Warum empfinden wir manche Menschen als schön? Kolumne | BUCHSZENE

Warum empfinden wir manche Menschen als schön und manche nicht? Jörg Steinleitner wandelt anhand prominenter Beispiele wie Boris Becker, Angelina Jolie und Markus Söder auf den Spuren der Schönheit.

Schönheitsmäßig zählen Angelina Jolie und Jörg Steinleitner zu den Gewinnern – Eminem verliert

18. Oktober 2017 | Kolumne: Jörg Steinleitner

Im Verhältnis zu Taylor Swift und Eminem gewinnen Markus Söder und ich

Was das Schönsein angeht, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Bitte machen Sie sich die Entscheidung, welche Nachricht Sie zuerst hören wollen, nicht zu leicht, denn Sie könnte auch Sie betreffen. Also erst die gute: Vom Typ her läuft der Schönheitstrend stark in meine Richtung. Laut einer Hautärzte-Studie (unglaublich, mit was sich Hautärzte die Zeit vertreiben!) werden dunklere Hauttypen wie ich, Angelina Jolie und Markus Söder zunehmend als schön empfunden. Hellere Hauttypen wie Eminem, Horst Seehofer und Taylor Swift losen dagegen ab.

Außerdem muss man nicht mehr total jung sein, um als schön empfunden zu werden. Die Studie, von der ich kürzlich in der Süddeutschen Zeitung las, macht deutlich, dass dunklere Haut zunehmend als attraktiv gilt. Ich persönlich fand Boris Becker ja schon immer toll, aber nicht unbedingt schön. Wobei das weniger mit seiner Haut zu tun hat. Und: muss ein Held wie Boris wirklich schön sein?

Auch das Altsein schadet dem Schönsein nicht mehr über die Maßen

Auch das Altsein steht heutzutage der Schönheit nicht mehr so sehr im Wege wie 1990 noch. Damals lag das Durchschnittsalter von Leuten auf irgendeiner Peoples-Schönheitsliste, die die SZ zitiert, bei 33,2 Jahren. Sooo sad! Heute ist es besser. Aber – bitte holen Sie sich ganz schnell einen starken Drink oder einen Anti-Aging-Ratgeber oder beides – jetzt kommen die schlechten Nachrichten:

Aber es gibt in Sachen Schönheit auch sehr schlechte Nachrichten

Zwar ist das Durchschnittsalter der als schön Empfundenen auf besagter Liste gestiegen. Aber es liegt trotzdem nur bei 38,9 Jahren. Ich weiß nicht wie alt Sie sind, aber ich bin 46 Jahre und circa 7 Monate alt. Too old!

Sie merken schon – ich versuche Ihre Alterswahrnehmung durch das Einstreuen jugendlich wirkender, englischsprachiger Begriffe zu manipulieren. Läse meine pubertierende Tochter Isabella diese Zeilen, würde ihr ein verächtliches „Wie hilflos ist das denn!“ entweichen. Aber die Sache ist ja noch viel schlimmer. Auf besagter Liste hat sich das Schönsein auch noch von den Männern zu den Frauen hin verschoben: 1990 waren die Schönsten auf dieser Scheißliste 52 Prozent Frauen und 48 Prozent Männer. Heute sind es 88,1 Prozent Frauen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich mag solche Listen nicht.

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.


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