Frau Bluhm liest: „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ 2 von 5 Blu(h)men

Der Räuber Hotzenplotz war immer meine Lieblingsfigur
Die kleine Hexe, das kleine Gespenst, der kleine Wassermann, Hörbe mit dem großen Hut … wie wohl jeder, der mit Otfried Preußlers Geschichten aufgewachsen ist, habe ich seine Geschichten geliebt. Doch nicht erst, nachdem ich den großartigen Film mit dem genialen Gert Fröbe gesehen hatte, war der Räuber Hotzenplotz von allen meine Lieblingsfigur. Und nun meldet er sich nach all den Jahren wieder zurück! Natürlich habe ich mir das Buch gleich am Erscheinungstag gekauft.
Davon handelt die Geschichte von „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“
Die Story in groben Zügen: Das kleine Städtchen ist in Aufruhr: Hotzenplotz ist wieder frei! Nicht nur Wachtmeister Dimpfelmoser ist daher in großer Sorge, auch Großmutter fürchtet um Leib, Leben und Kaffeemühle. Doch nicht so Kasperl und sein Freund Seppel. Die denken sich nämlich: Was wir einmal geschafft haben, das schaffen wir erneut. Und so hecken sie einen cleveren Plan aus, bestehend aus Leim, Papier und sehr viel Schlauheit, um dem berüchtigten Räuber erneut ein Schnippchen zu schlagen.
Was alles in dieser Neuerscheinung fehlt
Das Netteste, was man über dieses „angeblich“ wiedergefundene, verschollene Manuskript sagen kann, ist, dass es ein heiß ersehntes Wiedersehen mit liebgewonnenen Freunden ermöglicht. „Der Räuber Hotzenplotz“ ist eine Geschichte, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ich selbst lernte sie damals von meinen Eltern kennen, die auch schon begeistert davon waren, und gebe sie heute weiter an meine Kinder, die mit ihren drei bis sechs Jahren, genau wie ich damals, voller Eifer bei jedem Waldbesuch nach der Höhle des wohl berühmtesten Räubers nach Robin Hood suchen, und der festen Überzeugung sind, dass sie ihn eines Tages finden werden. Und warum ist das so? Weil die ursprünglichen Geschichten alles haben, was große, ewige Geschichten brauchen: einen absolut sympathischen und interessanten Protagonisten, eine gut verständliche, aber spannende Geschichte, untermauert durch einige wunderschöne Bilder und eine gute Prise Humor. Das alles fehlt mir bei dieser Neuerscheinung einfach völlig.
Hotzenplotz wird in diesem Buch als wirklich doof dargestellt
Doch von Anfang an. Zunächst einmal muss man wissen, dass Otfried Preußler dieses Manuskript eigentlich als Puppentheater geplant hat, aber letzten Endes nie veröffentlichte. Meiner Meinung nach eben genau deswegen, weil der Geschichte der für sie so typische Charakter fehlt. Hotzenplotz wird eben nicht als der schlaue Räuber mit dummdödeligen, liebenswerten Eigenschaften gezeigt, dessen einziges Problem ist, dass Kasperl und Seppel eben einfach noch ein wenig schlauer sind. Er wird als wirklich doof hingestellt; das hat mir gar nicht gefallen. In die von Kasperl und Seppel gestellte Falle mit der Mondrakete wäre Gert Fröbe sicher nicht getappt!
Inwiefern das Buch für Erstleser bzw. Vorlese-Kinder geeignet ist?
Noch dazu ist die Geschichte einfach zu kurz, um sich wirklich in sie hineinfallen lassen zu können. Kaum hat man sich an die Handlung gewöhnt, ist sie auch schon wieder vorbei. Das Gegenteil trifft auf die Länge der Kapitel zu: Für Erstleser nicht zu leisten, für Vorlese-Kinder nicht zu erfassen.
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