Der Obama, das Weißbier und ich

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Der Obama, das Weißbier und ich

17. Juni 2015 | Kolumne: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Dieses ewige Konsequent-Sein ist doch wirklich zum K …

Dieses Konsequent-Sein im Leben verdirbt einem den ganzen Spaß. Da kommt kürzlich der amerikanische Präsident in unser schönes Land – und eigentlich müssten wir uns aufregen. Weil der Präsident ja nur kommt, weil er unserer Kanzlerin ein Freihandelsabkommen namens TTIP aufschwatzen will, das für uns nicht ohne Gefahr ist: Vieles spricht dafür, dass es uns die Gentechnik bringen wird und Fracking und Gerichtshöfe, die sich nicht an unser Recht halten, um nur drei Beispiele zu nennen.

obama_weissbier

Wir müssten uns also eigentlich dem amerikanischen Präsidenten entgegenstellen und ihm sagen, dass er ein Tunichtgut ist, ein Schlawack, ein Spitzbub! Dass er uns mit seiner Gentechnik gestohlen bleiben kann. Dass wir auf sein Fracking pfeifen, weil es uns Erdbeben bringt. Dass wir wollen, dass bei uns das Bundesverfassungsgericht entscheidet und nicht irgendwelche heimlichen Schiedsgerichte in New York oder sonstwo, die undurchsichtige Urteile gegen unseren Staat fällen, deren Strafgelder wir als Bürger dann zu bezahlen haben. Das alles wollen wir doch nicht!

Schleich dich, hätten wir dem Präsidenten also zurufen müssen, weil so sagt man das in Bayern. Und in Bayern war er ja auch zu Besuch. Aber genau hierin liegt das Problem, Zefix: Dass dieser Gentechnik-Präsident ausgerechnet nach Bayern kam. Warum hat ihn die Frau Kanzlerin nicht nach Sachsen-Anhalt eingeladen? Oder nach Wuppertal? Warum ausgerechnet zu uns, in meine direkte Nachbarschaft, Luftlinie circa 27 Kilometer?

Ich verrate es Ihnen. Das war ein perfider Plan. Denn was macht der feine Herr Obama, kaum ist er da und bevor er der Frau Merkel irgendeinen Weißwurscht-Senf über Freihandel und Klima und Fracking auf die Brezn schmiert? Er setzt sich an einen Tisch in unserer Märchenkönig-Ludwig-Landschaft und trinkt mit dem Gemeinderat Kramer Alois und seiner Mutter Pauline ein Weißbier. Und er trinkt dieses Weißbier derart deutlich, dass ein jeder auf den Fotos, die jetzt um die Welt geschickt werden, sehen kann, dass dieses Weißbier von meiner Heimatbrauerei in Murnau fabriziert worden ist, Luftlinie circa 3 Kilometer.

Ja, was soll ich da jetzt tun? Soll ich mich jetzt aufregen über diesen vermaledeiten Fracking-TTIP-Präsidenten? Soll ich sagen: Hände weg von unserem Bier, weil wenn du noch öfter kommst, dann gilt am Ende unser jahrhundertealtes Reinheitsgebot nicht mehr, sondern dein saudummes Chlorhuhn-Reinheitsgebot; und am Ende muss jedes Bier, bevor es ins Glas gefüllt wird, verchlort werden, oder was? Ja, meinst du, Herr Obama, mein Lieber, dass das dann noch schmeckt, das Bier, mit Chlor drin?

Das hätte ich sagen sollen. Habe ich aber nicht. Sondern – was habe ich getan, wie ich diese Fotos gesehen habe von dem feinen Herrn Obama, wie der mein Bier trinkt vor meinen Bergen, die ich von meinem Kolumnistenzimmer aus sehe, jeden Tag? Gefreut habe ich mich. Und von dieser Freude habe ich einen derart starken Durst bekommen, dass ich in den Keller hinuntergestiegen bin und mir ein Weißbier geholt habe.

Mein Verhalten ist natürlich strengstens zu verurteilen. Inkonsequenter kann man ein Weißbier nicht trinken als wie ich es getan habe. Totally politically incorrect. Aber wissen Sie: Geschmeckt hat es trotzdem. Kein Wunder: Das Wasser, aus dem dieses Bier gemacht wird, fließt vor der Verarbeitung direkt unter dem Friedhof hindurch. Deswegen schmeckt das so aromatisch. Ob der feine Herr Obama und sein noch feinerer Geheimdienst das weiß?

P.S.: Je mehr Obama-Weißbier ich trinke, umso mehr finde ich, dass Obama ziemlich bairisch klingt. Ramadama, Obama – ja, so hören sich typisch bairische Wörter an. Aber TTIP, mein Lieber, TTIP, das hat rein gar nichts Bairisches an sich und gehört deswegen verschlort.

P.P.S.: Im Nachhinein erfahre ich, dass der Herr Obama ein alkoholfreies Weißbier getrunken hat. Also, wenn der noch einmal kommt wegen seinem Freihandelsschmarren, dann schenken wir ihm die Wahrheit ein.

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
Zur Biografie von Jörg Steinleitner

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1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.
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