Oh, wie schön ist Panama – total offshore und neu erzählt von Jörg Steinleitner

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Oh, wie schön ist Panama – total offshore und neu erzählt von Jörg Steinleitner

6. April 2016 | Kolumne: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten


Wie der kleine Politiger und der kleine Fußballbär einmal dem Luchs Emburg und dem Uhrhu Schwitzerli auf den Leim gingen.

Es waren einmal ein kleiner Fußballbär und ein kleiner Politiger. Der kleine Politiger wohnte in einem gemütlichen Palast namens Kremlpopeml, der kleine Fußballbär in der Stadt Sparzelona.
„Uns geht es gut, denn wir haben alles, was das Herz begehrt, und brauchen uns vor nichts zu fürchten“, sagte der kleine Fußballbär.
„Genau“, sagte der kleine Politiger, „weil ich schießen kann, und reiten und angeln und mit großen Tigern kämpfen.“
„Und weil ich dribbeln kann. Ist das wahr, Politiger?“
„Jawohl“, sagte der Politiger und spannte seine Brustmuskeln an.
„Boah!“, sagte der kleine Fußballbär und legte sich einen Fußball auf die Nase. Dort blieb er liegen bis es Paella gab. „Paella ist meine Leib- und Magenspeise“, sagte der kleine Fußballbär.
„Und meine ist Fisch mit Praline ohne Mandelkernsoße“, sagte der kleine Politiger, aber das ist Geheimdienst, weil bei ihm war alles Geheimdienst.
Der kleine Fußballbär ging jeden Tag mit dem Ball spielen, und der kleine Politiger ging in den Kremlpopeml, um wichtiges Zeugs zu entscheiden. Sie hatten wirklich ein schönes Leben.
Aber eines Tages schwamm auf dem Fluss eine Kiste vorbei. Der kleine Fußballbär fischte die Kiste aus dem Wasser, schnupperte und sagte: „Oooh … Zasterklabaster.“
Die Kiste roch nämlich nach Zasterklabaster.

Panama

„Pa-na-ma“, las der kleine Fußballbär. „Die Kiste kommt aus Panama, und Panama riecht nach Zasterklabaster. Oh, Panama ist das Land meiner Träume.“ Er lief nach Haus und erzählte dem kleinen Politiger bis spät in die Nacht hinein von Panama. „In Panama“, sagte er, „ist alles viel schöner, weißt du. Denn Panama riecht von oben bis unten nach Zasterklabastermoneten. Panama ist das Land unserer Träume, Politiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama, was sagst du, Politiger?“
„Sofort morgen“, sagte der kleine Politiger, „denn wir brauchen ein Zasterklabaster-Offshore-Bankkonto.“
„Aber heimlich“, sagte der kleine Fußballbär. „Damit Doktor Schäuble Rollfrosch nichts merkelt.“
„Ja, weil wer was heimlich macht, braucht sich vor nichts zu fürchten, Politiger. Aber meine Politiger-Ente muss auch mit.“
Am nächsten Morgen standen sie noch viel früher auf als sonst.
„Wir müssen meine Angel mitnehmen und mein Schießgewehr“, sagte der kleine Politiger. „Falls wir zwischendurch einen Geldhai treffen oder ein Land überfallen.“
„Und meinen Papabär“, sagte der kleine Fußballbär, „weil ich unterschreib ja nur.“
„Und wer nur unterschreibt, braucht nichts zu befürchten“, sagte der Politiger. „Ich aber unterschreib nicht mal. Das macht für mich die Tante Cello.“
Sie packten all ihren Zasterklabaster in den roten Topf und gingen am Fluss entlang in die eine Richtung.
„Hallo Mauss“, sagte der kleine Fußballbär, „wir gehen nach Panama. Panama ist das Land unserer Träume. Dort ist alles ganz anders und viel geheimer …“
„Geheim, geheim“, sagte die Mauss. „Mich gibt es gar nicht.“
Ach, was wissen Mäusse denn von Panama? Nichts, nichts und wieder nichts.
Sie kamen beim alten Förster Alfons vorbei, der hatte einen dicken Mossack auf dem Rücken. Da klimperte es drin.
„Wo geht’s denn hier nach Panama?“, fragte der kleine Fußballbär.
„Psst!“, sagte der alte Förster Alfons, „mir nach.“
Sie trafen bald zwei Leute, den Luchs Emburg und den Uhrhu Schwitzerli.
„Panama“, sagte der kleine Politiger, „ist unser Traumland, denn Panama riecht von oben bis unten nach Zasterklabaster.“
„Ihr könnt bei uns pennen“, sagten der Luchs Emburg und der Uhrhu Schwitzerli.“ Der kleine Politiger und der kleine Fußballbär pennten auf dem Sofa. Der kleine Politiger träumte von der Weltherrschaft. Der kleine Fußballbär von einer Ballade.
Am nächsten Morgen hatten der Luchs Emburg, der Uhrhu Schwitzerli und der alte Förster Alfons schon alles vorbereitet. Der Förster war weg.
„Wo ist mein roter Zasterklabaster-Topf?“, fragte der kleine Fußballbär.
„In Panama“, sagte der Luchs Emburg. „Per Gartenschlauchüberweisung, Tante Cello. Alles schon erledigt.“
„Aus dem Topf werden jetzt Trillibillizillilillionen“, sagte der Uhrhu Schwitzerli. „Das gibt ne Riesenparty.“
„Panama ist das Land unserer Träume, nicht wahr Politiger?“, sagte der kleine Fußballbär.
„Ja“, sagte der kleine Politiger. „Wie gut, wenn man einen Freund hat, der Gartenschlauchüberweisungen machen kann. Dann braucht man sich vor nichts zu fürchten.“
Dann gingen sie nach Hause in den Kremlpopeml, saßen drei Jahre im Schaukelstuhl und jeden Tag gab es Paella mit Praline. Aber eines Tages klopfte es. Der Mann mit der Maskolo stand vor der Tür.
„Ich weiß alles, ihr Schlawiner, ich hab an euren Daten geleckt.“ Er lächelte. „Und jetzt geh ich zu Anne Kaffeekanne in den Fernsehapparat und verrate alles.“
„Press dir doch erst mal ein Glas Lügen aus“, sagte der kleine Politiger.
„Nö, Lügen schmecken nicht“, sagte der Mann mit der Maskolo. „Und Doktor Schäuble Rollfrosch ist übrigens auch gleich da. Dann gibt’s Rabatz mit Budenzauber. Nicht lustig.“
„Nicht lustig?“, fragte der Politiger.
„Nicht lustig“, sagte der Mann mit der Maskolo.
„Müssen wir uns jetzt fürchten?“, fragte der kleine Fußballbär.
„Ja.“
„Und unsere Trillibillizillilillionen?“
„Holt sich der Doktor und noch mehr.“
„Aber dann hätten wir den Zasterklabaster ja gleich ihm geben können.“ Der kleine Fußballbär sah traurig aus.
„So ist es“, sagte der Mann mit der Maskolo und ging kurz vor die Tür.
Da klopfte es hinten am Fenster vom Kremlpopeml. Es war der alte Förster Alfons mit dem dicken Massack auf dem Rücken. „He, kleiner Politiger, kleiner Fußballbär“, flüsterte er. „Wir sind doch Freunde. Es gibt immer einen Ausweg. Kommt mit!“
Und hast-du-sie-nicht-gesehen kletterten die beiden hinten raus, der kleine Politiger und der kleine Fußballbär. Und, ja da schaust du: Der Geldesel Bahama wartete schon mit dem Porsche. Dann flitzten sie davon. Weil wer reich ist, braucht sich vor nichts zu fürchten.

Janosch

Oh, wie schön ist Panama

ISBN 978-3-407-80533-1

48 Seiten, € 13,95

Beltz & Gelberg

Markus Meinzer

Steueroase Deutschland

ISBN 978-3-406-66697-1

288 Seiten, € 14,95

C.H. Beck

Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung

ISBN 978-3-462-05002-8

352 Seiten, € 16,99

Verlag Kiepenhäuer & Witsch

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

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