Fichte oder Tanne? Roland Bocks lebendig illustriertes Kinder-Sachbuch „Jetzt verstehe ich die Bäume“ verrät, wie man Bäume erkennt und warum der Wald spannend ist. Wir treffen den Autor zum Interview.

Roland Bock im Gespräch über sein Kinder-Sachbuch „Jetzt verstehe ich die Bäume“

10. März 2022 | Interview: Jörg Steinleitner

Jetzt Bäume verstehen

Herr Bock, wieso sind Bäume so spannend, dass Sie ein ganzes Buch über sie geschrieben haben?

Weil man im Wald so viel entdecken kann! Mich hat der Wald mit seinen einzelnen Bestandteilen schon als Kind interessiert. Mit meinem Vater bin ich schon als kleiner Junge in den Wald zum Pilzesuchen. Er zeigte mir, dass bestimmte Pilze immer an bestimmten Stellen wachsen (die natürlich nicht verraten werden). Natürlich sind nicht allein die Bäume spannend, sondern auch ihre Umgebung, die Tiere, die von ihnen und mit ihnen leben. Mit meinem Onkel ging ich als Bub auf die Jagd, da war der Wald natürlich immer präsent. Meine Kindheit war somit geprägt von vielen Erlebnissen um den Wald. Was ich als Kind erlebe, prägt mich für das ganze Leben.

Tiere können herumlaufen, klettern und fressen. Was können Bäume?

Die Qualität von Bäumen sieht man erst auf den zweiten Blick. Sie liefern den Menschen und vielen Tieren schmackhafte Früchte. Als Hobbyimker weiß ich, dass Bäume auch für die Lebensweise vieler Insekten wichtig sind. Der Mensch hat schon früh erkannt, dass das Holz der Bäume sehr gut für die individuellen Ansprüche der Menschen genutzt werden kann. Nicht nur Insekten wie der Hirschkäfer, sondern auch viele Vögel (Spechte) und Säugetiere (Siebenschläfer) benutzen die Bäume als Wohnung. Und zu guter Letzt: Ohne die Bäume könnte kein Mensch atmen! Sie produzieren den nötigen Sauerstoff!

Ihr Buch ist kein ganz normales Buch. Stimmt’s?

Ja, zum Beispiel begleiten uns ein Siebenschläfer und ein Rehbock durch die Seiten. Das passt nicht nur, weil ich „Bock“ heiße, sondern weil es doch viel spannender ist, sich den Wald von zwei Tieren erklären zu lassen. So sind neben den Bäumen auch die Tiere des Waldes mit im Spiel. Und weil Kinder ihr erworbenes Wissen auch beweisen wollen, gibt es am Ende des Buches ein Quiz. Es ist eine Art Qualitätssicherung, schließlich bin ich ja auch Lehrer. „Meine“ Schulkinder sind begeistert von dem Quiz, da können wir Erwachsenen oft nur staunen, wie schnell ein Quizwort oder die passende Bewegung zum richtigen Baum führt.

Hinten drin im Buch ist noch etwas Besonderes, das beim Baumbestimmen helfen kann …

Die Baum-Karten hinten im Buch kann man heraustrennen. Auf ihnen habe ich alles Baumwissen komprimiert zusammengetragen. Diese Karten kann ich ganz praktisch in den Wald mitnehmen. Außerdem machen solche Sammelkarten Spaß.

Baumkarten – Jetzt verstehe ich die Bäume

Haben Sie einen Lieblingsbaum?

Die Linde! Bei diesem Baum habe ich selbst einige Jahre gebraucht, um zu verstehen, was er mir eigentlich alles sagen will. Erst mit der Zeit entwickelte sich in meinem Kopf ein Gesamtbild. Die Linde ist der Baum der Liebe: ihre Blätter sind herzförmig, die Knospen rot, die Blüten haben einen süßen Geruch, zu allen Jahreszeiten. Im Winter kann man heilenden Lindenblütentee trinken. Dieser Baum spricht die Seele des Menschen an. Sein weiches Holz ist begehrt als Schnitzholz, so lebt die Linde auch über ihren Tod hinaus weiter. Dass Linde auch ein häufiger Frauenname ist, rundet das Bild meines Lieblingsbaums noch ab. 

„Jetzt verstehe ich die Bäume“ hilft dabei, die einzelnen Baumarten zu erkennen. Haben Sie einen Trick, wie man Bäume ganz schnell unterscheiden kann? Denn eigentlich sehen sich die Nadelbäume einerseits und die Laubbäume andererseits doch alle ganz schön ähnlich. Wo schaut man da als erstes hin?

Bäume sehen sich nur auf den ersten Blick ähnlich. Wenn ich weiß, wo ich hinschauen muss, wo mir der Baum seine speziellen Merkmale zeigen will, dann treten die Unterschiede deutlich hervor. So richtet sich der Blick nicht nur auf Blätter, sondern auch auf die Früchte, die Rinde und auch auf die Knospen als Erkennungsmerkmale. Wie das funktioniert, zeige ich in meinem Buch.

Wieso ist es gut, wenn man die einzelnen Bäume unterscheiden kann?

„Nur was ich kenne, schütze ich auch!“ Dieser Leitsatz ist aktueller, denn je. Die Artenkenntnis der heimischen Natur geht immer mehr verloren, Kinder kennen weder Waldtiere noch Waldbäume. Diese erschreckende Erkenntnis betrifft auch immer mehr Erwachsene. So muss jeder, der den Wald schützen will und soll, natürlich die einzelnen Baumarten kennen.

Wenn Sie mit Kindern im Wald sind. Was machen Sie da?

Kinder sollen als erstes die frische Luft und die Stille im Wald erleben. Sammeln und Bauen sind Tätigkeiten, die sich im Wald ganz von alleine ergeben. Vogelstimmen, das Klopfen eines Spechts zu hören, das sind Sinneseindrücke, die Kinder heute nicht mehr oft live erleben. Natürlich führe ich die Kinder immer auch an die speziellen Merkmale von Bäumen heran. Meine Enkelinnen mit drei und fünf Jahren erkennen eine Birke schon sicher an der weißen Rinde.

Wie wird man so ein Baumexperte wie Sie einer sind?

Wie schon zu Beginn erwähnt, hat mich meine Kindheit geprägt. Und das gilt für alle Kinder: Gerade im Grundschulalter saugen Schulkinder alles wie ein Schwamm auf. Diese Phase sollten alle Pädagogen und natürlich alle Eltern nützen.

Was ist eigentlich Reisig?

Reisig nennt man die feinen Ästchen der Birke. Sie bilden die Grundlage für die sogenannten Reisigbesen, die heute nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt werden.

Was ist eigentlich Reisig?

Stimmt es, dass es unseren Wäldern nicht so gut geht?

Der Klimawandel macht dem Wald – wie er von unseren Großeltern gepflanzt wurde – schwer zu schaffen. Mit der Trockenheit kommt vor allem die Fichte, der Brotbaum in Deutschland, nur schwer zurecht. Die geschwächten Bäume werden in der Folge von Schädlingen heimgesucht, die die Bäume zum Absterben bringen. Viel größer ist allerdings die weltweite Gefahr durch übermäßige Rodungen, um dem Flächenbedarf für die Menschheit generell gerecht zu werden.

Können wir dem Wald irgendwie helfen?

Im privaten Bereich sollte jeder Waldspaziergänger darauf achten, keinen Abfall zurückzulassen. Im politischen Bereich muss sich die Ernährung der Menschheit ändern. Der überhöhte Fleischkonsum schadet auch dem Wald.

In Ihrem Buch zeigen Sie auch, was wir Menschen aus dem Holz der Bäume alles machen können. Verraten Sie uns ein Beispiel?

Da gibt es genügend Beispiele um uns herum. Nehmen wir die Möbelstücke wie Schränke, Tische und Stühle. Mein Sohn ist Zimmerer und baut sogar ganze Häuser aus Holz. Viele Werkzeuge wie Beile, Äxte oder Schraubenzieher haben Griffe aus Holz. Es gibt Musikinstrumente aus Holz, Sportgeräte – die Liste ist ellenlang.

Ihr Baum-Buch ist sehr schön illustriert und bebildert. Haben Sie die Bilder selber gemalt und die Fotos selber fotografiert?

Zum Glück hatte ich dabei tolle Experten. Die Illustrationen zeichnete Johannes Reiner, gelayoutet hat das Buch seine Frau Marion Reiner. Zusammen betreiben sie das Design-Büro Vor-Zeichen. Die Fotos stammen unter anderem von Fred Britzger, einem Fotografen, den ich schon lange kenne und dessen Naturbilder ich sehr schätze. Allen Beteiligten bereitete die Arbeit an dem Buch große Freude.

Auf einer Seite steht etwas von „Chinesenbärten“. Was haben die mit Bäumen zu tun?

Betrachtet man die glatte Rinde einer Buche, fallen die unregelmäßigen dunklen Querstreifen ins Auge. Ein Förster machte mich auf dieses Merkmal aufmerksam und verriet mir den optischen Zusammenhang mit Chinesenbärten.

Ist es eigentlich okay, wenn wir hin und wieder auch mal auf einen Baum raufklettern oder ist das nicht gut für die Bäume?

Logisch ist das okay. Jeder Aufenthalt im Freien ist wichtig und Kinder haben ein natürliches Bewegungsbedürfnis. Gerade beim Klettern werden viele menschliche Sinne beansprucht. Leider empfinden viele Erwachsene das Baumklettern von Kindern gefährlich. Dem Baum macht das sicher nichts aus.

Wir haben herausgefunden, dass Sie einen Dackel haben. Darf der auch mit in den Wald?

Nicht nur einen! Seit kurzem haben meine Frau und ich einen kleinen Dackelwelpen im Haus. Zusammen mit Gaia, der 12-jährigen Dackeldame, und Neuzugang Diva unternehmen wir auch schon die ersten Ausflüge in unser Jagdrevier.

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