Der Erfinder der Känguru-Chroniken legt den zweiten Band seiner düsteren Satire-Serie vor. Marc-Uwe Klings „QualityLand 2.0“ strotzt erneut vor Ideen, aber es gibt auch etwas zu kritisieren.

Marc-Uwe Klings „QualityLand“ entwirft eine dystopische Zukunft

21. April 2021 | Jörg Steinleitner

Marc-Uwe Kling

QualityLand 2.0

ISBN 978-3-55020102-8

432 Seiten | € 19,00

Ullstein
Bestseller-Button Belletristik

Romantik (1/5)

Komik (4/5)

Weisheit (4/5)

Gänsehaut (1/5)

Unterhaltung (3/5)

Titelbild Qualityland 2.0

Dieses Produkt ist nicht geeignet zum Joggen oder Skaten

In diesem Buch stecken – wie bereits in seinem Vorgänger „QualityLand“ – zahllose scharfer Beobachtungen und eine Menge schwarzen Humors. Es beginnt schon gleich zu Beginn mit den „Allgemeinen Lesebedingungen“ – ein Auszug: „Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt mit diesem Buch spielen. Fahren Sie während des Lesens nicht Auto oder andere Fahrzeuge! Bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen! Dieses Produkt ist nicht geeignet zum Joggen oder Skaten.“ Die Allgemeinen Lesebedingungen enden mit dem Satz: „Wenn Sie jetzt umblättern, stimmen Sie den hier geschilderten Lesebedingungen zu.“

Der Maschinentherapeut Peter Arbeitsloser und sein Assistent Niemand

Damit persifliert Marc-Uwe Kling treffend schön, mit welch unseriösen Methoden sich die sozialen Medien allzu gerne Zustimmungen zu Datensammelmaßnahmen einholen. Einige Seiten später stellt der Autor, der als „Kleinkünstler“ und Interpret der „Känguru-Chroniken“ ein literarischer Star geworden ist, das Personal seiner Geschichte vor. Dazu gehören der Maschinentherapeut Peter Arbeitsloser, dessen Ex-Freundin Sandra Admin, die E-Poetin Kalliope 7.3, Peters digitaler Assistent Niemand, die Ärztin Aisha, der ehemalige Fernsehkoch und Querdenker Conrad Koch, Henryk Ingenieur, der den weltweit beliebtesten Versandhändler TheShop erfunden hat, und noch viele andere kuriose Figuren.

Die Lektüre von „QualityLand 2.0“ ist grausam nah an der Realität

Es handelt sich um ein Personal, das uns – denken wir die Zusammensetzung und Rollenverteilung unserer derzeitigen Gesellschaft einige Schritte weiter – durchaus bekannt vorkommen kann. Und genau das ist es, was die Lektüre von „QualityLand 2.0“ so grausam macht: Es ist leider allzu realistisch und gar nicht unvorstellbar, dass unser Leben eines Tages vollständig von Algorithmen, Computern und Androiden ferngesteuert wird. Dass jeder neue Monat der jeweils heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung sein wird. Und dass unsere Freiheiten in jedem Bereich des Daseins vollkommen eingeschränkt sein werden, sogar dort, wo wir uns für frei halten, etwa beim Konsum.

Das Tagebuch MYARY wird per Kuss aktiviert und schreibt sich selbst

Apropos: Zwischen die einzelnen Kapitel schaltet Marc-Uwe Kling Werbedoppelseiten, in denen Produkte vorgestellt werden. So zum Beispiel „MYARY – der neue What-I-Nee-Service für dich“. MYARY ist ein Tagebuch, das man mit einem Kuss aktiviert und welches sich fortan selber schreibt. „Im optionalen Scrapbook-Modus fügen wir den Einträgen sogar noch passende Chatverläufe, Fotos, Videos, Musikstücke, Flyer und abgerissene E-Tickets hinzu.“

MyChances ist eine App für One-Night-Stands

Aber auch die von Marc-Uwe Kling erzählte Geschichte ist gespickt mit Erfindungen, die es irgendwann geben könnte: Wenn man MyChances aktiviert und Augmented-Reality-Kontaktlinsen benutzt, färben die Linsen alle Personen, die man sieht, auf einer Skala von Dunkelblau bis Hellrosa ein, „und zwar je nachdem, wie hoch die errechnete Wahrscheinlichkeit ist, dass sich dieser Mensch zu einem One-Night-Stand mit dir bereit erklärt.“ Mit GoStraight kann man ein gerufenes, selbstfahrendes Auto anweisen, den schnellsten Weg zu nehmen, anstatt denjenigen, der die höchste Dichte an Reklametafeln aufweist.

Ein wichtiger Bestandteil fehlt Marc-Uwe Klings Roman jedoch

Marc-Uwe Kling überschlägt sich vor Einfällen, was wirklich beeindruckend ist. Allerdings stellt sich die Lektüre von „QualityLand 2.0“ dennoch als ein wenig mühsam dar. Dies liegt vor allem daran, dass es dem vom Verlag so bezeichneten „Roman“ an einer Geschichte fehlt, die sich von Leserin und Leser unkompliziert greifen ließe. Mit Abstand betrachtet wirkt das gesamte Werk wie eine Aneinanderreihung witzig-satirischer Szenen und Geistesblitze. Wenn Marc-Uwe Kling dies im Hörbuch selbst vorträgt, dann ist das sehr unterhaltsam. Wenn man mit dieser Masse an Details jedoch alleingelassen wird, kann es die Lesefreude trüben. „QualityLand 2.0“ ist kein Buch, das man in einem Wusch durchliest. Es ist eher eines, in dem man immer wieder stöbert und sich über die überraschenden Ideen seines kreativen Schöpfers wundert.

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