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Amerikanische und europäische Genre-Meister sowie Krimi-Schätze

SZ Krimi Noir

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24. Januar 2017 | Tina Rausch | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Die SZ Edition Krimi Noir der Süddeutschen Zeitung spannt einen spannenden literarischen Bogen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Sie wartet mit großen Namen des Noir Romans, interessanten Genre-Autoren und überraschenden Wiederentdeckungen auf. Zudem sind die acht Noir Romane der SZ Edition im schicken Schuber verpackt und damit auch eine Zierde für jede private Bibliothek.

„Um gut schreiben zu können, muss man etwas Kühleres in den Adern haben als Blut“, sagte einst Truman Capote, Autor von „Kaltblütig“. Wenn man die „SZ Edition Krimi Noir“ lesen und danach noch gut schlafen will, auch: Denn im Noir-Krimi geht es nicht einfach nur um Spannung und plotgeladene Unterhaltung, um Schwarz und Weiß, sondern um die feinen Abstufungen dazwischen: über Moral und Unmoral, Gut und Böse, Gerechtigkeit und Unrecht, Zynismus und Melancholie, über das Fressen-oder-gefressen-Werden. Die von dem Herausgeber Peter Graf sorgfältig zusammengestellte Krimi-Reihe der Süddeutschen Zeitung präsentiert bekannte Autoren des Genres und nimmt zugleich auch weniger bekannte Schriftsteller auf sowie Noir Romane, die jetzt endlich wiederentdeckt werden können. Sie stellt Verbindungen zwischen dem amerikanischen und europäischen Krimi Noir her und versammelt herausragende Geschichten aus beiden Kontinenten. So entsteht ein rundum attraktives Abbild dieses populären Genres.

„Im Noir-Roman fällt die Menschheit in einer Bar oder in der Dunkelheit dem Wahnsinn anheim.“ Derek Raymond

„Die ausgewählten acht Titel sind – wie es sich gehört – voller zwielichtiger Gestalten, dunkler Ecken und trauriger Helden“, sagt Herausgeber Peter Graf. Einer der raren deutschsprachigen Noir-Romane ist Ulf Miehes „Puma“ über den Fremdenlegionär und Berufsverbrecher Franz Morgenroth. Massimo Carlotto löst in „Die dunkle Unermesslichkeit des Todes“ ein, was der Titel verspricht, und Jean-Claude Izzo lässt in „Total Cheops“ den kleinen Polizisten Fabio Montale in Marseille über Gut und Böse sinnieren. James M. Cains letzter und lange verschollener Noir Roman „Abserviert“ führt in das Harlem der frühen 1960er-Jahre, und mit den Noir Krimis „Ketzerei in Orange“ von Charles Willeford, „Dunkler Gefährte“ von Jim Nisbet, „Galveston“ von Nic Pizzolatto sowie „Harlem“ von Chester Himes entfaltet sich schließlich die gesamte, hochspannende Bandbreite der amerikanischen Kaltblütigkeit. Lesen Sie gut!

Die Geschichte des Noir Romans

Edgar Allan Poe war der erste Autor, der auf die Idee kam, einen Krimi zu schreiben und zu veröffentlichen. Und tatsächlich erfüllte bereits dieser erste Roman mit dem Titel „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ aus dem Jahr 1841 ein zentrales Merkmal der Noir Krimis: die Stilisierung der Nacht als Symbol der finsteren Seite der menschlichen Seele. Doch es bedurfte noch weiterer Zutaten, damit sich das Genre der Noir Romane entfalten konnte. Eine steuerte Charles Baudelaire bei. In seinem dichterischen Werk zeichnet der Autor von „Les Fleurs du Mal“ den Großstadtmenschen als Pessimisten und Melancholiker – auch dies Wesensmerkmale vieler Helden des Noir Krimis. Schließlich spielt bei der Entwicklung des Noir Romans noch das Bild des Poète maudit eine wichtige Rolle. Sein Wesen, geprägt von Selbstzerrissenheit und Schwarzseherei, positioniert sich deutlich in Opposition zur positiven Sicht des Durchschnittsbürgers. Und so entstehen im Krimi Noir vielschichtige, widerspenstige Charaktere, die Lastern wie Drogen und Alkohol verfallen und deren Daseinsgefühl zwischen Zynismus, Melancholie und Nihilismus zu verorten ist. Es war der Verlag Gallimard, der das einzigartige Spannungspotential dieses eigenwilligen Genres erkannte und 1945 mit der Série noire an den Start ging. Sie wurde zum Zuhause der bedeutendsten Hardboiled-Autoren jener Zeit und machten den Noir Roman einem großen Publikum bekannt. Spätestens seither hat der Noir Krimi seinen festen Platz in unserer Kultur.

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