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Klaus Bernhardts „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ im Bestseller-Check

Titelbild Panikattacken und andere Angststörungen loswerden

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26. Oktober 2018 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


14 Millionen Deutsche haben eine Angstkrankheit. Viele andere werden von Panikanfällen geplagt. Klaus Bernhardts „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ zeigt, wie man sich befreien kann.


Ist „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ ein wirklich gutes Buch?

Klaus Bernhardts Buch „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ ist bereits vor zwei Jahren erschienen. Aber es rangiert noch immer auf den vordersten Plätzen der Bestsellerliste. Grund genug für uns, dieses Sachbuch – Untertitel: „Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen“ – noch einmal genauer zu lesen. Ist es denn wirklich so gut?

Das Beispiel des hungrigen Löwen leuchtet ein

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Klaus Bernhardt einen positiven und menschlichen Zugang zum Thema Angst vermittelt. Mit einfachen Worten und gut logisch nachvollziehbar erklärt er, dass Angst grundsätzlich gut für uns ist. Weil sie uns Jahrtausende lang davor schützte von Löwen gefressen zu werden. Denn sobald ein Mensch auf freier Wildbahn einem gefährlichen Tier begegnet, reagiert der Körper des Menschen mit Angst und schüttet Adrenalin aus. Das sorgt dafür, dass das Herz des Menschen ordentlich pumpt und der ganze Körper in einen optimalen Zustand für eine erfolgreiche Flucht versetzt wird. Oder für den Kampf. Die Angst ist also sinnvoll.

14 Millionen Deutsche leiden heute unter einer Angsterkrankung

Allerdings leiden in der heutigen Zeit über 14 Millionen deutschsprachige Menschen an einer diagnostizierten Angsterkrankung und zwei Millionen unter ihnen werden von ständig wiederkehrenden Panikattacken geplagt. Da es nur noch selten vorkommt, dass uns Löwen über den Weg laufen, liegt der Schluss nahe, dass hier etwas falsch läuft.

Klaus Bernhardt stellt sich gegen Psychopharmaka und Konfrontationstherapie

Viele Therapien setzen bei der Angstbekämpfung nach wie vor auf medikamentöse Behandlung, auf Konfrontationstherapie, Psychoanalyse, Gruppentherapie und Ablenkung. Von dem allen hält Klaus Bernhardt wenig. Mehrere Studien zeigten, dass Psychopharmaka nur bei schwersten Depressionen Wirkung hätten. „Antidepressiva greifen nämlich nicht da an, wo das Problem ursächlich entstanden ist, also in den neuronalen Verknüpfungen Ihres Gehirns. Vielmehr manipulieren sie lediglich Ihren Neurotransmitterhaushalt in der Hoffnung, dass Sie dann etwas weniger von dem empfinden, was Sie belastet.“ Klaus Bernhardt bringt dafür ein schönes Bild: Es sei in etwa so, wie wenn man ein Auto hätte mit Leck im Kühlwassersystem. Und anstatt das Leck zu reparieren füllte man immer mehr Kühlwasser nach.

„Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ stellt das Gehirn in den Fokus

Auch weshalb er in seiner Praxis auf die Anwendung von Konfrontationstherapien, Psychoanalyse, Gruppentherapien und Ablenkung verzichtet, begründet Klaus Bernhardt in „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ nachvollziehbar. Der Heilpraktiker für Psychotherapie glaubt, dass die Angst im Gehirn entsteht, durch unser Denken. Und dass wir sie durch eine Änderung unseres Denkens in den Griff bekommen können. Weil das Gehirn ähnlich funktioniere wie ein Muskel: Es bilde Stärken aus, je nachdem wo und wie es genutzt werde. Die Konfrontationstherapie aber etwa fordere den Menschen immer wieder dazu auf, die Angst besetzten Situation zu durchdenken. Damit würde das Gehirn eher dazu trainiert, Angst zu denken als Nicht-Angst. „Somit ist es viel klüger“, schreibt Klaus Bernhardt, „zuerst in einer sicheren Umgebung Ihren Kopf neu zu vernetzen und anschließend völlig entspannt zu erleben, dass Sie wieder alles machen können, ohne dass noch Angst aufkommt.“

Die Methoden von „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“

Die Methoden, die Klaus Bernhardt in „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ hierfür vorschlägt, sind sehr einfach. Sie erfordern lediglich die Bereitschaft, etwas Lebenszeit zu investieren. Im Wesentlichen sind es folgende Methoden:

+ die 10-Satz-Methode zur „Neuprogrammierung“ des Gehirns
+ die 5-Kanal-Technik
+ Schnellhilfen für akute Angstsituationen

Die 10-Satz-Methode basiert darauf, dass man für sich die Frage beantwortet, wie das eigene Leben ist, wenn es richtig klasse ist. Dazu soll man zehn Sätze auf ein Papier schreiben, wie man sich das perfekte Leben vorstellt. Das hört sich nun zunächst einmal nicht sehr kreativ an. Aber Klaus Bernhardt gibt einem einige griffige Regeln für diese zehn Sätze mit; und schließlich fordert er dazu auf, sich täglich einen dieser Sätze vorzunehmen und ihn zu denken. Weil das Gehirn auf Training gut anspreche, erziele man schon bald gute Ergebnisse.

Die 5-Kanal-Technik lässt das Gehirn Sinneswahrnehmungen denken

Wer nur während des Lesens für sich einige positive Sätze ausprobiert, wird feststellen, dass an dieser Methode etwas dran sein könnte. Ähnliches lässt sich über die 5-Kanal-Technik sagen, bei der Klaus Bernhardt positives Denken mit vorgestellten Sinneswahrnehmungen verknüpft: Hier erreicht er durch das Denken von Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken eine Veränderung der Arbeitsweise des Gehirns.

Die Pitching-Technik ist eine Notfalltechnik, die definitiv funktioniert

Auch die Notfalltechniken von „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ klingen überzeugend. Manche mehr, manche weniger. Eine der einfachsten ist die Pitching-Technik. Sie macht sich zunutze, dass wir, wenn wir Angst denken, meist unsere eigene Stimme im Kopf hören. Klaus Bernhardt nun fordert dazu auf, den „Angstsatz“ nicht in unserer normalen Stimme zu denken, sondern zum Beispiel mit einer hohen, piepsigen Mäusestimme. Sobald wir also merken, dass wir uns in Gedanken wieder in Angst hineinreden, sollen wir uns eine kleine, lächerliche Cartoon-Figur vorstellen, die uns mit hoher Piepsstimme negative Sätze sagt wie: „Das ist mir alles zu viel, das schaffe ich niemals.“ Sofort verliert die Angst an Glaubwürdigkeit.

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