Die Buchmesse ist vorüber und Leipzig hat sich in der Rangliste meiner Lieblingsstädte noch weiter emporgearbeitet. Dies ist der Bäckereiverkäuferin im Hauptbahnhof zu danken, welche mich darüber unterrichtete, dass ein Krapfen auf Leipzigerisch „Pfannkuchen“ heißt. Auch sonst gab es der Überraschungen viele: Wer das Ende des Buchs prophezeit, irrt. Bücher sind nach wie vor cool, es kann nicht anders sein, denn in manchen Hallen der Leipziger Messe ging es zu wie am Einlass eines Konzerts mit Taylor Swift. Ich habe in diesen Tagen ganz sicher mehr Menschen berührt als Buchumschläge. Unfreiwillig natürlich. Man kuschelte sich durch die Gänge.
Zum Glück gab es die Security, die dafür sorgte, dass man sich auch auf der Buchmesse ein wenig an die Flüchtlingsdramen der Zeit erinnerte. Allerorten auf dem Messegelände wurden künstliche Grenzen gezogen, Wege abgeriegelt, Einbahnstraßen errichtet.
Wäre der Silberzahn mit Siegfried Lenz auch so auf Konfrontation gegangen?
Immerhin widerstanden die Männer mit den schwimmwestengelben Jacken der Versuchung, sich als Schleuser zu betätigen: Ich wollte einige Minuten vor der offiziellen Messeöffnungszeit in die Halle, um die Technik für meine Lesung auf der Lesebude vorab zu checken, aber der Kerl erklärte, dass ich hier und jetzt keinen Zutritt hätte. Mein nur ein ganz klein wenig übertriebenes Rockstar-Argument, dass er ohne mich genau genommen gar nicht hier wäre, konterte der Kerl mit einem herablassenden Lächeln, welches mindestens sieben Silberzähne entblößte. Als dann auch noch sein Kollege mit einem Nasenring, der hinsichtlich Größe und Machart jedem Stier zur Ehre gereicht hätte, maskulin nickte, fühlte ich mich unsecure und trat in die zweite Reihe.
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