
© Lena Brasch
Herr Schmidt, Sie sind Literaturagent bei Landwehr & Cie. Ihre Agentur vertritt namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Florian Illies, Jakob Augstein oder Eva Menasse. Auch Alexander Osang, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war, spielt in Ihrem Team. Was genau ist Ihre Aufgabe als Literaturagent?
Als Literaturagent werde ich von Autorinnen und Autoren beauftragt, ihre Buchideen oder Manuskripte zu prüfen und im Anschluss an Verlage zu vermitteln. Wir verhandeln die Verlagsverträge und bleiben auch im Anschluss weiterhin Ansprechpartner in sämtlichen Fragen und Verhandlungen rund um das Buch, verwalten die Honorarzahlungen für unsere Autorinnen und Autoren und achten auf die Einhaltung der Vertragskonditionen. Zudem geben wir Empfehlungen während des Schreibprozesses, kommunizieren besonders mit Verlagsleitung, Lektorat und Presseabteilung, stimmen die Titel- und Coverwahl mit dem Verlag ab und kümmern uns um die Einhaltung der Abgabefristen. Während ein Romanmanuskript zumeist schon vorliegt, entwickeln wir im Sachbuchbereich gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren Buchprojekte zu verschiedenen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen – diese Aufgabe ist immer wieder sehr inspirierend, weil man dabei auch für sich selbst ganz unterschiedliche Felder neu erschließt und viel lernen kann.
Wie kommen Sie mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern zusammen? Kommen Sie zu denen oder kommen die zu Ihnen?
Durch den großen Stamm von Autorinnen und Autoren, die wir bereits vertreten, erhalten wir immer wieder Empfehlungen. Man lernt sich auf Veranstaltungen, auf Lesungen kennen oder schreibt manchmal nach der Lektüre eines Zeitungsartikels die Journalistin oder den Journalisten direkt an. Natürlich bewerben sich auch Autorinnen oder Autoren direkt bei uns, da sind auch immer wieder vielversprechende Manuskripte und Ideen dabei.
Was macht einen Roman zu einem guten Roman?
Auch wenn ich Literaturwissenschaft studiert habe, halte ich nicht viel davon, nach einer bestimmten Formel zu suchen oder ein Korsett zu schnüren, in das alles passen muss. Ich lasse mich sehr gern überraschen, bin offen für Experimente, will dabei aber auch gut unterhalten werden, etwas lernen. Ich vertraue da immer noch sehr meinem Bauchgefühl. Manchmal liege ich damit auch falsch, aber so ist das Spiel. Ein guter Roman muss zuerst mich als Agenten begeistern, dann kann ich diese Begeisterung auch in die Verlage tragen.
Was macht ein Sachbuch zu einem guten Sachbuch?
Ein klassischer Roman entsteht oft aus einem sehr persönlichen, nicht selten hoch emotionalen Ansatz heraus. Das Sachbuch wirkt dagegen oft sehr viel nüchterner, scheint vor allem von seinem Thema zu leben. Dieser Zugang hat sich in den letzten Jahren jedoch sehr verändert. Sachbücher werden bei den Leserinnen und Lesern oft erst richtig erfolgreich, wenn ein Thema über ein persönliches Schicksal oder Erlebnisse erfahrbar wird. Wenn z.B. ein Enkel das bewegte Leben seiner Großmutter entdeckt und dabei einen Teil deutscher Geschichte aufarbeitet. Anders herum profitiert von diesem Trend auch die Belletristik – Ideen, die wir anfangs noch im Sachbuch sahen, werden am Ende als Roman umgesetzt. Diese Dynamik bietet viele Chancen und löst immer mehr die Grenzen zwischen Fiction und Non-Fiction auf.
Nehmen wir an, ein unbekannter Autor oder eine unbekannte Autorin würde gerne von Ihnen vertreten werden. Was muss Sie tun? Was wollen Sie von ihm oder ihr sehen oder wissen?
Der Fokus der Öffentlichkeit als auch der Verlage liegt inzwischen immer mehr auf den Personen hinter den Büchern. Oft beziehen sich die ersten Fragen, die uns Verlage stellen, wenn wir ihnen neue Projekte vorstellen, auf die Sichtbarkeit der potenziellen Autorinnen oder Autoren im Social Media. Gibt es einen Blog, einen Youtube-Kanal oder Podcast, der vom Verlag zur Vermarktung genutzt werden kann. Im Sachbuch ist das nachvollziehbar, bekommt in der Belletristik inzwischen aber auch immer mehr Relevanz. Wenn dabei allerdings die Texte, die Geschichten zu sehr aus dem Blick rutschen, empfinde ich das als problematisch. Wer am lautesten trommelt, schreibt nicht immer die besten Bücher. Hier würde ich mir mehr Mut von den Verlagen wünschen, auch auf Autorinnen und Autoren zu setzen, die einfach nur eine gute Geschichte erzählen wollen. Als Literaturagent muss ich mich zwar auf diese Situation einstellen, bin jedoch keinem Verlag verpflichtet. Im Optimalfall können wir sehr viele Häuser ansprechen und brauchen am Ende nur eines, das sich traut. Für potenzielle Autorinnen und Autoren ist das eine große Chance, durch unsere Vermittlung auch einen passenden Verlag zu finden. Trotzdem steckt in den medialen Kanälen, die wir inzwischen für die Arbeit und unser Leben nutzen, auch viel Potenzial, dass Autorinnen und Autoren für sich nutzen können und auch sollten, wenn sie dafür offen sind.
Auf welche Bücher der vergangenen Jahre sind Sie besonders stolz und weshalb?
Inzwischen habe ich schon viele Bücher begleitet und ich kann eigentlich nicht sagen, das mich eines davon nicht stolz gemacht hat. Manchmal gibt es Probleme, das ist normal, doch meist ist das längst vergessen, wenn das Buch frisch aus der Druckerei in der Agentur ankommt und man es in den Händen hält – das ist immer ein ganz besonderes Gefühl. Ein außergewöhnliches Buch möchte ich dann aber doch noch erwähnen: „Dieses bescheuerte Herz“. Es ist die Geschichte des herzkranken Daniel Meyer, der in seinem Co-Autor Lars Amend einen großen Bruder findet und mit ihm zusammen wunderbare Momente erlebt. Das Buch wurde sogar fürs Kino verfilmt und ist für mich so wichtig, weil ich während des Entstehungsprozesses und auch noch bis heute Daniel und seiner Familie emotional verbunden bin. Es freut mich sehr, dass Daniel, seiner Mutter und allen Beteiligten durch das Buch und den Film so viel Glück widerfahren ist.





Seit 2012 gehört Thomas Schmidt zum Team der Literaturagentur Landwehr & Cie. Zuvor studierte er Literaturwissenschaft und lebt seit seiner Kindheit in Berlin.
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