön aus. Haben Sie im Lotto gewonnen? Wie finanziert man das alles?

Anders als mein Kollege Sebastian Guggolz, der das Kapital für seinen Verlag tatsächlich bei einer Quizshow im Fernsehen gewonnen hat, habe ich ganz klassisch ein Darlehen aufgenommen. Und ich hatte das große Glück, dass ein alter Schulfreund von mir nicht nur an mein Vorhaben geglaubt und investiert, sondern auch meine kaufmännische Geschäftsführung übernommen hat. Wir sind ein gutes Team, auch mit Ullstein läuft es hervorragend. Auch dass wir hauptsächlich in die Pressearbeit investieren, war eine bewusste Entscheidung. Wir glauben, dass wir von guter Pressearbeit mehr profitieren als von Werbekampagnen, die teuer sind und deren Erfolg alles andere als sicher ist.

In Ihrem ersten Programm präsentieren Sie vier Bücher. Könnten Sie uns kurz beschreiben, warum Sie das jeweilige Buch ausgewählt haben?

„Die Farbe von Milch“ von Nell Leyshon hat mich wegen seines ungewöhnlichen Erzähltons fasziniert. Ein psychologisches Kammerspiel mit einem unglaublichen Sog und einer Geschichte, die einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Ich hatte so etwas einfach noch nie gelesen und wollte mit einem starken Titel starten.

Und Lorenzo Licalzis „Signor Rinaldi kratzt die Kurve“ …?

… ist ein leichtfüßiges Buch, das Witz und Esprit mit Warmherzigkeit vereint. Die Geschichte eines Achtzigjährigen, der über seinen Enkel wieder zurück zur Lebensfreude findet. Ich habe eine starke Affinität zu Italien und möchte mindestens ein italienisches Buch im Jahr machen.

Dann haben Sie eine Autorin für sich gewonnen, die bereits für Bestseller steht.

Hanni Münzer ist ein besonderer Glückfall. Ich habe sie für Piper entdeckt und über die Arbeit an den Büchern ist eine Freundschaft zwischen uns entstanden. Als Hanni Münzer hörte, dass ich wegging, wollte sie die Verbindung zwischen uns nicht abreißen lassen und hat mir daher angeboten, ein Buch mit mir zu machen. Ein Angebot, das ich natürlich nicht ablehnen konnte.

Schließlich haben Sie noch ein populäres Sachbuch im Programm …

… dessen Thema gut zu der Verlagsgründung passt. „Glück und andere Kleinigkeiten von absoluter Wichtigkeit“ von Haim Shapira ist ein unterhaltsamer Streifzug durch Literatur und Philosophie.

Ab wann können wir diese Bücher lesen?

„Solange es Schmetterlinge gibt“ von Hanni Münzer erscheint am 11. August, die anderen drei Titel am 22. September.

Hand aufs Herz: Haben Sie seit der Verlagsgründung im vergangenen Jahr immer gut geschlafen? Sind Sie nervös, dass das Ganze auch gegen die Wand fahren könnte?

Ich habe in den letzten Monaten erstaunlich gut geschlafen. Im Moment hält mich manchmal nur die Freude vom Einschlafen ab, es ist eine positive Aufregung eher als Angst. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass die Sache auch schiefgehen kann. Ebenso klar ist aber auch: Wer immer nur dasselbe tut, riskiert zwar nichts, langweilt sich aber.

Wie geht’s weiter mit dem Eisele Verlag?

Mein Motto lautet: Die Professionalität der Großen, kombiniert mit dem Wagemut der Unabhängigen. Lassen Sie sich überraschen.

Wenn Sie träumen dürften: Was wäre Ihr Wunsch für Ihren Verlag in zehn Jahren?

Ein Verlagsteam, das mit Leidenschaft und Freude zusammenarbeitet, kann ich mir schon vorstellen. Oder ich mache alleine weiter. Das wird sich alles zeigen.

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