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Sein Debüt „Der Club“ machte Takis Würger berühmt. Nun verrät er, wie der Erfolg ihn veränderte

Der Club

© Fabian Weiss

22. September 2017 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Sein Roman-Debüt „Der Club“ hat Takis Würger über Nacht zum Bestsellerautor gemacht. Wir sprechen mit dem Spiegel-Reporter über die glänzenden Seiten des Erfolgs – und die finsteren.
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Herr Würger, dank Ihrem Roman „Der Club“ sind Sie buchstäblich über Nacht zum Bestsellerautor geworden. Dies war umso überraschender, als Ihr Werk bei den eher kleineren Verlagen Kein & Aber sowie die Hörbuchfassung bei HEADROOM erschienen ist. Erzählen Sie bitte kurz, wann Sie ahnten, dass Sie einen richtigen Knaller gelandet haben könnten – und wie sich dies für Sie anfühlte.

Geahnt habe ich das ehrlich gesagt gar nicht. Ich glaube, das kann man als Autor nicht, sonst hat man den Bezug zur Realität verloren. Und Vorher haben mir auch alle gesagt: Stapel mal lieber tief, Debüts verkaufen sich schlecht. Rechne mal mit 5000 verkauften Exemplaren, das wäre ein Erfolg.

Haben Sie gefeiert?

Ich habe mich beim Spiegel in mein Büro gesetzt und ein paar „Meldungen und Ihre Geschichte“ geschrieben, das ist ganz gut, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Ich empfehle den Text über den Mann, der jeden Tag einen Apfelkuchen backt, der hat das Leben verstanden.

Sie sind dann auf eine ziemlich beachtliche Lesetournee gestartet. Sicher haben Sie dabei allerlei Kurioses erlebt?

Naja, beachtlich finde ich Benedict Wells, der drei Monate durchliest. Ich habe zwei Wochen im März gelesen, das war schon toll, weil man da als Autor zum ersten Mal merkt, dass so ein Roman die Menschen berührt. Meine Höhepunkte waren dann aber meistens die stillen Momente mit den Buchhändlern: Das Curry nach der Lesung mit Max in Augsburg, das Bier nach der Lesung mit Heike in Freiberg in Sachsen, der Blick vom Dach des Literaturhauses in München mit einer namenlosen Schönheit, mit Anna Rahm auf den Berg in Ravensburg zu steigen und danach von ihrer Auszubildenden auf dem Motorrad mitgenommen zu werden. Solche Momente waren kostbar.

Sind Sie auch mal zusammen mit den Interpreten Ihrer Hörbuchfassung, Matthias Koeberlin und Anna M. Mühe aufgetreten?

Schön wär‘s, ich bewundere Herrn Koeberlin und Frau Mühe sehr und danke ihnen auf Knien, dass sie meinen Roman so toll gesprochen haben. Ich glaube, das Hörbuch ist besser als der Roman, weil die einzelnen Stimmen und Perspektiven nochmal stärker werden, wenn man sie hört. Mein Lieblingssprecher auf dem Hörbuch ist übrigens Jonas Minthe, der den bösen Josh spricht. Der ist der Hammer.

Wieviele Exemplare von „Der Club“ wurden verkauft?

Weiß ich nicht. Ist mir nicht so wichtig. Es fühlt sich an, wie ein Erfolg, da ist mir egal, ob es hunderttausend oder hundertzwanzigtausend verkaufte Bücher sind.

Wer Erfolg hat, für den finden sich recht bald auch Neider. Was sind die finsteren Seiten des Daseins eines Bestsellerautors?

Ich glaube, auf der finsteren Seite steht man, wenn man ein Neider ist. Ich mache gerade viele positive Erfahrung. Es ist schön.

Journalistenkollegen können aber auch Hyänen sein. Sie schreiben für den Spiegel und damit für ein streitbares Blatt. Haben Sie sich über die Kollegen anderer Blätter geärgert? Es muss doch eine Freude sein, einen Kollegen zu verreißen, dem man schon lange mal eins auswischen wollte?

Die Kritiken der Kollegen waren eigentlich schon fast liebevoll, finde ich. Besonders lustig war die FAZ, der Kerl hat mein Buch besser verstanden als ich selbst. Meistens war die Kritik irgendwie berechtigt. Klar hat „Der Club“ Schwächen, klar ist es ein kitschiges Buch. Außerdem: Wer mein Buch nicht mag, kriegt trotzdem eine Rose von mir, wenn er meinen Namen richtig schreibt in der Rezension.

Sie wurden auf der lit.Cologne mit dem Silberschweinpreis für Debütanten ausgezeichnet. Für Ihre Arbeit als Spiegel-Reporter wurde Ihnen vor einigen Jahren bereits der Deutsche Reporterpreis verliehen. Welche Bedeutung haben solche Preise für Sie?

Wenn ich dadurch mehr Unabhängigkeit als Schriftsteller und Reporter bekomme, viel, aber darum geht es natürlich nicht. Es ist ein Geschenk, einen Preis gewinnen zu dürfen und ich wünsche jedem Menschen, einmal eine solche Würdigung erleben zu dürfen. Das silberne Schwein habe ich meiner Mutter geschenkt.

Und jetzt – etwa ein halbes Jahr später – ist alles wie vorher oder hat sich Ihr Leben geändert?

Jetzt geht es erst richtig los. Im Herbst lese ich in Wiesbaden, München, Zürich, Kiel und im oberharten Wilhelmshaven. Gunzenhausen darf auch nicht verschwiegen werden, das wird ein Fest. Alle Termine hier: keinundaber.ch/Takis-Würger/Lesungen

Schreiben Sie bereits an einem neuen Roman?

Ich schreibe zur Zeit für den Spiegel, dort bin ich glücklicher Redakteur, und damit das auch so bleibt, versuche ich, da so viele gute Geschichten wie möglich abzuliefern. Aber ich verspreche Ihnen, ich hab noch ein Buch in mir.

Takis Würger
Takis Würger

Geboren 1985 in Hohenhameln, ging Takis Würger nach dem Abitur mit dem katholischen Hilfswerk Misereor nach Peru und arbeitete am Titicacasee in einer Pfarrei.
Zur Biografie von Takis Würger

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Takis Würger
Takis Würger

Geboren 1985 in Hohenhameln, ging Takis Würger nach dem Abitur mit dem katholischen Hilfswerk Misereor nach Peru und arbeitete am Titicacasee in einer Pfarrei.
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