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Jens Wawrczeck interpretiert Jesper Wung-Sungs todtraurigen und dabei urkomischen Roman „Weg mit Knut!“

Weg mit Knut

Shutterstock: © Billion Photos - Bildnummer: 450588532

27. Oktober 2017 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Kultsprecher Jens Wawrczeck über sein neues Hörbuch, dem Unglaubliches gelingt: „Weg mit Knut!“ erzählt feinfühlig die ergreifende Geschichte eines krebskranken Jungen und ist dabei urkomisch.


Herr Wawrczeck, William, der Held Ihres Hörbuchs „Weg mit Knut!“ ist ein Kind mit Krebs. Das hört sich nach einer tieftraurigen Geschichte an. Ist es aber nicht. Woran liegt das?

Das liegt an Knut, der von allen nur der „weiße Scheiß“ genannt wird. Er ist Williams Krebserkrankung, ein großmauliger Kerl, der viel mehr Lebensweisheit mitbringt, als man anfangs vermutet. Aber Knut ist ja auch schon 3000 Jahre alt …

Warum haben Sie gesagt: Dieses Hörbuch will ich gerne sprechen?

Die Leichtigkeit, mit der Themen wie Einsamkeit, Angst, Wut – aber auch Verliebtsein, Freundschaft und einander helfen – angesprochen werden, hat mir sehr gefallen.

William ist mit seinem Krebs nicht allein. Er hat einen ziemlich einzigartigen und unverfrorenen Freund. Was ist dieser Knut für ein Typ?

Knut ist vorlaut, verschlagen und verfressen. Jede Geschichte, die William passiert, hat Knut auch schon erlebt – nur tausendfach größer und wichtiger. Nehmen wir nur Williams Krankheit. Die ist ja schon tragisch. Knut aber hat die „koreanische Nasenschiene Leidelose“. Behauptet er jedenfalls. Diese Krankheit haben nur drei Menschen auf der ganzen Welt. Wobei der eine – der Schlangenbeschwörer Akka Ach Harlalla Weh – verstorben ist, nachdem er mit seinem Fahrrad in eine heilige Kuh raste. Das ist schon gemein, wenn einer immer alles besser weiß!

Als ich „Weg mit Knut!“ hörte, musste ich sofort an Astrid Lindgrens Karlsson denken. Ging Ihnen das ähnlich? Irgendwie ist Knut doch auch so ein umwerfend witziges, sympathisches, egozentrisches Ekel, oder? Nur eben, dass er in unsere Zeit passt. Er spielt gerne Zombie-Spiele …

Auf den ersten Blick stimmt das. Aber hinter der Fassade steckt ein großes Herz. Und der Wille, dem krebskranken William zu zeigen, wie aufregend und spannend das Leben sein kann. Knut hat da sehr viel Erfahrung, er war Stabhochspringer in Nepal und stand im vierten Punischen Krieg in der ersten Reihe! William möchte trotz Krankheit einfach nur ein ganz normaler Junge sein, und Knut zeigt ihm, wie das möglich ist.

Als Sie sich überlegten, welcher Ton für diese Geschichte passt – wussten Sie sofort, wie Sie das sprechen wollen?

Das ist natürlich ein ernstes Thema, das einem auch in seinem persönlichen Umfeld begegnet, das war erst einmal gar nicht so einfach. Von dem nahezu depressiven Reflex, den das Thema Krebs bei einem auslöst, in die lebensbejahende Unschuld von Knuts Gedankenwelt zu kommen, war wohl das Schwierigste. Unser Held William ist 12 Jahre alt, da sind Freude und Leid sowieso große Gefühle …

Was ist für Sie die Kernbotschaft von „Weg mit Knut!“?

Wenn einem etwas Schlimmes passiert, hat das auch Auswirkungen auf alle anderen Personen, mit denen man zu tun hat. Freundschaften ändern sich, der Blick auf die eigene Familie ist ein ganz anderer. Da müssen nicht nur die persönlich Betroffenen die Augen offen halten, auch die anderen müssen in sich hineinhorchen.

„So geht es William immer, wenn er mit Knut zusammen ist. Als wäre alles möglich – obwohl es unmöglich ist“, heißt es in Ihrem Hörbuch. Was können wir aus diesem Satz lernen?

Über den Tellerrand gucken und keine Angst vor dem Scheitern haben. Das Unmögliche denken heißt, auf einen Baum zu klettern und gleichzeitig die Kopenhagener Meerjungfrau und das Kolosseum in Rom zu sehen. In der Fantasie ist alles möglich. Da muss man sich nicht selbst beschränken.

Jetzt muss noch eine ???-Frage kommen – erlauben Sie? Seit rund 30 Jahren sprechen Sie den Kultdetektiv Peter Shaw. Kommt es vor, dass Sie in der Bäckerei, wenn Sie eine Semmel bestellen, erstaunte Blicke ernten?

Natürlich werde ich immer wieder auf diese Kultrolle angesprochen, aber man darf sich davon nicht erdrücken lassen. Vor vielen Tausend Leuten die drei ??? live als Hörspiel zu spielen und dabei laut loszulachen, wenn etwas schief geht, das ist noch immer möglich.

Krebs ist eine schlimme Krankheit. Bitte verraten Sie uns eines: Geht die Geschichte von William und Knut gut aus?

Sie geht gut aus, das darf ich sicherlich verraten. Aber mit dem Gesundwerden, verliert William ja auch seinen besten Freund. Die Umstände, unter denen sich Knut und William ein für alle Mal voneinander verabschieden, sind dann schon sehr berührend.

Jesper Wung-Sung
Jesper Wung-Sung

Geboren 1971 geboren, studierte Jesper Wung-Sung Literatur, Englisch und Dänisch an der Universität von Kopenhagen. Seit 1998 veröffentlichte er zahlreiche Jugendbücher.
Zur Biografie von Jesper Wung-Sung

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Jesper Wung-Sung
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Geboren 1971 geboren, studierte Jesper Wung-Sung Literatur, Englisch und Dänisch an der Universität von Kopenhagen. Seit 1998 veröffentlichte er zahlreiche Jugendbücher.
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