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Das SYNDIKATs-Mitglied Angela Esser verrät, wie ihre aktuelle Krimi-Anthologie MORDS-TÖWERLAND entstanden ist
„Ich habe eine Anthologie herausgegeben.“
„Antho … was?“
„Eine Anthologie.“
„Was ist das denn?“
Na, dann gehen wir doch einmal gemeinsam auf Spurensuche!
Wo Schiller draufsteht, ist auch Schiller drin …
Bei einem Roman oder Sachbuch ist die Sachlage schnell nachvollziehbar. Der Name eines Autors oder einer Autorin – manchmal auch eines Autorenduos/-trios – steht auf dem Cover, die Urheberschaft des Textes ist somit auf den ersten Blick ersichtlich.
Bei einer Anthologie hingegen ist es ein bisschen anders.
Hier handelt es sich um eine Sammlung ausgewählter Texte
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(in der Regel von) verschiedener AutorInnen
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zu einem bestimmten Thema,
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die von einem Herausgeber oder einer Herausgeberin zusammengestellt und verantwortet werden.
Doch woher stammt eigentlich das Wort Anthologie und was bedeutet es?
Das Wort ‚Anthologie’ hat seinen Ursprung in dem griechischen Wort ἀνθολογία (anthología, anthos = Blume/legein = lesen, sammeln, sprechen) und wurde in Deutschland erstmals von Friedrich Schiller für seinen 1781 erschienenen Gedichtband verwendet. Anthologie wird demnach mit ‘Sammlung von Blumen’ oder auch ‘Blütenlese’ übersetzt, um die als hochwertig oder musterhaft eingeschätzte Textauswahl zum Ausdruck zu bringen.
Eine ‘Sammlung von Blumen’
Eine ‘Sammlung von Blumen’, das ist sie in meinen Augen wirklich, die Krimi-Anthologie „Mords-Töwerland“, die im April 2020 beim Gmeiner Verlag erschienen ist. Jede einzelne Geschichte ist eine phantasievolle Blume, die sich mit den anderen zu einem einzigartigen kriminell-guten Strauß vereint.
Von unheimlich über humorvoll bis tragisch. Alles ist dabei, … und der Tatort ist immer die traumhafte Insel Juist, die von den Einheimischen liebevoll und nicht umsonst Töwerland – Zauberland – genannt wird. Doch zurück. Wie fing denn alles an?
Bei Anruf Mord
Ende 2018 rief ich beim Gmeiner Verlag an, um dies und das zu besprechen und im Laufe des Gesprächs redeten wir auch über mein Krimistipendium auf Juist. Spaßeshalber machte ich irgendwann die Bemerkung, dass eine Juist-Anthologie doch auch mal eine spannende Sache wäre. Viel weiter kam ich nicht, denn dann war ich schon mit der Cheflektorin verbunden und nach weiteren zehn Minuten hatten wir gemeinsam das Projekt nicht nur besprochen, sondern auch ‘eingetütet’. Der Titel „Mords-Töwerland“ stand schnell fest, ebenso der Abgabe- und Erscheinungstermin, sowie die Voraussetzung für die Auswahl der Autor*innen. Es sollten alle ehemalige Juister Krimistipendiaten gewesen sein, da sie somit die Insel genau kannten.
Die ‘Auftrags-KillerInnen’
Als Herausgeberin habe ich die ausgewählten AutorInnen angefragt, ob sie einen Kurzkrimi für „Mords-Töwerland“ schreiben würden und … fast ausnahmslos Zusagen erhalten. Denn nicht nur ich habe mich in meiner Zeit auf Juist in die Insel verliebt, sondern auch die angesprochenen Autor*innen. Die wenigen, die mir aus Termingründen absagen mussten, haben es sehr bedauert, nicht mit dabei sein zu können. Jetzt hieß es warten, denn die Geschichten mussten ja erst einmal im Kopf enstehen, um dann auf Papier gebracht zu werden. Und wie sie enstehen, da lasse ich einfach am besten ein paar der Autor*innen der Anthologie zu Wort kommen.
Nadine Buranaseda
Ich bin am Menschen interessiert. Die Idee zu „Jenny ist live“ lag daher irgendwie auf der Hand, denn ich sehe den Umgang mit den sozialen Medien als Phänomen unserer Zeit kritisch. In der Geschichte geht es um Einsamkeit, Erfahrungen aus zweiter Hand und den Versuch, der eigenen Bedeutungslosigkeit zu entfliehen. Dazu habe ich mich bemüht, die passende Form zu wählen – einen YouTube-Livestream. Trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas haben mir als Autorin und Lektorin die Schreibfehler in den Chatkommentaren am meisten Spaß gemacht.
Su Turhan
„Juist sehen und sterben“ entstand dank eines Lächelns. Das der einzigen Inselpolizistin, die ich als Schauspielerin der Theatergruppe ‚Antjemöh’ bei Proben kennenlernen durfte. Nach dem Gespräch mit Tanja Krüger über ihre Arbeit auf Juist, wusste ich, dass sie die Heldin meiner Kurzgeschichte sein würde. Doch was erzählen? Ich komme bei Spaziergängen nicht auf Ideen. Dazu brauche ich meine Tastatur. Auf Juist war’s anders. Auf Juist spricht der Wind mit dir. Das Rotorengeräusch eines landenden Hubschraubers hat mich zum Showdown inspiriert. Doch mit einer Idee allein ist nichts erreicht. Lange nicht. Kurzgeschichten widme ich viel Zeit und Zuwendung.
Tatjana Kruse
Neben mir will man im Café nicht sitzen: Ich lausche nämlich! Meine Inselbesuche verbringe ich größtenteils ausnahmslos im Lütje Teehuus – nach dem Strand mein liebster Ort auf Juist –, trinke Ostfriesentee und esse mich durch die Karte – und genau dabei habe ich einmal zwei Herren zugehört, von denen einer sich mit seinen rekordreifen Eroberungen brüstete. Zack – stand mir der Plot vor Augen! Danke, unbekannter Frauenflüsterer!

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