Hannah Doyle: Mein Jahr zum Glück. Buchtipp | BUCHSZENE

Wenn dir dein Traummann abhanden kommt, hast du genau eine Möglichkeit: Jeden Tag als Chance anzusehen. Wildentschlossen stellt sich Hannah Doyles Heldin Izzy in „Mein Jahr zum Glück“ dem Leben.

Hannah Doyles „Mein Jahr zum Glück“ ist ein amüsanter, herzerwärmender Mutmacher-Roman

4. Januar 2019 | Frau Bluhm

Titelbild Mein Jahr zum Glück

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Frau Bluhm liest „Mein Jahr zum Glück“: 3 von 5 Bluhmen


Als Izzy sich endlich traut, sich ihrem Traummann zu offenbaren …

Izzy hat eben erst eine weitere, absolut katastrophale Silvesterfeier hinter sich gebracht. Nun, in der ersten Januarwoche, steht der Journalistin die Redaktionssitzung von „Pulse“ bevor, dem Life-Style-Magazin für das sie schon seit drei Jahren ziemlich erfolglos arbeitet. Die Silvesterparty war schlimm, weil „Gorgeous George“, der Bruder von Izzys Schwager, auf den Izzy seit Jahren steht, auf der Feier seine neue, glückliche Beziehung bekannt gemacht hat. So bleibt Izzy, die sich vorgenommen hatte, endlich den Mut zu finden, ihren Traummann anzusprechen, mit Liebeskummer und den ewig gleichen Vorsätzen zurück: „Nein“ zu Alkohol, Kohlenhydraten, besonders Zucker, und vor allem „nein“ zu den ewig unerreichbaren Männern. Doch da hat Izzy nicht mit ihrer Chefin gerechnet, die auf bereits erwähnter Redaktionssitzung verkündet, ein Feature übers „Ja-Sagen“ bringen zu wollen; und Izzy soll sich endlich auch im Schreiben, und nicht nur im Kaffeeholen und Anzeigentippen beweisen. Auf so eine Chance hat Izzy immer gewartet, doch als die erste von zwölf Mutproben vor der Tür steht, beginnt sie zu begreifen, dass Ja-Sagen viel mehr Mut erfordert, als „Nein“ zu sagen. Doch sie nimmt die Herausforderung an, und im Laufe des Jahres und mit zwölf, teilweise nervenaufreibenden, aber lohnenden Erfahrungen im Gepäck, stellt sich heraus, dass dieses Ja-Sagen gar nicht so schlecht ist, wie anfänglich gedacht.

Hannah Doyles „Mein Jahr zum Glück“ ist amüsant und herzerwärmend

Hannah Doyle schenkt uns mit ihrem Debütroman „Mein Jahr zum Glück“ eine kurzweilige, amüsante und herzerwärmende Geschichte zum Thema „Veränderung“. Mit ihrer Protagonistin Izzy hat sie ein nettes Mädchen von Nebenan erschaffen, in die man sich wirklich gut einfühlen kann. Es hat mir Spaß gemacht mit Izzy zu erleben, was geschieht, wenn man sich von der eigenen, kleinen Seifenblasenwelt, in der man sich angewöhnt hat zufrieden zu sein, lösen kann. Die Mutproben, die sie über zwölf Monate hinweg bestehen soll, sind teilweise sehr herausfordernd, aber niemals unlösbar. Ich selbst konnte viele Kleinigkeiten dieser einzelnen Aufgaben für mich mitnehmen.

Izzy stellt sich spannenden Herausforderungen

Warum nicht mal einen anderen Look ausprobieren, wie Izzy im Januar? Was soll schon passieren? Warum nicht mal für einige Tage aus der modernen Kommunikation aussteigen, wie in der Mutprobe im März? Izzy tun diese Sachen sehr gut, und ich selbst empfinde sie als inspirierend. Sich als Aktmodell zur Verfügung stellen und auf einer Festival-Bühne performen, wäre vielleicht dann eher nichts für mich. Aber den Sinn, den diese Aufgaben für Izzy als Mensch darstellen, kann ich verstehen und würde mir gerne im nächsten Jahr ein Beispiel daran nehmen: einfach öfters „Ja“ zu Herausforderungen zu sagen; mutiger zu sein und die Zehenspitze über die Grenzen der eigenen Komfortzone zu setzen hat noch niemandem geschadet. Dazu hat Hannah Doyle mit ihrer Izzy mich wirklich ermutigt.

Hier kommt meine Kritik an Hannay Doyles „Mein Jahr zum Glück“

Diese großartigen Gedanken und Ansätze kann man in jedem Fall aus der Lektüre von „Mein Jahr zum Glück“ mitnehmen. Ich hätte mir allerdings manchmal etwas mehr Tiefgang gewünscht. Izzy verändert sich im Laufe des Romans, wie man sich denken kann, sehr. Äußerlich natürlich auch, aber viel größere Auswirkungen hat diese veränderte und neue Einstellung zum Ja-Sagen auf Izzys Persönlichkeit. Sie wird selbstbewusster, offener und extrovertierter. Beim Lesen blieb mir diese Veränderung etwas zu flach dargestellt. Ich finde es einfach unrealistisch, dass man über Nacht ein positiv denkender, exaltierter Mensch wird, wenn man daran gewöhnt war ein graues Mäuschen zu sein. Es wäre schön gewesen, diesen Prozess mehr wahrnehmen zu können, denn mit dieser plötzlichen Veränderung wird sie für mich als Charakter unglaubwürdig.

Du kannst nicht erwarten, dass deine Freunde alles aus dem Weg räumen

In Izzys privaten Beziehungen verändert sich durch ihre eigene neue Lebensweise natürlich sehr viel. Auch da wäre etwas mehr Tiefe von Vorteil gewesen. Mir ging dieser Prozess einfach zu glatt und vorhersehbar über die Bühne. Meiner Meinung nach muss die Veränderung einer persönlichen Einstellung nicht unbedingt damit einhergehen, dass man das Alte und Vertraute komplett ablehnt. Jemand wie Izzy, die früher nur zuhause gesessen und total vorhersehbar gelebt hat, wird jetzt offener und geht mehr aus dem Haus, was gut ist. Es muss aber noch lange nicht heißen, dass man es nicht mehr zu schätzen wissen darf, mit der besten Freundin zuhause einen Pizza-Video-Abend zu veranstalten. Ein klein wenig mehr Mittelweg wäre hier schön gewesen. Dass Izzy da in Konflikte gerät ist klar, doch ihre Lösung geht mir dann etwas zu oberflächlich vonstatten. Man kann nicht davon ausgehen, dass alle Freunde, die man hat, sofort so empathisch sind, die Probleme aus der Welt zu schaffen. Mir hätte Izzy noch mehr imponiert, hätte sie es ein wenig schwerer gehabt. „Mein Jahr zum Glück“ hätte dadurch an Glaubwürdigkeit gewonnen.

Was Hannah Doyles „Mein Jahr zum Glück“ zum Hauptgewinn macht

Doch, wie schon gesagt, inspirierend sind Izzys Vorhaben allemal. Aus der Ich-Perspektive folgen wir ihr durch ein turbulentes Jahr, und das ist wirklich ein Vergnügen. Denn diese Frau und ihre Schöpferin sind absolut amüsant und sehr menschlich. Dies trifft im Übrigen auch auf die Nebencharaktere zu. Mein Favorit dabei ist Izzys beste Freundin Jamie, die cool genug ist, einen Männernamen zu haben. Eine tolle Person, und von Hannah Doyle sehr liebevoll und schillernd angelegt. Sie ist der Faktor, der „Mein Jahr zum Glück“ zum Hauptgewinn macht, weil sie beweist, was wirklich wichtig ist: Veränderung ist wichtig, man darf nur nicht vergessen, was immer schon gut war.

Mein Vorsatz für 2019: Ein bisschen mehr wie Izzy sein!

Doch dank Jamie kommt Izzy selbst auch noch drauf und so kann ich mit reinstem Gewissen sagen: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, kann es als Inspiration gut weiterempfehlen und mein Neujahrsvorsatz 2019 ist: Ich will ein bisschen mehr sein wie Izzy!

Frau Bluhm

Geboren 1984 in Aschaffenburg als Katharina Bluhm, studierte Frau Bluhm Psychologie und wurde nach dem Studium Erzieherin. Als BUCHSZENE.DE-Kolumnistin entdeckt wurde sie wegen ihrer so sympathischen wie zutreffenden Rezensionen auf Lovelybooks.


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