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Catherine Prices „Endlich abschalten – Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und Liebe schenkt”

Endlich abschalten – Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und liebe schenkt

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13. Juli 2018 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Sie lieben Ihr Smartphone? Sie brauchen es sehr dringend? Und beides bereitet Ihnen gelegentlich Sorgen? Dann sollten Sie Catherine Prices „Endlich abschalten“ lesen. Ein kluges Buch mit klarer Ansage.


Catherine Prices Buch „Endlich abschalten“ beginnt mit einer Liebeserklärung an ein Smartphone

Dieses Buch beginnt ziemlich überraschend. Denn eigentlich ist es ein Buch, das uns dazu animieren möchte, unser Smartphone auch mal allein zu lassen. Doch anstatt uns das Smartphone madig zu machen, stellt Catherine Price an den Anfang ihres Werks „Endlich abschalten – Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und Liebe schenkt“ einen Liebesbrief an ihr geliebtes Handy.

Darin beschreibt die renommierte Wissenschaftsjournalistin ziemlich gut, wieso sie ohne ihr Smartphone eigentlich gar nicht sein mag: „Du bist das Letzte, was ich vor dem Schlafengehen berühre, und das Erste, nach dem ich morgens die Hand ausstrecke. Du kennst meine Arzttermine, meine Einkaufslisten und meinen Hochzeitstag.“ Doch am Ende dieses Liebesbriefs steht ein ziemlich eindeutiger Satz: „Und darum fällt es mir auch so schwer, dir mitzuteilen, dass wir uns trennen sollten.“

„Fast jeder zehnte Erwachsene in den USA gibt zu, beim Sex aufs Smartphone zu schauen.“ Catherine Price

Es macht wirklich Freude, Catherine Prices Buch zu lesen, denn obwohl es viele Fakten nennt, ist es in einem lockeren Stil geschrieben. Zu keiner Sekunde fühlt man sich als Handynutzer*in auf der Anklagebank. Und dennoch nennt die Autorin die Probleme beim Namen:

  • US-Amerikaner schauen 47-mal am Tag aufs Telefon. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt der Durchschnitt bei 82-mal. Wir würden uns etwas vormachen, wenn wir uns einbildeten, dass die deutschen Zahlen wesentlich freundlicher aussähen.
  • Im Durchschnitt verbringen Amerikaner vier Stunden täglich am Telefon. Das sind 56 Tage im Jahr.
  • Jeder Zweite in den USA schaut mitten in der Nacht aufs Telefon (bei den 25- bis 34-Jährigen sind es über 75 Prozent).
  • Fast jeder zehnte Erwachsene in den USA gibt zu, beim Sex aufs Smartphone zu schauen.

Und so geht das weiter. Catherine Price schreibt ihr Plädoyer für Smartphone-Urlaub nicht aus der Vogelperspektive. Nein, sie schreibt als persönlich Betroffene: Seit sie ein Smartphone nutze, habe sich ihre Aufmerksamkeitsspanne verkürzt, ihr Erinnerungsvermögen habe nachgelassen, sie könne sich nicht mehr so gut konzentrieren. Catherine Price berichtet von ihrem eigenen Leben und wie es sich seit Erfindung der digitalen Medien in kleinen Schritten veränderte. Und sie kommt irgendwann zu einem erschreckenden Schluss: Ein großer Teil der heute lebenden Smartphone-Nutzer ist nach dem Smartphone süchtig.

Catherine Price fragt sich, wieso Steve Jobs und Bill Gates die Technik-Nutzung ihrer Kinder streng kontrolliert haben

Wer diesen Verdacht in Bezug auf sich selbst von sich schiebt, kann den von David Greenfield, Professor für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der University of Connecticut und Gründer des Zentrums für Internet- und Technologiesucht, ausprobieren. Der Test ist in „Endlich abschalten“ abgedruckt und bitte fühlen Sie sich nicht zu sicher, dabei ein positives Ergebnis zu bekommen.

Smartphones haben das Zeug dazu, uns süchtig zu machen. Dies macht Catherine Price anhand vieler Überlegungen anschaulich. Eine besonders eindrückliche ist der Hinweis, dass gerade jene, die diese Technologie erfunden oder maßgeblich weiterentwickelt haben, eine sehr restriktive Haltung einnehmen, wenn es um ihre eigenen Kinder geht:

  • iPhone-Erfinder Steve Jobs hat einmal in einem Interview zugegeben, dass er die Technik-Nutzung seiner Kinder limitiert hat.
  • Die Kinder des Microsoft-Gründers Bill Gates haben ihre ersten Handys erst mit 14 Jahren bekommen.
  • Viele Geschäftsführer und Risikokapitalgeber der Technologiebranche begrenzen die Zeit, die ihre Kinder vor dem Bildschirm verbringen, streng.

Man könnte daraus folgern, dass diese Technologie-Experten etwas wissen, was wir nicht wissen, mutmaßt der New-York-Times-Autor Nick Bilton. Wir sollten es daraus folgern und wir sollten auch handeln. Wer hierfür Anregungen sucht, der ist im zweiten Teil von Catherine Prices „Endlich abschalten“ bestens aufgehoben. Sie macht einen ganz konkreten Vorschlag für ein 4-Wochen-Programm, mit dem man sich peu à peu von seinem Smartphone emanzipieren kann.

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