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Götz W. Werner, Matthias Weik und Marc Friedrich im Interview über ihren Bestseller „Sonst knallt’s!“

Sonst knallts

Marc Friedrich, Götz W. Werner und Matthias Weik (v. l. n. r.) - © Pit Sander/Stuttgart

29. September 2017 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten


„In der Industrie 4.0 werden zahllose Jobs wegfallen! Am Grundeinkommen führt kein Weg vorbei! Wir müssen alle Steuern abschaffen, bis auf die Konsumsteuer!“ dm-Gründer Götz W. Werner und die Bestsellerautoren Weik & Friedrich im Interview.


Herr Götz, Herr Friedrich, Herr Weik, Sie haben gemeinsam das Buch „Sonst knallt’s“ verfasst. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Matthias Weik (MW): Wir lernten uns auf einer Podiumsdiskussion kennen. Die Frage, um die die Diskussion kreiste, war: „Was kommt nach dem ‚größten Raubzug der Geschichte’? – Gibt es Chancen für das Bedingungslose Grundeinkommen“?
Marc Friedrich (MF): Ich war schon lange treuer Kunde von dm und fasziniert von der Unternehmensphilosophie. Auch war mir Götz Werner schon lange ein Begriff für seinen unermüdlichen Einsatz, die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) bekannt zu machen. Dementsprechend begeistert war ich von der Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben.
Götz W. Werner (GWW): Schon das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ von Herrn Weik und Herrn Friedrich hat mich sehr beeindruckt, zuletzt dann ihre aktuellen und historischen Analysen in „Kapitalfehler“ (Erstes Interview mit BUCHSZENE). Es gibt viele Schnittmengen, da lag eine Zusammenarbeit einfach in der Luft.

Welches gemeinsame Ziel verbindet Sie?

GWW: Die Erkenntnis, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
MW: Wir möchten die Welt zum Positiven verändern. Diese Veränderung ist bitter nötig, denn sonst knallt’s.
MF: Wir alle spüren doch intuitiv, dass seit Jahren etwas nicht stimmt und die Welt aus den Fugen geraten ist. Es haben sich kapitale Fehler eingeschlichen, die wir nun konstruktiv angehen müssen. Bevor die Kollateralschäden der Finanz-Tsunamis der letzten Jahre noch schlimmer werden.


Der Crash kommt, da sind sich Matthias Weik und Marc Friedrich sicher – und geben ein aufrüttelndes Interview
Sie prophezeien unserem Finanz- und Wirtschaftssystem den finalen Kollaps. Sie fordern eine strenge Regulierung der Finanzmärkte, bezeichnen die Politik als machtlos und fordern die Rückkehr des ehrbaren Kaufmanns. Die Ökonomen und Bestsellerautoren Matthias Weik und Marc Friedrich sprechen so harte wie klare Worte. Im Interview verraten sie aber auch, wie man sein Geld in der heutigen unsicheren Zeit sicher anlegt.
Marc Friedrich und Matthias Weik

© Christian Staehle, Asperg


Welche konkreten Beobachtungen waren die Auslöser für Ihr Buch?

MW: Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Viele Parteien vertreten nicht mehr die Interessen der Bürger, sondern die von Konzernen und Finanzlobbys. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, ein überparteiliches „Programm“ zu schreiben. Ein Programm für die Menschen.
MF: Obwohl Deutschland seit Jahren wirtschaftlich auf der Überholspur fährt, kommt dieser Wohlstand bei den meisten Menschen nicht an. Hier läuft etwas gewaltig schief. Parallel erleben wir immer schlimmere Krisen und eine Finanzmarktblase nach der anderen. Der Euro und die EU wanken bedenklich. Nachhaltige Lösungsvorschläge aus Wirtschaft und Politik? Fehlanzeige! Unsere Schlussfolgerung: Das muss „von unten“ kommen, aus der Gesellschaft.
GWW: Ich trete ja seit längerem für die Ideen eines BGE und einer ausschließlichen Besteuerung des Konsums ein. Und ich versuche den Menschen zu erklären, dass unsere Wirtschaft viel zu sehr von der Illusion getrieben ist, Geld sei ein Wert an sich. Weil wir ständig aufs Geld starren, sehen wir meist nur „Finanzierungsprobleme“. Dabei sollte die eigentliche Frage doch lauten: Wie machen wir es möglich, dass jeder seine ureigenen Fähigkeiten und Ideen in eine Wirtschaft einbringen kann, die so leistungsfähig ist, wie keine zuvor – und die doch unsinniger Weise allzu viele Menschen zurück lässt.

Was alarmiert Sie momentan am meisten?

MW: Das sich die Bürger von der Politik nicht mehr abgeholt und vertreten fühlen.
MF: Ja, nicht nur unser Wohlstand steht auf dem Spiel sondern auch die Demokratie. Das bereitet mir große Bauchschmerzen. Die Parteien versagen am laufenden Band, und zeitgleich betreibt die EZB ein einmaliges Notenbankexperiment, um das Geldkarussell am Laufen zu halten – was jedoch zum Scheitern verurteilt ist.

„Radikal neu denken“, fordern Sie im Untertitel von „Sonst knallt’s!“. Welche Bereiche betrifft das konkret?

MW: Die Finanzwelt, das Thema Steuern und unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt, welche durch die „Industrie 4.0“ komplett auf den Kopf gestellt und für viele Menschen zu heute noch kaum vorstellbaren Veränderungen führen wird.
MF: Wir müssen die Wirtschaft wieder menschlicher gestalten und mit Sinn füllen.
GWW: Vieles läuft in unserer Wirtschaft darum falsch, weil wir es falsch denken. Nämlich betriebswirtschaftlich verengt statt volks- und gemeinwirtschaftlich. Nur Unternehmen haben Kosten. Volkswirtschaftlich betrachtet lösen sich alle Kosten bis auf den letzten Cent in Einkommen auf. Weshalb Gesellschaften vor allem darüber entscheiden müssen, wie sie ihre Einkommensströme regulieren wollen.

Ein wichtiges Schlagwort in „Sonst knallt’s!“ sind die Steuern. Wie würden Sie folgenden Satzanfang weiterformulieren: „Die Steuern sprudeln, aber ….“

GWW: … wir leisten uns trotzdem noch immer Armut. Das ist ein Skandal!
MW: … viele internationale Großkonzerne und Superreiche bezahlen kaum Steuern. Was läuft da falsch?
MF: … trotzdem zahlt Deutschland keinen Cent Schulden zurück. Da frage ich mich als Ökonom: Wenn nicht in Rekordjahren – wann dann?

Was ist nötig, um unser Wirtschaftssystem und unsere soziale Grundordnung zukunftsfähig zu machen?

MW: Eine strikte Regulierung des Finanzsystems, eine Insolvenzordnung für Banken und für Staaten, ein faires Steuersystem – und die Abschaffung des Euro.
MF: Alle Steuern abschaffen bis auf eine – die Konsumsteuer. Parallel: Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Lassen Sie uns über das „bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE) sprechen. Wie definiert sich das genau? Was umfasst es und was soll es bewirken?

GWW: Jeder Mensch hat das Recht bescheiden aber menschenwürdig zu leben. Dafür braucht er ein Einkommen. Dass Arbeit und Einkommen verkoppelt sind, funktioniert nicht mehr. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Auftrag der Gemeinschaft an den Einzelnen, sich mit seinen Talenten und Fähigkeiten einzubringen.

Manche sehen das bedingungslose Grundeinkommen als Utopie, andere als Gebot der Stunde …

GWW: Die Utopien von gestern sind die Realitäten von heute. Auf uns kommen enorme Umwälzungen zu. Stetige Erwerbsbiographien gibt es nicht mehr, der Wandel in der Arbeitswelt ist in allen Branchen zu beobachten. Wir produzieren heute so viele Güter und Dienstleistungen wie nie zuvor. Wir brauchen Rahmenbedingungen, so dass jeder eine Teilhabe an unserem enormen Wohlstand als Menschenrecht erhält.
MW: Im Zuge der Industrie 4.0 werden so viele Jobs wegfallen, dass es ohne Grundeinkommen gar keine andere Lösung gibt.
MF: Die Manager dieses Wandels haben das großteils schon verstanden. Herr Käser von Siemens, Elon Musk von Tesla, Telekom-Vorstand Timotheus Höttges und viele andere sprechen sich für ein BGE aus.

Die Bundestagswahlen rücken immer näher. Mal angenommen, Sie wären Kanzlerkandidat. Was würde auf Ihrer Agenda ganz oben stehen?

GWW: Dass wir unsere Verfassung wirklich ernst nehmen, besonders Artikel 1, der besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.
MW: Ein gerechtes Steuersystem zu implementieren, das heißt unser Konsum wird besteuert und nicht unsere Einkommen. Und den Euro abzuwickeln, da dieser Europa trennt anstatt es zu einen.

Was war für Sie selbst die spannendste Lektion beziehungsweise der größte Erkenntnisgewinn bei der Arbeit an „Sonst knallt’s!“?

MW: Dass wir in Zukunft um ein BGE nicht herumkommen. Vor ein paar Jahren habe ich das noch, wie viele Menschen, als Spinnerei abgetan. Ich kann also jedem Leser aus eigener Erfahrung bestätigen, was Götz Werner immer sagt: Das ist ein Denkproblem.
MF: Die Steuerrevolution! Dass wir in Zukunft den Verbrauch, also unseren Konsum besteuern müssen und nicht das Einkommen. Das ist die einzig gerechte Art der Besteuerung. Da war ich zuerst skeptisch. Aber heute stehe ich hundertprozentig hinter der Idee.
GWW: Meine jungen Mitautoren blicken aus einer anderen Perspektive auf unser Zusammenleben. Trotzdem kommen wir zur gleichen Schlussfolgerung: Nämlich dass es so nicht weitergehen kann, sonst knallt’s.

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Matthias Weik, Götz W. Werner, Marc Friedrich
Marc Friedrich, Götz W. Werner und Matthias Weik

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